Erstellt am 08. April 2015, 12:32

von APA/Red

Steirer bekam nach Autounfall mit zwei Toten Geldstrafe. Ein 81-jähriger Steirer ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht wegen fahrlässiger Tötung zweier Angehöriger zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Der Mann hatte im Vorjahr ein Auto durch eine Baustelle gelenkt und war damit in einen Bach gestürzt, weil die Brücke fehlte. Seine Frau und sein Schwager starben, er sowie sein Bruder wurden verletzt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Baustellen-Schilder übersehen.

Bei strömenden Regen und Dunkelheit war der Pensionist im August des Vorjahres mit den drei Beifahrern nach einem Buschenschank-Besuch nach Hause gefahren. Getrunken hatte er nichts, dennoch habe er die Baustellen-Schilder in Sinabelkirchen (Bezirk Weiz) übersehen. Er fuhr über ein Absperrgitter, das am Boden gelegen war, dann noch über eine etwa 20 Zentimeter hohe Fräskante, ehe der Wagen in den Bach stürzte. Er selbst und sein Bruder konnten sich befreien, für die anderen beiden gab es jedoch keine Rettung mehr.

Angeklagt war die fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen, doch der Schuldspruch lautete letztlich schuldig wegen fahrlässiger Tötung. Der Lenker war 20 bis 30 km/h schnell gefahren, was sein Verteidiger als "sehr vorsichtig" bezeichnete: "Er konnte nicht wissen, dass da ein tödliches Hindernis bei 20 km/h lauert." Anders sah das die Staatsanwaltschaft: "Ihr Bruder sagte, er hat den Abgrund gesehen, Sie nicht, aber Sie hätten ihn sehen müssen, sonst dürfen Sie nicht fahren oder die Geschwindigkeit anpassen", lautete der Vorwurf an den Beschuldigten.

400 Euro Geldstrafe

Der betagte Angeklagte, der zwar schwerhörig ist, jedoch laut ärztlicher Untersuchung gut sehen kann, meinte in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung: "Ich bin eh schon gestraft genug, ich habe meine Frau verloren." Dennoch sah Richterin Michaela Lapanje eine Schuld bei dem Lenker: "Die Geschwindigkeit war zu hoch, sonst hätten Sie erkannt, dass da was ist. Sie hätten stehen bleiben müssen und hätten den Abgrund gesehen." Der Steirer wurde zu 400 Euro Geldstrafe verurteilt. Sein Verteidiger bat um drei Tage Bedenkzeit.

Während das Urteil über den Lenker gesprochen wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft nun u.a. auch gegen den Polier der Baufirma. Laut Gutachter entsprach die Baustellenabsicherung nicht den Vorgaben der Bezirkshauptmannschaft (BH) Weiz. Außerdem waren auch die Bescheide der BH falsch. Der Sachverständige sprach von "massiven Fehlern" und "mangelnder Absicherung". Für den Polier dagegen war alles richtig aufgestellt: "Ich mache das seit 25 Jahren. Es wurde täglich kontrolliert, dass der Bauzaun am Abend zu ist - tausendprozentig."