Erstellt am 13. April 2014, 12:25

Streit um Nazi-Besatzungsdenkmal in Budapest. Auf dem Budapester Freiheitsplatz haben am Samstagabend erneut Menschen gegen den von der rechtskonservativen Regierung geplanten Bau eines Nazi-Besatzungsdenkmals demonstriert.

Bauzäune mussten dieses Mal nicht niedergerissen werden, denn diese lagen noch auf dem Baugelände. Sie waren seit Freitag nicht neu aufgestellt worden.

Historiker und jüdische Verbände protestierten gegen Bau des Denkmals

"Wir werden jeden Tag hier Wache halten, damit dieses unsägliche Denkmal nicht errichtet wird", erklärt ein Mann. Eine Frau protestierte, der Plan der Regierung von Premier Viktor Orban sei eine Schande. "Dabei hatte der Premier versprochen, nach Ostern mit den Gegnern des Denkmals zu verhandeln, solange nicht zu bauen. Doch kaum hat Orban die Wahlen gewonnen, da wird auch schon gebaut."

Historiker und jüdische Verbände protestierten scharf gegen den Bau des Denkmals, der bis Ende Mai abgeschlossen sein soll. Immer wieder wurden die Bauzäune um dessen Sockel umgestoßen, auf dem Demonstranten inzwischen persönliche Gegenstände wie Fotos mit Opfern des Holocaust, Blumen, Kerzen, Bücher und Steine anbrachten. Anwesende Polizisten traten am Samstag nicht in Aktion.

Mit dem Bau des Denkmals in Sichtweite zum Sowjet-Denkmal für die Befreiung Ungarns durch die Rote Armee will die rechtskonservative Regierung laut Beobachtern eindrucksvoll den ungarischen Opfermythos - die Unterdrückung des kleinen Ungarn durch die zwei grausamen Großmächte Hitler-Deutschland und die stalinistische Sowjetunion - demonstrieren.

Das Denkmal soll einen deutschen Reichsadler zeigen, der sich im Sturzflug auf den Erzengel Gabriel stürzt, der Ungarn symbolisiert, und an den Beginn der Besetzung Ungarns durch Nazi-Deutschland 1944 erinnert. Dieses Denkmal stellt laut dem Ungarischen Verband Jüdischer Gemeinden (Mazsihisz) die damaligen Machthaber Ungarns zu Unrecht als personifizierte Unschuld dar.

Mazsihisz hatte wegen des Denkmalsprojekts den Boykott der von der Regierung geplanten Veranstaltungen zum 70. Holocaust-Gedenkjahr verkündet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden nahezu 600.000 ungarische Juden in Nazi-Vernichtungslagern ermordet.

Historiker bezeichnen Denkmal als Geschichtsfälschung

Historiker bezeichnen das Denkmal als Geschichtsfälschung. Sie erinnern daran, dass eine bisher ausgebliebene Stellungnahme der Ungarischen Akademie der Wissenschaften den Bau des Denkmals sicher ablehnen würde. Die oppositionellen Sozialisten (MSZP) drängen auf ein Referendum zum Denkmalbau im betroffenen 5. Budapester Stadtbezirk.

Laut der oppositionellen Demokratischen Koalition (DK) verwischt das Denkmal die Erinnerung an die Opfer und auch an die Massenmörder. Die Regierungspartei Fidesz-MPSZ wolle mit dem Denkmal lediglich eine Geste an die Rechtsextremen machen.

Der Bau des umstrittenen Denkmals zum 70. Jahrestag der Besetzung Ungarns am 19. März 1944 durch Hitler-Deutschland war seitens der Regierung auf Mai verschoben worden. Als offizielle Gründe wurden nicht die weltweiten Proteste angeführt, sondern dass angeblich die "Umstände und Vorbereitungen nicht entsprechend gediehen seien".