Erstellt am 21. August 2014, 17:53

von APA Red

Terrormiliz Islamischer Staat hält 4.000 Gefangene. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 4.000 Gefangene in Syrien in ihrer Gewalt.

Darunter seien auch "einige Dutzend Ausländer", sagte ein Sprecher der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Rund 20 Gefangene seien Amerikaner und Europäer.

Weitere Gefangene sind nach Angaben des Sprechers Anhänger syrischer Rebellengruppen aus anderen arabischen Ländern wie Tunesien. Die IS-Extremisten hielten sie an verschiedenen Orten in Ostsyrien gefangen, vor allem in der Extremistenhochburg Al-Raqqa, aber auch in Deir al-Zor oder Aleppo.

Anzahl der Geiseln noch unsicher

Die Erkenntnisse decken sich mit den Angaben befreiter Geiseln. Laut "New York Times" sind mindestens drei Amerikaner und mehrere Briten in der Gewalt der Extremisten. Der britische "Guardian" geht von rund 20 Geiseln aus, darunter ein Däne und zwei Italienerinnen. Beide Zeitungen stützen ihre Recherchen auf Aussagen von ehemaligen IS-Gefangenen und Angehörigen von Inhaftierten.

Zuvor war bekannt geworden, dass eine geheime Kommandoaktion der US-Armee in Syrien zur Befreiung amerikanischer Geiseln aus der Gewalt der IS gescheitert ist. Spezialeinheiten hätten bei dem Einsatz kürzlich keine Geiseln gefunden, teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, in der Nacht zum Donnerstag mit. Ziel war es unter anderem, den von den Extremisten später enthaupteten US-Journalisten James Foley zusammen mit anderen Geiseln zu befreien.

Die fehlgeschlagene Aktion habe "in diesem Sommer" stattgefunden, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Regierungskreise. Die britische Zeitung "The Telegraph" sprach von Anfang Juli. Wo genau die Aktion stattgefunden hat, blieb zunächst unklar. Als möglicher Einsatzort wird die Extremistenhochburg Al-Raqqa genannt.

Soldaten seien in "komplizierter Situation"

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Beamte, zwei Dutzende Elitesoldaten seien "in einer "komplizierten Aktion" per Hubschrauber in einer abgelegenen Gegend im Norden Syriens abgesetzt worden.

Im Verlauf der Operation seien sie in ein Feuergefecht mit den Terroristen verwickelt worden. Die Regierungsvertreter gingen davon aus, dass dabei mehrere Militanten getötet wurden. Laut US-Sender CNN waren an der Aktion Eliteeinheiten wie Delta Force und Navy Seals beteiligt.

Mit Blick auf die Enthauptung des US-Journalisten Foley signalisierte Kirby, dass die USA für die verbliebenen Geiseln weitere Rettungsversuche unternehmen könnten. Die Enthauptung des 40-Jährigen hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Terroristen hatten ein Video veröffentlicht, das den Tod des seit 2012 in Syrien vermissten Reporters zeigt.

Weitere Morde an Amerikanern?

Unklar ist, wie viele Amerikaner derzeit noch in Syrien und im Irak festgehalten werden. Die "Washington Post" schrieb, es könnten vier sein. Die Islamisten drohen unverhohlen mit neuen Morden an Amerikanern – etwa dem Journalisten Steven Sotloff, der seit 2013 in Syrien vermisst wird.

Der Mörder des US-Journalisten James Foley soll einem Bericht des "Guardian" zufolge ein Brite sein, der sich selbst John nennt und eine Gruppe britischer Islamisten anführt. Das habe eine frühere Geisel der Gruppe bestätigt, berichtete die britische Zeitung am Donnerstag. Die Gruppe soll Geiseln in Syrien gefangen halten.

Der Mörder im Video ist dem Bericht zufolge der selbe Mann, der in diesem Jahr Verhandlungen über die Freilassung eines spanischen Journalisten geleitet habe. Er soll hauptsächlich in der syrischen Stadt Al-Raqqa leben.

Im syrischen Bürgerkrieg sind nach Angaben von Aktivisten bereits mehr als 180.000 Menschen getötet worden. Seit am 18. März 2011 in der Provinz Daraa das erste Todesopfer gemeldet worden sei, haben sich deren Zahl auf mindestens 180.215 erhöht, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag.

Der Organisation zufolge, die sich auf ein Netzwerk von Aktivisten und Ärzten vor Ort stützt, war fast ein Drittel der Getöteten Zivilisten, darunter fast 9.500 Kinder. Demnach wurden auf der Seite der regulären Streitkräfte und mit ihnen verbündeten Milizen über 66.000 Menschen getötet.

3.000 Opfer nicht identifizierbar

Außerdem starben fast 50.000 Rebellen und ausländische Jihadisten bei Kämpfen und Angriffen – darunter auch Mitglieder der Gruppe Islamischer Staat (IS). Die Beobachtungsstelle schloss nach eigenen Angaben Tote mit ein, die bis einschließlich Mittwoch gemeldet wurden.

Gleichzeitig erklärte die Syrische Beobachtungsstelle, dass fast 3.000 Opfer nicht hätten identifiziert werden können. Vermutlich sei die tatsächliche Zahl der Todesopfer aufseiten aller Konfliktparteien ohnehin höher, weil sie "versuchen, ihre wahren Verluste zu verschleiern", erklärte die Organisation. Die Informationen der Gruppe sind von unabhängiger Seite nur schwer überprüfbar.

Der Konflikt hatte im März 2011 mit regierungskritischen Protesten begonnen und sich rasch zu einem bewaffneten Kampf entwickelt. Fast die Hälfte der Syrer wurde in die Flucht getrieben.