Erstellt am 24. Juni 2014, 22:17

Suarez biss Italiens Chiellini in Schulter. Topstürmer Luis Suarez ist beim 1:0-WM-Sieg Uruguays gegen Italien am Dienstag in Natal wieder einmal negativ aufgefallen. Der Doppel-Torschütze vom England-Spiel rückte in Minute 80, eine Minute vor dem Siegestreffer von Diego Godin, mit einer Beiß-Attacke gegen Giorgio Chiellini in den Mittelpunkt. "Es war lächerlich, Suarez nicht auszuschließen", war Chiellini nach der Partie fuchsteufelswild.

Für ihn sei die Situation bei dem Zweikampf ganz klar gewesen. "Es war ein klarer Biss und dann ist er hingefallen, weil er gewusst hat, dass er etwas getan hat, was er nicht tun hätte sollen", schilderte Italiens Abwehrspieler. Chiellini präsentierte Schiedsrichter Marco Rodriguez auch gleich nach der Aktion seine Schulter, der Mexikaner ahndete das schwer zu sehende Vergehen aber nicht.

Italiens Teamchef Cesare Prandelli, der nach dem Spiel zurücktrat, verurteilte die Beiß-Attacke scharf. "Ich habe die Szene nicht gesehen, aber ich habe die Bissspuren an Chiellini gesehen. Es ist eine Schande", sagte der 56-Jährige.

Nach der Partie bestätigten jedenfalls Fotos das Fehlverhalten von Suarez. So gibt es Aufnahmen, die deutliche Bissspuren auf Chiellinis Schulter zeigen. Die Aktion könnte ein Nachspiel für den zweifachen WM-Torschützen haben, wenn der Schiedsrichter in seinem Bericht festhält, dass er die Situation im Spiel nicht gesehen hat. Dann könnte Suarez nachträglich eine Sperre aufgebrummt bekommen. Das war etwa auch bei der WM 2006 bei einem Faustschlag von Deutschlands Torsten Frings gegen Argentiniens Julio Cruz der Fall.

Von Suarez gab es vorerst keine Stellungnahme zu dem Vorfall. Uruguays Teamchef hat die Aktion nicht gesehen. "Wenn es passiert ist, dann hat es der Schiedsrichter möglicherweise nicht gesehen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es gibt wichtigere Sachen als diese in einem Spiel", sagte Oscar Tabarez.

In den diversen sozialen Netzwerken war die Suarez-Attacke jedenfalls Thema Nummer eins. "Ich bin echt enttäuscht. Ich liebe es ihm beim Spielen zuzuschauen, aber er hat sich auf dem Platz offensichtlich einfach nicht unter Kontrolle", twitterte etwa Ex-Liverpool-Kicker Michael Owen. "Ich glaube, jedes Körperteil ist zum Essen da", twitterte der frühere Box-Schwergewichtsweltmeister Evander Holyfield. Der US-Amerikaner war einst "Opfer" von Mike Tyson, der ihm im WM-Kampf einen Teil seines Ohres abbiss.

Suarez wurde damit offensichtlich wieder rückfällig. Bereits zweimal war der Liverpool-Stürmer mit Beiß-Attacken negativ aufgefallen. Erst zu Saisonbeginn hatte er noch sechs Spiele (von insgesamt zehn) aussetzen müssen, nachdem er in der vergangenen Saison Chelseas Branislav Ivanovic in den Arm gebissen hatte. In seiner Zeit bei Ajax Amsterdam hatte Suarez 2010 im Spiel gegen den PSV Eindhoven Gegenspieler Otman Bakkal ebenfalls in die Schulter gebissen und eine Sieben-Spiel-Sperre kassiert.

Das waren aber nicht die einzigen Aussetzer des 27-Jährigen. Im Dezember 2011 hatte sich Suarez eine Acht-Spiel-Sperre wegen rassistischen Äußerungen gegen Patrice Evra eingehandelt. Bei der WM 2010 in Südafrika kassierte er aufgrund einer anderen Sache die Rote Karte. Uruguay erreichte damals nur dank Suarez' absichtlichen Handspiel in der Schlussminute der Verlängerung auf der Torlinie im Viertelfinale gegen Ghana das Halbfinale. Asamoah Gyan vergab den verhängten Elfmeter und Uruguay schaffte im Elfmeterschießen den Aufstieg.

In der abgelaufenen Saison ließ Suarez allerdings auch Tore für sich sprechen. Mit 31 Treffern wurde er Schützenkönig in der Premier League und hätte Liverpool beinahe zur Meisterschaft geführt. Zudem wurde er in England als Spieler der Saison ausgezeichnet.