Erstellt am 20. August 2016, 14:52

von APA Red

VW kündigt Verhandlungslösung an. Im Streit mit zwei Zulieferern will der Volkswagen-Konzern (VW) ungeachtet seiner Erfolge vor Gericht auf eine gütliche Einigung setzen.

 |  APA/ag.

"Wir sind mit den Lieferanten weiter im Kontakt und suchen eine Einigung auf dem Verhandlungsweg", sagte ein Sprecher der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.) laut Vorausbericht. "Zugleich halten wir uns aber auch den Rechtsweg weiter offen."

Aus dem Umfeld der Zulieferfirmen hieß es dem Blatt zufolge jedoch, dass VW die Gespräche erst am Montag fortsetzen wolle und ein Treffen am Wochenende abgelehnt habe. Der Machtkampf zwischen VW und den Zulieferern könnte den Dax-Konzern teuer zu stehen kommen. Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sagte den "Ruhr Nachrichten", VW drohten "Gewinneinbußen im hohen dreistelligen Millionen-Bereich".

Wegen der fehlenden Bauteile der beiden sächsischen Firmen Car Trim und ES Automobilguss muss im VW-Stammwerk in Wolfsburg die Produktion des Golf ruhen. Insgesamt wird Volkswagen voraussichtlich in fünf Werken mehr als 20.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Die beiden Zulieferer werfen VW einen Missbrauch seiner Marktmacht vor.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) warnte vor dramatischen Folgen, falls der Streit nicht bald endet. Die Firmen Car Trim und ES Automobilguss lieferten bisher Sitzbezüge und Getriebeteile an Volkswagen. Obwohl das Braunschweiger Landgericht die Firmen per einstweiliger Verfügung dazu verpflichtet hat, ihre vertraglichen Leistungen zu erfüllen, gibt es weiterhin keinen Nachschub für Volkswagen. Die ES Automobilguss legte laut Gericht Widerspruch gegen die Verfügung ein, die Car Trim, die zur gleichen Muttergesellschaft gehört, kann demnach noch Berufung beim Oberlandesgericht einlegen.

Lies sagte am Samstag im Radiosender NDR Info, noch sei der Konflikt mit den Zulieferern in einer Phase, "wo wir mit Beginn der Kurzarbeit in Emden und der drohenden Kurzarbeit in anderen Standorten reagieren können". Doch wenn sich der Streit noch lange hinziehe, "mag ich über die Auswirkungen, die das hat, noch gar nicht nachdenken. Mir ist noch gar nicht klar, wie wir dem dann begegnen wollen."

Lies mahnte die Verantwortlichen, nach einer Lösung zu suchen. Er erwarte, dass die Sache "nicht auf dem Rücken der Beschäftigten weiter ausgetragen wird". "Tausende von Menschen" machten sich jetzt Sorgen um ihre Arbeitsplätze.

Zum Hintergrund des Konflikts sagte Lies, es gehe "um einen Auftrag oder Aufträge", die Volkswagen gekündigt habe. Dies sei seiner Meinung nach ein "normaler Prozess, der eigentlich zwischen Zulieferer und Automobilhersteller reibungslos abgearbeitet werden sollte". Die Eskalation sei umso erstaunlicher, als dass Volkswagen mit ES Automobilguss schon seit 30 Jahren zusammenarbeite.

Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verurteilte den Lieferstopp. "Hier läuft ein ganz mieses Spiel", sagte er der "Bild"-Zeitung. Das Blatt berichtete zudem über geplante Auszeiten in der Golf-Fertigung vom 4. bis 7. Oktober sowie vom 19. bis 22. Dezember. Diese hätten aber nichts mit dem aktuellen Lieferstreit, sondern mit einer geringeren Golf-Nachfrage infolge der Abgas-Krise zu tun.