Erstellt am 24. September 2016, 09:35

von APA Red

Wieder massive Luftangriffe gegen Aleppo. Kampfflugzeuge haben am Samstag erneut den von Rebellen gehaltenen Ostteil der syrischen Stadt Aleppo angegriffen.

Verheerende Situation für Bewohner von Aleppo  |  APA/dpa/ag.

Die Bombardements seien heftig, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Am Freitag wurden bei den Luftangriffen nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes mindestens 100 Menschen getötet. Die Beobachtungsstelle gab die Zahl mit 47 an.

Die von Russland unterstützte syrische Armee bezeichnete die Bombardements als Auftakt einer Offensive, in die auch Bodentruppen eingreifen würden. Am Montag war eine Feuerpause nach sieben Tagen nicht verlängert worden. Russland und die USA, die unterschiedliche Kriegsparteien unterstützen, konnten sich bisher nicht auf eine erneute Waffenruhe einigen.

Ergebnisloser Dialog zwischen USA und Russland

Schon am Freitag haben schwere Luftangriffe auf Aleppo und ein ergebnisloser Dialog zwischen USA und Russland die Chancen auf eine Waffenruhe in Syrien erneut verringert. Das Kinderhilfswerk UNICEF erklärte am späten Freitagabend, in Aleppo seien fast zwei Mio. Menschen ohne fließendes Wasser. Entscheidend sei für das Überleben der Kinder, dass alle Konfliktparteien Angriffe auf die Wasserversorgung einstellten.

Ein Aktivist in Aleppo beschrieb die Situation als verheerend. Die ganze Stadt bebe als Folge der Einschläge. Die Armee des syrischen Regimes habe Brandbomben und die international geächtete Streumunition eingesetzt.

Wege aus belagertem Ostteil versperrt

Anrainer und ein Sprecher der Weißhelme sagten der Deutschen Presse-Agentur (dpa), alle Wege aus dem belagerten Ostteil der Stadt seien versperrt. Die Menschen könnten nicht fliehen, sie müssten in ihren Wohnungen ausharren. In den Rebellengebieten Aleppos sollen sich noch mehr als 250.000 Menschen aufhalten.

Bei den massiven Luftangriffen wurden auch zwei Zentren der syrischen Weißhelme beschädigt, ein Krankenwagen und ein Feuerwehrauto wurden zerstört. Die Organisation kümmert sich um Kriegsopfer und wurde dafür erst am Donnerstag mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Die syrische Armee hatte am Donnerstagabend eine Offensive zur Rückeroberung von Ost-Aleppo angekündigt. Bewohner sollten sich "von den Positionen der terroristischen Gruppen" fernhalten, hieß es im Hinblick auf die Rebellen. Zivilisten, die in den von der Regierung gehaltenen Westteil der Stadt übersiedeln wollten, würden nicht festgenommen. Aleppo ist seit dem Sommer 2012 geteilt und seit Monaten heftig umkämpft.

Auch im Westen der Provinz Aleppo gab es laut der Beobachtungsstelle 15 Tote bei einem russischen Luftangriff auf das von Rebellen kontrollierte Dorf Beshkatine, darunter elf Kinder. Zudem seien elf Menschen in Al-Bab getötet worden, das von der Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) gehalten wird. Wer die Luftangriffe dort flog, war demnach unklar.

Ein kurzes Gespräch zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in New York blieb indes ohne konkrete Ergebnisse oder Vorschläge. Der von Kerry gemachte Vorschlag eines vorübergehenden Flugstopps schien am Freitag vorerst vom Tisch. Lawrow sagte in seiner Rede bei der UNO-Generaldebatte: "Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Lektionen lernen und ein Abrutschen zur Katastrophe in Syrien verhindern." Die USA forderte er auf, die Terrorgruppe Fatah-al-Sham-Front (früher: Al-Nusra) von gemäßigten Rebellen zu trennen, andernfalls sei eine Waffenruhe sinnlos.

Die syrische Regierung erklärte unterdessen nach Darstellung des russischen Außenministeriums, sie sei zur Einhaltung einer Waffenruhe in dem Land bereit. Der syrische Außenminister Walid al-Muallem habe dies Lawrow in New York am Freitag am Rande der UNO-Generaldebatte erklärt, zitierte die russische Nachrichtenagentur Tass das Außenministerium in Moskau.