Erstellt am 26. September 2016, 13:36

Aleppo erneut bombardiert: Hilfslieferungen in Madaja. Nach den bisher schwersten Bombardierungen im Norden Syriens haben Kampfjets am Montag erneut Dutzende Angriffe auf Rebellengebiete der umkämpften Stadt Aleppo geflogen.

Aleppo seit Tagen massiven Luftangriffen ausgesetzt  |  APA/Ag.

Einwohner aus den Rebellengebieten der Stadt berichteten über eine größere Zahl von Opfern. Unterdessen haben vier eingeschlossene Städte erstmals seit fast sechs Monaten Hilfslieferungen erhalten.

Kampfjets hatten in den vergangenen Tagen die bisher schwersten Angriffe auf Aleppos Rebellengebiete geflogen. In der Stadt und ihrem Umland wurden mehr als 230 Zivilisten getötet. Aleppo gehört zu den umkämpftesten Gebieten des Bürgerkriegs. Anhänger der Regierung beherrschen den Westen der Stadt, Rebellen den Osten. Dieser Teil Aleppos ist seit Wochen von der Außenwelt abgeschnitten.

Trotz andauernder Gewalt hält Russland die Friedensbemühungen für Syrien vorerst nicht für gescheitert. Die USA erweckten jedoch den Eindruck, dass sie ihren Verpflichtungen nicht gerecht werden, kritisierte Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Moskau. "Ich kann ihnen nicht zu 100 Prozent trauen", sagte er dem Sender NTW.

Westliche Regierungen und Russland hatten sich gegenseitig für die Eskalation der Gewalt verantwortlich gemacht. Bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats am Sonntag warf Frankreichs UNO-Botschafter Francois Delattre der Regierung in Moskau vor, mit ihrer Unterstützung des Regimes von Präsident Bashar al-Assad die Bemühungen um eine Waffenruhe zu unterlaufen. Sein russischer Kollege Witali Tschurkin wies das zurück. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach von "Kriegsverbrechen", die in Aleppo verübt würden. 

"Was Russland fördert und unterstützt, ist nicht Terrorbekämpfung, es ist Barbarei", sagte die US-Botschafterin bei der UNO, Samantha Power. Statt nach Frieden zu streben, führten "Russland und Assad" Krieg.

Russland verurteilte seinerseits die scharfen Angriffe der USA und Großbritanniens in der Syrien-Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats und warnte vor einer Belastung der Beziehungen zu den beiden Ländern. Die scharfe Wortwahl der UN-Botschafter könnten die Aussichten für eine Lösung des Syrien-Konflikts eintrüben, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow am Montag vor Journalisten.

Der UNO-Sonderbeauftragte für den Syrienkonflikt, Staffan de Mistura, schilderte in bewegenden Worten die Lage in dem von ständigen Luftangriffen heimgesuchten Ostteil. "Wir haben Berichte, Videos und Bilder von gemeldeten Brandbombeneinsätzen gesehen, die so gewaltige Feuerbälle erzeugen, dass sie die pechschwarze Dunkelheit in Ost-Aleppo erleuchten, als ob es Tag wäre", hieß es in dem Bericht von de Mistura an den UN-Sicherheitsrat in New York.

Die genaue Anzahl der Luftangriffe könne man nicht ermitteln, schreibt er weiter. "Wir hörten die Worte "nie da gewesen", sowohl bei der Anzahl als auch dem Umfang und Typ der Bombenangriffe", so der Vermittler. Von bunkerbrechenden Bomben sei die Rede, es gebe Bilder von Erdkratern, die viel größer als bei früheren Bombenangriffen seien. "Zivilisten überall in der Stadt müssen sich fragen, wo auf Erden sie in dieser gequälten Stadt noch sicher sein können."

Unterdessen haben nach Angaben des Roten Kreuzes im syrischen Bürgerkrieg vier eingeschlossene Städte erstmals seit fast sechs Monaten Hilfslieferungen erhalten. Dabei handle es sich um Madaja und Sabdani in der Nähe der Hauptstadt Damaskus sowie um Fua und Kefraja in der nordwestlichen Provinz Idlib, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz am Sonntag mit.

Insgesamt 70 Lastwagen hätten Hilfsgüter geliefert. Madaja mit einer Bevölkerung von rund 40.000 Menschen ist seit einem halben Jahr von Verbündeten der syrischen Armee eingekesselt. In Sabdani leben noch 1.000 Menschen. Kefraja und Fua mit rund 20.000 Einwohnern werden seit April 2015 von Aufständischen belagert.