Erstellt am 07. Oktober 2014, 08:13

von APA/Red

Jihadisten eroberten drei Stadtteile von Kobane. Nach heftigen Kämpfen mit kurdischen Milizionären hat die jihadistische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte drei Stadtteile im Osten der syrisch-kurdischen Grenzstadt Kobane erobert.

IS-Kämpfer hätten eine Industriezone und die Viertel Maktala al-Jadida und Kani Arabane in ihre Gewalt gebracht, teilten die Aktivisten am Montagabend mit.

Trotz heftiger Gegenwehr der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und Luftangriffen der internationalen Militärallianz rücken die Jihadisten seit Tagen unaufhaltsam auf Kobane vor. Der kurdische Journalist Mustafa Bali sagte, angesichts der Straßenkämpfe hätten die kurdischen Milizen die verbleibenden Zivilisten aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Allein am Montagabend seien rund 2.000 Zivilisten aus Kobane geflohen.

Ban Ki-moon ruft zum Schutz für Bevölkerung auf

Kurdische Volksschutzeinheiten würden sich den Extremisten in östlichen Gebieten der Stadt entgegenstellen und Zivilisten und lokale Amtsträger zur nahe gelegenen türkischen Grenze in Sicherheit bringen. Erstmals hissten die Jihadisten nach kurdischen Angaben ihre schwarze Fahne an einem mehrstöckigen verlassenen Wohngebäude am östlichen Rand der Ortschaft nahe der Grenze zur Türkei.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat unterdessen zum Schutz der Zivilbevölkerung von Kobane aufgerufen. Wie ein Sprecher Bans am Montag in New York mitteilte, appellierte der Generalsekretär dringend an alle, die die Mittel dazu hätten, sofort zum Schutz der Bevölkerung Kobanes zu handeln.

Diese Forderung erhob Ban vor dem Hintergrund der "groben und grausamen Verletzungen der Menschenrechte", die die Terroristengruppe während ihres "barbarischen Feldzugs" in der Region begangen habe.

186.000 Menschen sind schon in die Türkei geflüchtet

Die türkische Regierung sagte den Kurden in Kobane zwar Unterstützung zu. Einen schnellen Einsatz von Bodentruppen gegen die Terrormiliz IS in der umkämpften syrischen Stadt stellte Ankara vorerst aber nicht in Aussicht, wie Ministerpräsident Ahmet Davutoglu gegenüber dem US-Sender CNN erläuterte.

Die auf Arabisch Ayn al-Arab genannte Stadt liegt direkt an der syrisch-türkischen Grenze. Bereits mehr als 186.000 Menschen flohen vor den Gefechten in die Türkei.

Die im syrischen Bürgerkrieg stark gewordene IS-Terrormiliz beherrscht inzwischen weite Landstriche in Syrien und im Irak. Die Extremisten stehen an mehreren Orten in Syrien auch an der Grenze der Türkei. Trotz internationaler Luftangriffe gelang es ihnen in den vergangenen Wochen, in neue Gebiete vorzurücken.