Erstellt am 20. September 2016, 12:57

Schwere Angriffe auf Aleppo - UNO stellt Hilfe ein. Nach der Aufkündigung der Waffenruhe in Syrien sind heftige Kämpfe um die Stadt Aleppo entbrannt. Regierungstruppen schlugen am Dienstag mit Hilfe der russischen Luftwaffe einen Angriff von Rebellen zurück. 40 Aufständische seien getötet worden, hieß es.

Konvoi wurde offenbar von russischen Jets getroffen.  |  APA/dpa/ag.

Die UNO stoppte indes nach einem tödlichen Luftangriff auf einen Hilfskonvoi vorerst alle ihre Hilfslieferungen in dem Bürgerkriegsland. Als "sofortige Sicherheitsmaßnahmen" würden alle Konvois gestoppt, sagte der Sprecher des UNO-Büros für humanitäre Hilfe (OCHA), Jens Laerke, am Dienstag in Genf. Bis zu einer "neuen Bewertung der Sicherheitslage" werde es keine Hilfslieferungen mehr geben, sagte Laerke, der eine "Untersuchung" zu dem Luftangriff forderte. Der Hilfskonvoi, der nach Angaben des OCHA-Sprechers vor allem Hilfsgüter der UNO transportierte, war am Montag westlich von Aleppo aus der Luft angegriffen worden.

Nach Angaben von Aktivisten wurden dabei zwölf Menschen getötet. Unter ihnen war auch ein Mitarbeiter des syrischen Roten Halbmonds, wie die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften in Genf mitteilte. Außerdem seien mehrere Zivilisten getötet oder verletzt worden. Vor einer Entscheidung über die Wiederaufnahme der Hilfe für Zehntausende Syrer müsse die Sicherheitslage der UNO-Mitarbeiter geprüft werden, erklärte OCHA am Dienstag in Genf.

Die Lastwagen gehörten zu einem Konvoi von insgesamt 31 Fahrzeugen der UNO sowie des Roten Halbmonds, die 78.000 Menschen in der Ortschaft Orum al-Kubra versorgen wollten. Mindestens 18 Lastwagen wurden beschädigt.

Abscheu und Fassungslosigkeit

Die UNO hatte mit Abscheu und Fassungslosigkeit auf den tödlichen Luftangriff reagiert. Sollte sich der Angriff vorsätzlich gegen die Helfer gerichtet haben, "dann läuft dies auf ein Kriegsverbrechen hinaus", sagte der Chef der UNO-Hilfseinsätze, Stephen O'Brien. UNO-Vertreter hatten betont, dass der Hilfskonvoi in intensiven Verhandlungen mit den Konfliktparteien vorbereitet worden und klar als humanitärer Transport gekennzeichnet gewesen sei.

Auch das Rote Kreuz setzt seine Hilfskonvois nach Aleppo-Angriff vorerst aus. Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, bezeichnete den Angriff als einen "ungeheuerlichen Verstoß gegen das Humanitäre Völkerrecht". Er warnte vor ernsten Folgen für die Arbeit von Hilfsorganisationen in Syrien.

Die Hilfsorganisation World Vision zeigte sich ebenfalls alarmiert. "Dieser tödliche Angriff ist ein erschreckender Wendepunkt in diesem Konflikt - und absolut verheerend für tausende Kinder und deren Familien, die auf diese Hilfsgüter warteten. Es ist eine besorgniserregende Entwicklung für alle Organisationen, die innerhalb Syriens Hilfe leisten", sagt Martijn Hekman, der stellvertretende Einsatzdirektor der Syrienhilfe am Dienstag in einer Presseaussendung. Die nun aufgekündigte Waffenruhe habe "den Kindern, die seit Jahren Gewalt und Leid ertragen müssen, in den besetzten Gebieten des Landes nichts gebracht".

"Die Situation ist schrecklich"

Aktivisten machten Syriens und Russlands Luftwaffe für die Luftangriffe verantwortlich. Ein Sprecher der Hilfsorganisation Weißhelme erklärte, die Flugzeuge seien überall in Aleppo und im Umland gewesen. "Die Situation ist schrecklich", sagte er. In den Kliniken fehle es an grundlegendem Erst-Hilfe-Material, um Verletzte zu versorgen.

Syriens Armee hatte die Waffenruhe am Montagabend nach einer Woche für beendet erklärt. Das russische Militär teilte mit, es mache für die syrische Armee keinen Sinn, die Waffenruhe einseitig zu beachten, während sie von Rebellen angegriffen werde. Die aufgekündigte Waffenruhe sollte unter anderem den Weg für dringend benötigte Hilfslieferungen nach Aleppo ebenen. Die Stadt ist seit Monaten heftig umkämpft, Hunderttausende Menschen sind eingeschlossen. Am Montagabend wurde ein Hilfskonvoi beschossen, der für Aleppo bestimmt war. Mehrere Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wurden getötet.

An diesem Dienstag soll am Rande der UNO-Vollversammlung in New York die Internationale Syrien-Unterstützergruppe zusammenkommen, um Chancen für eine Fortsetzung der Waffenruhe auszuloten. Der Gruppe gehören die USA und Russland an, die unterschiedliche Konfliktparteien unterstützen, sowie eine Reihe von europäischen Staaten und Golfländern.

Die USA stellten nach den Luftangriffen auf den Hilfskonvoi ihre Zusammenarbeit mit Russland offen in Frage. Das Ziel des Konvois aus Lastwagen der Vereinten Nationen und des Roten Halbmonds sei sowohl der syrischen wie der russischen Regierung bekannt gewesen, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, am Montag. "Und dennoch wurden die Helfer getötet, während sie versuchten, den Menschen in Syrien beizustehen", so Kirby.