Erstellt am 08. Januar 2015, 22:37

Suche nach Paris-Attentätern in Nordfrankreich. Nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten hat die Polizei am Donnerstag ihre fieberhafte Suche nach den tatverdächtigen Brüdern Cherif (32) und Said Kouachi (34) fortgesetzt.

Der Schwerpunkt lag auf der Stadt Villers-Cotterets in Nordfrankreich, wo wie auch in Paris die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen wurde.

Ein Großaufgebot der Polizei durchkämmte den Wald von Longpont nahe Villers-Cotterets, wo die Verdächtigen zuletzt gesichtet wurden. In den späten Abendstunden zogen die Polizisten wieder ab, das Ergebnis des Einsatzes sei nicht bekannt, meldeten "Le Monde" und "Le Figaro". Grundsätzlich wurde die Suche in dem Gebiet in der Nacht aber fortgesetzt.

Der Wald von Longpont liegt nordöstlich von Viller-Cotterets und erstreckt sich über gut 13.000 Hektar. Die Polizei konzentriert ihre Suche auf ein Gebiet von rund 20 Quadratkilometern rund um die Stadt, zahlreiche Häuser wurden laut Medienberichten durchsucht.

Zu Fuß auf der Flucht

Es wird vermutet, dass die Verdächtigen zu Fuß auf der Flucht sind, ihr bisher letztes bekanntes Fluchtfahrzeug wurde am Donnerstag gefunden. Landesweit sind nach Angaben von Innenminister Bernhard Cazeneuve 88.000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Die französische Justiz hat inzwischen über neun Verdächtige Untersuchungshaft verhängt. Sie stammen alle aus dem Umfeld der beiden Hauptverdächtigen, zitierten französische Medien Cazeneuve nach einer Pressekonferenz am Donnerstagabend.

Einer der beiden Verdächtigen, der ältere Said, sei auf einem Foto der Überwachungskameras in den Redaktionsräumen des Magazins identifiziert worden, fügte Cazeneuve hinzu. Anders als sein ebenfalls tatverdächtiger Bruder Cherif, der polizeibekannt war und überwacht wurde, sei dieser nie auffällig gewesen. Er habe zuletzt in der nordostfranzösischen Stadt "Reims" gewohnt und sei arbeitslos gewesen.

Kaum gesicherte Informationen

Die französische Regierung hat Medien am Donnerstag unter Verweis auf die laufende Suche nach den Tatverdächtigen gebeten, zurückhaltend über die Ereignisse zu berichten. Seitdem gibt es immer wieder Gerüchte, jedoch kaum gesicherte Informationen.

Bereits in den frühen Morgenstunden hatte die Polizei sieben Verdächtige aus dem Umfeld der Terroristen festgenommen, die Staatsanwaltschaft verhängte später Untersuchungshaft. Ebenfalls in den Morgenstunden schoss ein bisher noch Flüchtiger im Süden von Paris eine Polizistin und einen Straßenkehrer nieder und verletzte beide lebensgefährlich. Die Polizistin erlag später ihren Verletzungen. Einen direkten Zusammenhang mit dem Anschlag vom Mittwoch dürfte es nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen jedoch nicht geben.

Ein ebenfalls mit der Tat in Verbindung gebrachte 18-jährige Schwager der beiden Brüder hatte sich noch am Mittwochabend der Polizei gestellt. Er bestreitet, am Terroranschlag beteiligt gewesen zu sein und soll nach Berichten französischer Medien zum Tatzeitpunkt in der Schule gewesen sein.