Erstellt am 02. Juni 2014, 17:41

von APA/Red

Streiks bei Amazon gehen weiter. Im Tarifkonflikt mit dem weltgrößten Online-Versandhändler Amazon verstärkt die deutsche Gewerkschaft ver.di den Druck.

Das Logistikzentrum im bayerischen Graben bei Augsburg wird laut der Gewerkschaft dauerhaft der dritte Standort für Streiks in Deutschland. "Wir werden die Nummer drei im Bunde. Die Kollegen sind entschlossen", sagte Thomas Gürlebeck vom ver.di-Landesbezirk am Montag.

Für die Belegschaft in Graben war es nach einer ersten Arbeitsniederlegung am 16. Dezember 2013 am Montag zwar erst der zweite Streiktag überhaupt. Auf einer Versammlung sei aber beschlossen worden, den Ausstand mindestens bis einschließlich Dienstag fortzusetzen. Wie es danach weitergeht, solle am Dienstag beschlossen werden, erklärte Gürlebeck.

Dritter Streiktage in Folge

Neben Graben wurde am Montag in dem seit mehr als einem Jahr währenden Tarifstreit um bessere Bezahlung und Arbeitnehmerrechte auch im hessischen Bad Hersfeld gestreikt. Es war der dritte Streiktag in Folge. Leipzig pausierte nach dem Ausstand am Wochenende.

Ver.di ließ am Abend offen, ob der Streik auch am Dienstag in Bad Hersfeld fortgesetzt wird. Auf lange Sicht könnte das Amazon-Lager in Rheinberg (NRW) der bundesweit vierte Standort für Ausstände werden, sagte Mechthild Middeke von ver.di in Hessen.

Am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld (3.500 Mitarbeiter) sowie in Graben (2.200) beteiligten sich am Montag nach Angaben von Amazon weniger als 600 Mitarbeiter an dem Ausstand. Laut ver.di waren es 450 Beschäftigte im Tagesverlauf in Bad Hersfeld und mehr als 400 in Graben. Auf den Versand an die Kunden habe der Streik aber erneut keine Auswirkungen gehabt, versicherte ein Amazon-Sprecher.

Tarifverhandlungen als Ziel

"Der Streik ist dennoch wirksam", befand Middeke. "Denn logistischer Mehraufwand entsteht in jedem Fall - und der kostet das Unternehmen etwas. Andere Beschäftigte müssen Überstunden schieben. Wir werden den Arbeitgeber schon ordentlich treffen."

Mit den Streikaktionen will die Gewerkschaft Amazon zur Aufnahme von Tarifverhandlungen bewegen, die sich an den Bedingungen des Einzelhandels orientieren. Amazon lehnt das ab und sieht sich selbst als Logistiker, dessen Bezahlung schon am oberen Ende des branchenüblichen Niveaus liege. Amazon beschäftigt an bundesweit neun Standorten mehr als 9.000 Mitarbeiter.

Die ver.di-Vertreter in Bayern rechnen mit einer Geduldsprobe: "Dass sich die Auseinandersetzungen erneut bis in das Weihnachtsgeschäft hinziehen werden, ist durchaus nicht unwahrscheinlich", sagte der Leiter des Fachbereichs Handel, Hubert Thiermeyer. "Wir werden einen langen Atem haben", sagte Gewerkschafterin Middeke in Bad Hersfeld.