Erstellt am 11. Januar 2015, 14:55

von APA Red

Sturm "Felix" fegte über Österreich. Sturm "Felix" ist am Wochenende mit bis zu 120 Stundenkilometern über Österreich gefegt. Insbesondere am Samstag mussten die Feuerwehren landesweit zu hunderten Einsätzen ausrücken. Verletzt wurde niemand.

Der Föhnwind bescherte Österreich auch einen neuen Allzeit-Jänner-Temperaturrekord, an gleich zwei Messstellen in der Steiermark und Kärnten kletterte das Thermometer am Samstag auf 21,7 Grad.

Am Sonntag mit Aufräumarbeiten beschäftigt

In Wien blieb die Prater Hauptallee auch am Sonntag weiterhin gesperrt. Rund 350 Mal musste die Feuerwehr in der Bundeshauptstadt am Wochenende ausrücken, sagte Christian Feiler, Sprecher der Berufsfeuerwehr der APA. Am Samstag wurde "erhöhte Einsatzbereitschaft" ausgerufen, zu Spitzenzeiten waren 250 Mann zeitgleich unterwegs.

In der Nacht auf Sonntag flaute der starke Wind ab. Am Sonntag waren die Einsatzkräfte noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Am häufigsten alarmiert wurde die Feuerwehr wegen loser Bauteile wie beispielsweise Rauchfangaufsätze, Satellitenschüsseln oder auch Dachrinnen. Dazu kamen zahlreiche umgestürzte oder gefährdete Bäume. Dutzende Einsätze gab es auch wegen loser Dachziegel.

In Kärnten sorgte der Föhnsturm vor allem am Samstag für erhebliche Schäden in den nördlichen Landesteilen entlang der Tauern. Die freiwilligen Feuerwehren mussten rund drei Dutzend Mal zu Einsätzen ausrücken. "Felix" bescherte dem Bundesland am Samstag aber auch einen neuen Jänner-Temperaturrekord, der nun gemeinsam mit Graz-Straßgang gehalten wird. In Obervellach (Bezirk Spittal) wurden 21,7 Grad Celsius gemessen.

Murenabgänge und Sport-Event-Absagen

Die ungewöhnlich hohen Temperaturen führten im oberen Mölltal aber auch zu starker Schneeschmelze und kleinräumigen Murenabgängen. Betroffen war unter anderem die Großglockner Hochalpenstraße, die zeitweise gesperrt werden musste. Der Föhnsturm beschädigte aber auch Dächer und ließ Bäume auf Straßen, Gebäude und Stromleitungen fallen. Am Samstag waren zwischenzeitlich 400 Haushalte ohne Strom. Verletzt wurde bei den Zwischenfällen niemand.

Betroffen von den Wetterkapriolen waren auch die Weltcup-Rennen der Damen in Bad Kleinkirchheim. Am Samstag richteten Sturmböen bis zu 120 km/h auf der Franz-Klammer-Piste erhebliche Schäden entlang der Strecke und im Zielraum an und erzwangen die Absage der Abfahrt. Der Super-G am Sonntag wurde zwar gestartet, bereits nach elf Läuferinnen wurde das Rennen aber unterbrochen und nach einiger Zeit auch endgültig abgebrochen.

Die Windböen wurden wieder stärker und die Sicherheit der Läuferinnen war nicht mehr gewährleistet. Wie in Bad Kleinkirchheim verschlechterte sich die Wetterlage ab Sonntagmittag in ganz Kärnten wieder.

In der Steiermark wehten am Samstag Böen mit bis zu 120 km/h. Der Sturm lebte am Sonntag wieder auf und erzwang eine Absage des Skifliegens am Kulm.

Spektakulärer Einsatz in Wiener Neustadt

Am Tag zuvor hatten starke Regenfälle die Großparkplätze unbenützbar gemacht, die Besucher mussten entlang der Straße ihre Autos abstellen. Durch den Starkwind gab es Stromausfälle in rund 5.000 Haushalten. Betroffen waren vor allem die Bezirke Voitsberg, Weiz und Murtal.

Auch die Tunnelanlagen der Südauatobahn (A2) auf der Pack waren zeitweise ohne Strom, daher musste der Verkehr blockweise durch die Tunnel geleitet werden.

Die niederösterreichischen Feuerwehren mussten etwa 400 Mal sturmbedingt ausrücken, bilanzierte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos (

).

Den spektakulärsten Einsatz gab es in Wiener Neustadt, wo Samstagmittag ein 800 bis 1.000 Quadratmeter großes Firmendach abgedeckt worden war. Teile landeten in der Oberleitung der Pottendorfer Linie, die am Sonntag wieder in Betrieb war. Am Sonntag waren noch vereinzelt Aufräumarbeiten im Gang.

Tirol überstand das Sturmtief glimpflich

Bereits am Freitagabend hatte sich im Waldviertel ein sturmbedingter Verkehrsunfall ereignet. Zwei Bäume waren in einem Waldgebiet der B5 nahe Waidhofen a.d. Thaya unmittelbar vor und hinter ein fahrendes Auto gestürzt. Der Pkw prallte gegen eines der Hindernisse. Nach Polizeiangaben blieben die vier Insassen - der 23-jährige Lenker und drei Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren - unverletzt. An dem Wagen entstand Totalschaden.

Starker Wind, Regen und Schneeschmelze haben am Wochenende auch in Oberösterreich zahlreiche Einsätze der Feuerwehr notwendig gemacht. Im Gemeindegebiet von Unterweißenbach (Bezirk Freistadt) rutsche ein Hang auf die Aisstallandesstraße.

In Puchenau (Bezirk Urfahr-Umgebung) deckte der Wind ein Blechdach ab. Auch in St. Florian musste die Feuerwehr ausrücken, um ein Haus nach Sturmschaden zu sichern. In Steyr waren Orts- und Ennskai aufgrund einer Hochwasserwarnung gesperrt.

Tirol überstand das Sturmtief am Wochenende glimpflich. Die Feuerwehren mussten seit Freitagabend zu mehreren Dutzend Einsätzen ausrücken. Die Einsatzorte verteilten sich auf alle Bezirke, es gab keinen "Hotspot", wie es bei der Leitstelle hieß. Das Wetter präsentierte sich am Sonntag wie im April. Es gab Regen, Schnee und Sonnenfenster.

Nur zwei Einsätze im Burgenland, keiner in Vorarlberg

Unter anderem wurden Nebenstraßen von umgestürzten Bäumen verlegt. Die Bahnstrecke zwischen Reutte und Garmisch in Bayern war am Samstag betroffen, nachdem ein Baum nahe der Staatsgrenze in die Oberleitung gestürzt war.

Sie musste zunächst geerdet werden, dann konnten die Fahrgäste die Zuggarnitur verlassen. In Matrei in Osttirol deckte der Sturm bei einem Bergbauernhof das Dach eines Stallgebäudes ab. Verletzt wurde niemand.

Im Burgenland kam es vorerst zu keinen größeren Sturmschäden, hieß es von der Landessicherheitszentrale sowie aus der Feuerwehralarmzentrale in Eisenstadt. Seit Samstagvormittag wurden lediglich zwei Einsätze - in Gols (Bezirk Neusiedl am See) und in Parndorf - gemeldet.

Sonntagnachmittag frischte der Wind, der zwischendurch nachgelassen hatte, wieder auf. Für den Neusiedler See galt Sturmwarnung. Vom Sturm gänzlich unbehelligt blieb Vorarlberg.