Erstellt am 16. Juni 2014, 15:50

Strache und Gudenus belasteten Stadler in Prozess. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat am Montag im Nötigungs-Prozess gegen Ewald Stadler die Aussagen des zuvor befragten Zeugen Johann Gudenus bestätigt.

Strache berichtete auch davon, dass Stadler bereits vor dem angeblichen Treffen mit Gudenus ihm gegenüber "Andeutungen" gemacht habe, dass er etwas gegen ihn in der Hand habe, sagte der FP-Chef. Zu dem von Gudenus behaupteten Treffen vom 22. Dezember 2006 zwischen Gudenus und Stadler bzw. dessen Mitarbeiter Robert Stelzl sagte Strache, er habe Gudenus danach in seinem Büro getroffen. Auch er berichtete, dass er von diesem Gespräch mit Gudenus einen Aktenvermerk angefertigt hätte.

Inhaltlich bestätigte er die Aussagen von Gudenus: Dieser habe ihm davon berichtet, Stadler bzw. Stelzl hätten erklärt, dass "etwas passieren werde", sofern Strache nicht innerhalb des gleichen Tages über OTS eine Erklärung abgebe, dass die FPÖ-Akademie weiterhin ein förderungswürdiger Verein sei - und tags darauf ein Schreiben an das Kanzleramt schickt. Es sei darum gegangen, dass man "mich zu Fall bringen" werde, so Strache, der von "Anwürfen" gegen ihn und andere sprach.

"Habe klar gesagt, ich lasse mich nicht erpressen"

Gudenus habe ihm gegenüber gesagt, "dass er ganz klar sozusagen die Botschaft mitbekommen hat, mir das zu sagen, wenn ich nicht handle, dann werde ich Schaden nehmen und auf Dauer nicht haltbar sein" (als FP-Obmann, Anm.). Für ihn sei aber klar gewesen, dass er sich den Vorwürfen stellen werde: "Ich habe nichts verbrochen und das lasse ich mir nicht gefallen", so Strache. "Ich selbst habe klar gesagt, ich lasse mich nicht erpressen."

Der FPÖ-Chef berichtete auch von persönlichen Gesprächen mit Stadler: Dieser habe ihm gegenüber bereits im November 2006 Andeutungen gemacht, etwas gegen ihn in der Hand zu haben. Bereits damals habe ihn dieser erstmals auf "Jugendtreffen" in Kärnten angesprochen (an denen Strache teilgenommen haben soll) und "drohend in den Raum gestellt, dass ich Bescheid wissen muss, dass er Bescheid weiß und ich mir genau überlegen soll, wie ich damit umgehe".

Auf Nachfrage seien "kryptische Andeutungen" gekommen, es solle sich genau überlegen, was er tue, weil es Materialien geben würde, die ihm schaden könnten. Er habe aber gesagt, er habe "keine Angst". Dennoch habe er dem damaligen FPÖ-Bürgeranwalt Hilmar Kabas von dem Gespräch berichtet, sagte Strache. Die Fotos seien auch angesprochen worden, er habe sie aber nicht gesehen, so Strache. Stadler habe ihm gegenüber damals auch nicht behauptet, dass er die Fotos besitze, sondern lediglich, dass es sie gibt. Insgesamt sprach Strache von "versuchter Rufschädigung, meiner Person zu schaden und mich zu Fall zu bringen."

Strache berichtete dem Gericht auch davon, dass die Vorkommnisse auch Thema bei einer Bundesparteivorstandssitzung am 13. Jänner 2007 gewesen seien. Stadler sei auch anwesend gewesen und habe dort Rede und Antwort gestanden. Was die Fotos betrifft, habe Kabas gesagt, er werde eine Prüfung vornehmen. Anzeige habe es in weiterer Folge keine gegeben, weil sich das mit dem Ausscheiden Stadlers aus der Partei erledigt hatte, so Strache.

Stichwort "Atombombe" 

Die Fotos habe er selbst zum ersten Mal in der Vorstandssitzung vom 13. Jänner gesehen, so Strache. "Offensichtlich" seien sie in einem Brief dabei gewesen, den Stadler an Kabas übermittelt hatte - und dieser in der Sitzung vorgelesen habe. Nachdem die politischen Mitbewerber - namentlich das BZÖ - die Fotos thematisiert hatten, habe er beschlossen, damit "offensiv umzugehen". Er habe dann die Fotos im Jänner zu einem Interview im ORF mitgenommen, so Strache. Alle Fotos, die Kabas bekommen hat, seien damals veröffentlicht worden.

Von der Richterin nach angeblichen Aussagen aus dem Umfeld Stadlers gefragt, wonach dort von einer "Atombombe" gesprochen worden sei, sagte Strache, es sei ihm mitgeteilt worden, dass das vom Zweitangeklagten Robert Stelzl gefallen sein soll. "Dass da eine Atombombe geworfen wird und ich bald Geschichte sein werde", so Strache.

Nach der Einvernahme Straches wurde der Prozess mit weiteren Zeugen-Anhörungen fortgesetzt. Im Laufe des Nachmittags sollten u.a. noch der nicht-amtsführende Wiener Stadtrat Eduard Schock im Landesgericht aussagen.