Erstellt am 21. April 2015, 17:25

von APA Red

Stronach-Kandidat Auer hinterrücks ausgetauscht. Im Team Stronach geht es personell wieder einmal drunter und drüber: In den sauren Apfel beißen musste diesmal Wolfgang Auer - er wurde hinter seinem Rücken als steirischer Spitzenkandidat ausgetauscht.

Auch als Vizeparteichef soll er gehen, richtete ihm Bundesgeschäftsführer Ronald Bauer am Dienstag via APA von Parteigründer Frank Stronach aus.

Ausgebooteter zu Demontage: "Skurril und obskur"

Auer - ein steirischer Arzt, der wegen seiner Präparate gegen Übersäuerung den Spitznamen "Basen-Auer" trägt - war erst im Februar nicht nur als neuer Vizeparteichef und damit quasi Sprachrohr des Austro-Kanadiers Stronach in Österreich vorgestellt worden, sondern auch als Spitzenkandidat für die steirische Landtagswahl am 31. Mai.

Das Team Stronach ist allerdings bekannt für seine Personalturbulenzen, und keine drei Monate später dürfte Auers Ausflug an die Parteispitze wieder Geschichte sein - wenn auch wenig nobel.

Dienstagmittag schickte Bundesgeschäftsführer Bauer eine OTS-Presseaussendung aus, in der er das Antreten der Partei in allen vier steirischen Wahlkreisen bekannt gab. Dazu schrieb er von einem "sorgfältig ausgewählten Team mit dem steirischen Unternehmer Ing. Mag. (FH) Josef Kaltenegger an der Spitze". "Ich bin stolz auf Josef Kaltenegger", wurde außerdem der Parteichef zitiert. Auer kam in der OTS mit keinem Wort vor.

Abgesprochen war die Aktion nicht, Auer erfuhr von seiner Demontage aus der Aussendung - "skurril und obskur", zeigte er sich gegenüber der APA alles andere als erfreut. Er will sich nun bei einer Klubsitzung am Nachmittag mit dem Parlamentsklub beraten.

Mitgliederversammlung bei Stronach-Besuch im Mai

Aufgeben wollte Auer nämlich nicht, sondern Vizeparteichef bleiben. Auch nach einer Klubsitzung am Dienstagnachmittag zeigte er sich vorerst weiter standhaft. "Ich trete jetzt nicht zurück", sagte er gegenüber der APA. Er sehe keinen Grund dazu, denn "ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen, im Gegenteil".

Daraus wird wohl nichts: Denn im APA-Gespräch kündigte Bundesgeschäftsführer Bauer "Veränderungen" im Bundesparteivorstand an. Wenn Stronach Anfang Mai wieder nach Österreich komme, werde es eine Mitgliederversammlung geben. Tritt Auer nicht zurück, soll es in dem rund 20-köpfigen Gremium einen Abwahl-Antrag geben.

Wer in dieser Mitgliederversammlung sitzt, wird von der Parteispitze übrigens geheim gehalten. In der Partei murrt man hinter vorgehaltener Hand, dass es sich unter anderem um die Stronach-Vertrauten Anwalt Michael Krüger und Renate Heiser-Fischer, aber auch einfach Bewohner aus Oberwaltersdorf - Stronachs Basislager in Österreich - handeln soll.

Bauer scheint damit jedenfalls den jüngsten parteiinternen Machtkampf für sich entschieden zu haben: Auer hatte dem machtbewussten Stronach zuletzt nahegelegt, sich auf die Rolle des Mäzens zurückzuziehen und außerdem dem Bundesgeschäftsführer via APA vorgeworfen, seine Arbeit nicht zu machen.

Gerüchte über Hände auf der Parteikassa

Damit sprach Auer freilich vielen im Parlamentsklub aus der Seele: Dort munkelt man nämlich hinter vorgehaltener Hand, dass Bauer und Parteianwalt Michael Krüger die Hand allzu fest auf die Parteikassa halten, wenn es um politische Aktivitäten geht und die beiden kein Interesse daran hätten, die Partei weiterzubringen.

Das sei "völliger Unsinn", betonte Bauer am Dienstag, "ich vertrete natürlich in sämtlichen Bereichen die Interessen des Herrn Stronach".

Dass Auers Kritik an ihm als Bundesgeschäftsführer Grund für die Demontage ist, stellte Bauer in Abrede: Er sei nur für Organisatorisches verantwortlich und treffe keine parteipolitischen Entscheidungen. Wer genau beschlossen hat, nun doch statt Auer den einstigen Bauernbündler Josef Kaltenegger als Spitzenkandidat aufzustellen, wollte Bauer nicht verraten.

Parteichef Stronach habe aber in der Entscheidung "das letzte Wort gehabt". Kaltenegger habe sich im Vorwahlkampf "sehr gut bewährt" und "um die Interessen der Steirerinnen und Steirer bestmöglich zu vertreten", habe man sich nun entschlossen, ihn ins Rennen zu schicken.