Erstellt am 07. April 2014, 13:51

Suhonen fordert mehr Professionalität. Eineinhalb Monate nach dem unrühmlichen Abschied aus Sotschi ist im österreichischen Eishockey noch keine Ruhe eingekehrt.

Die Nachwirkungen des nächtlichen und feucht-fröhlichen Ausflugs einiger Spieler bei den Olympischen Spielen vor dem Viertelfinal-Qualifikationsspiel gegen Slowenien (0:4) begleiten das Nationalteam in der Vorbereitung auf die B-WM ab Ostersonntag in Südkorea.

Rücktritte aus dem Nationalteam

Sieben Spieler hatten vor der entscheidenden Partie bis spät in die Nacht gefeiert. Langjährige Teamspieler wie Matthias Trattnig, Oliver Setzinger, Bernd Brückler oder Robert Lukas haben in den vergangenen Wochen ihre unprofessionellen Teamkollegen, aber auch die Reaktion des Verbands auf die Vorfälle von Sotschi kritisiert und teilweise deshalb ihren Rücktritt aus dem Nationalteam begründet. Vom Verband wurden entgegen einer ursprünglichen Ankündigung die Namen der Nachtschwärmer nicht genannt, der ÖEHV sprach lediglich Geldstrafen in nicht bekannter Höhe.

ÖEHV-Sportdirektor Alpo Suhonen weist die alleinige Verantwortung des Verbands zurück und nimmt vielmehr die Profis in die Pflicht. "Einige Spieler hatten nicht den Respekt für ihren Beruf und für Olympia", erklärte der Finne bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien.

Suhonen wartet auf Entschuldigungen

Das NHL-Trio Thomas Vanek, Michael Grabner und Michael Raffl hat sich am Tag nach dem Olympia-Ausscheiden per Presseaussendung als Teilnehmer zu erkennen gegeben und entschuldigt. Mittlerweile hat auch Florian Iberer zugegeben, dabei gewesen zu sein, und sich dafür ebenfalls entschuldigt. "Ein Spieler hat sich schon gemeldet, ich warte noch auf die anderen", forderte Suhonen die restlichen Spieler auf, sich zu "outen" und zu entschuldigen.

Für Suhonen ist die Aktion bezeichnend dafür, dass sich Österreich seit mittlerweile einem Jahrzehnt bei der WM nicht in der A-Gruppe halten kann. "Wir müssen das als Signal verstehen, dass was im österreichischen Eishockey nicht stimmt. Wir müssen viel besser verstehen, was Professionalität ist. An dem Tag, an dem wir die Verantwortung verstehen, werden wir Erfolg haben", erklärte der Skandinavier.

Viveiros: "Es war kein freier Abend"

Der Teamführung wird aber auch angelastet, dass die Spieler ohne Begleitung ins Österreich-Haus fahren durften. "Wir hatten keine Ahnung, dass so etwas passiert", erklärte Teamchef Manny Viveiros, der eigenen Angaben zufolge erst nach dem Slowenien-Spiel von Journalisten mit der nächtlichen Eskapade einiger Spieler konfrontiert worden ist. "Der Plan war, dass die Spieler Essen gehen, für 23.00 Uhr war der Bus bestellt. Es war kein freier Abend", sagte Viveiros.

Der Austro-Kanadier war vor drei Jahren als Teamchef angetreten mit dem Ziel, dem Team Stolz, Einstellung und Identität einzuimpfen. "In dieser Zeit hat es bis auf ein paar Stunden keine Probleme gegeben, aber die haben dem Image geschadet. Es tut weh, natürlich. Es ist nicht vergessen, aber erledigt. Wir müssen daraus lernen", hofft Viveiros auf einen Schlussstrich unter die leidige Affäre. Dass ausgerechnet das Trio aus der NHL ihrer Vorbildwirkung nicht gerecht wurde, ist auch für den Teamchef besonders enttäuschend. Aber "sie haben insgesamt mehr Positives als Negatives" für das Eishockey geleistet, betonte Viveiros.

Zweite Chance verdient

Im aktuellen Kader für die B-WM in Südkorea fanden auch Nachtschwärmer von Sotschi Berücksichtigung. "Es war sicher nicht das schönste Kapitel im österreichischen Eishockey. Aber die Frage ist, ob sie nicht eine zweite Chance verdienen", sagte Gernot Mittendorfer, Vorsitzender des "Austrian Hockey Board", einem Gremium aus Vertretern von Verband und Liga.