Erstellt am 10. Juni 2015, 15:03

von APA Red

Steirischer Landeschef Voves tritt zurück. In der steirischen Landespolitik bleibt kein Stein auf dem anderen. Landeshauptmann und SPÖ-Chef Franz Voves tritt zurück, Hermann Schützenhöfer nimmt für die ÖVP auf dem Landshauptmannsessel Platz, wiewohl die Volkspartei bei der Landtagswahl am 31. Mai nur Platz zwei errungen hatte.

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Das gaben die beiden Politiker am Mittwochnachmittag nach den Sitzungen der Vorstände von SPÖ und ÖVP bekannt.

Die Steiermark wird somit künftig schwarz-rot regiert, denn Schützenhöfer bekräftigte, er wolle die gemeinsame Arbeit der vergangenen fünf Jahre fortsetzen. Er werde das Land die gesamten fünf Jahre lang regieren, kündigte er weiters an, womit die Spekulationen über eventuelle Halbzeitlösungen vom Tisch sind.

Tränenerstickte Stimme beim Abschied

Voves verabschiedete sich mit tränenerstickter Stimme von Wegbegleitern und Wählern und meinte, "es war eine große Auszeichnung". Voves hatte vor der Wahl angekündigt, zurückzutreten, sollte seine Partei unter 30 Prozent fallen.

Die SPÖ erreichte bei der Landtagswahl 29,29 Prozent (minus 8,97 Prozentpunkte gegenüber 2010), die ÖVP 28,45 Prozent. Die Freiheitlichen bekamen 26,76 Prozent, die Grünen 6,68 und die KPÖ 4,22 Prozent.

Voves hatte zuvor die Wahl auch zu einem Votum über seine Reformen erklärt. Nun geht der 2002 in die Politik gekommene Quereinsteiger, der 2005 der ÖVP den LH abgenommen hatte. Das Ernten der Früchte seiner Reformen blieb ihm persönlich nicht vergönnt.

Viel beachtete Zusammenarbeit mit Schützenhöfer

Seine fast freundschaftliche Zusammenarbeit mit Hermann Schützenhöfer hatte österreichweit Beachtung gefunden und war vor der Wahl auch zu einer Abstimmung über den Willen der Wähler zur Zustimmung zu Reformen stilisiert worden.

Stichwort Gemeindefusionen, Budget ohne Neuverschuldung, Strukturreformen in der Landesverwaltung - der "Reformpartnerschaft" unter Voves ist es offenbar nicht gelungen, die eigenen Leistungen gegen das Ausländer- und Asylthema der FPÖ zu positionieren.

SPÖ und ÖVP bzw. Voves und Schützenhöfer unterschieden sich nach dem korrekten, sachlichen Umgang der vergangenen vier Jahre im letzten Jahr der Legislaturperiode nur in Nuancen - geeint auch in der Ablehnung der FPÖ.

Quereinsteiger aus Bundes-Vorstand zurückgezogen

Voves war 2002 als Quereinsteiger in die Landespolitik gekommen und hatte 2005 der 60 Jahre lang regierenden ÖVP die Mehrheit im Landtag und den Landeshauptmann abgenommen. Im Frühjahr 2009 hatte er sich mit seinem Wirtschaftsprogramm "NEW" und seiner Forderung nach Vermögenssteuern stark gegen die Bundes-SPÖ exponiert und sich - zunächst - kalte Füße geholt. Diese Positionen aber stehen mittlerweile bei der Bundespartei nicht mehr grundsätzlich infrage.

Bundesparteipolitik und Wahlen kommentiert Voves mittlerweile kaum noch, auch aus dem Vorstand der Bundes-SPÖ hatte er sich zurückgezogen. Seine leichte Reizbarkeit hat der in zweiter Ehe verheiratete 63-Jährige nun einigermaßen im Griff, wenngleich ihm bei ihm wichtigen Themen bisweilen noch die Pferde durchgehen.

Geboren am 28. Februar 1953 in Graz, war die Jugend von Voves vom Sport geprägt: Beim "Arbeiter Turn- und Sportverein Eggenberg" (ATSE) wagte der Sohn eines Puch-Arbeiters und kommunistischen Betriebsrates - eine Herkunft, die er gerne betont - die ersten Schritte aufs Eis.

Mit seinem Verein wurde er zweimal österreichischer Eishockey-Meister, spielte als Mittelstürmer im Nationalteam bei sieben Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976. Nach der Matura studierte Voves Betriebswirtschaft, schloss 1978 ab und begann in einem Grazer Steuerberaterbüro zu arbeiten.

1979 wechselte er zur Merkur-Versicherung, wo er 1989 in den Vorstand aufstieg. Als Quereinsteiger holte der damalige LHStv. und Parteichef Peter Schachner-Blazizek ihn an die Spitze der steirischen Sozialdemokraten. Im Oktober 2005 drehte er die Mehrheitsverhältnisse im Land um und wurde der erste Sozialdemokrat, der als gewählter LH der Steiermark in die Grazer Burg einzog.

Voves hat eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau Ingrid in Vasoldsberg bei Graz. Sie wird sich nun auf mehr gemeinsame Freizeit freuen, seinen Wechsel in die Politik hatte sie nicht immer goutiert. Voves selbst sagte ja am 31. Mai bei seiner Stimmabgabe zu seinen ihn begleitenden Enkerln bei der Stimmabgabe: "Wenn's nicht gut geht, hat der Opa mehr Zeit für euch".