Erstellt am 05. Februar 2015, 17:44

von APA/Red

Systematische Kinder-Tötungen durch IS. Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) foltert und tötet nach UNO-Angaben gezielt Kinder im Irak.

Dabei würden Angehörige religiöser Minderheiten geköpft, gekreuzigt oder lebendig begraben, wie aus einer Stellungnahme des UNO-Komitees für Kinderrechte in Genf hervorging. Zudem gebe es etliche Fälle von Massenhinrichtungen von Buben, hieß es.

Kinder als lebende Schutzschilde

Darüber hinaus werden Kinder den Angaben zufolge auch als Selbstmordattentäter und als lebende Schutzschilde missbraucht. Der UNO-Ausschuss forderte die Regierung in Bagdad auf, mehr zum Schutz der Kinder und ihrer Familien zu unternehmen. Unter anderem müsse sie Zivilisten die Flucht aus gefährlichen Regionen ermöglichen. Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) kontrolliert im Norden und Westen des Irak weite Teile des Landes.

Die Gräueltaten gegen Kinder im Irak deckten sich mit Beobachtungen, die SOS-Kinderdörfer seit langer Zeit in Syrien machten, sagte Louay Yassin, Sprecher der Kinderschutzorganisation weltweit. Auch in Syrien würden Kinder misshandelt und vergewaltigt.

Keine Hemmungen, keine Skrupel

Es gebe keine Hemmungen, acht- bis zehnjährige Buben für den Krieg auszubilden oder als Selbstmordattentäter zu missbrauchen, sagte Louay. Vor allem Nachbarstaaten der Konfliktregionen müssten sich stärker für den Schutz Minderjähriger einsetzen, forderte er.

Die Nichtregierungsorganisation SOS-Kinderdorf betreut in Syrien rund 250.000 Flüchtlinge. Nach UNO-Angaben sind innerhalb des Landes 7,6 Millionen Menschen auf der Flucht. Rund die Hälfte davon sind Kinder.

Pilot bei lebendigem Leib verbrannt

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat indes Jordaniens König Abdullah II. nach dem Mord an einem Piloten kondoliert. Der Regierungschef schlug bei dem Telefonat einen gemeinsamen Kampf der kultivierten Welt gegen die "barbarische Grausamkeit" der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vor, teilte sein Büro am Donnerstag mit.

Die Extremisten hatten den jordanischen Piloten Mouath al-Kasaesbeh bei lebendigem Leib verbrannt und dazu ein Video veröffentlicht. Abdullah kündigte nach der grausamen Tat einen "gnadenlosen Krieg" gegen die Extremisten an.

Netanyahu äußerte Zufriedenheit über die Entscheidung Ammans, den jordanischen Botschafter drei Monate nach seinem Abzug zurück nach Israel zu schicken. Mit dem Abzug des Botschafters wollte Jordanien gegen Israels Vorgehen auf dem Tempelberg in Jerusalem protestieren, der Muslimen und Juden heilig ist. Nach einem Streit um die Nutzung der heiligen Stätte war es im vergangenen Jahr zu Unruhen und zu einer Serie von Anschlägen gekommen.

Israel und Jordanien setzten sich gemeinsam dafür ein, hinsichtlich der heiligen Stätten den Status quo aufrechtzuerhalten, betonte Netanyahu den Angaben zufolge bei seinem Telefonat mit dem Monarchen.

Russland brachte unterdessen einen Resolutionsentwurf gegen die Finanzierung der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in den UNO-Sicherheitsrat ein. Die Resolution könnte nach russischen Angaben noch diese Woche im Sicherheitsrat diskutiert und angenommen werden.

Der russische Resolutionsentwurf sieht vor, die Finanzierung des IS durch Ölverkäufe, Antiquitätenhandel und Lösegelderpressung einzudämmen. Ein UN-Bericht hatte im November empfohlen, sämtliche Öltanklastwagen aus den Gebieten unter Kontrolle der Jihadisten zu stoppen.

Jihadisten handeln mit Öl

Dem Bericht zufolge verdienen die Jihadisten täglich 850.000 bis 1,65 Millionen Dollar (743 bis 1,44 Millionen Euro) mit dem Verkauf von Öl an private Händler, die über eine Flotte von Tanklastwagen verfügen. Allerdings sind diese Einnahmen zuletzt infolge der Rückschläge für die IS-Miliz zurückgegangen.

Der UNO-Sicherheitsrat hatte bereits im vergangenen August eine Resolution gegen den Islamischen Staat verabschiedet. Darin ging es darum, die Einnahmen der Jihadisten zu beschneiden und die Rekrutierung weiterer Kämpfer zu unterbinden. Allen, die Öl von den Jihadisten kaufen, wurde mit Strafmaßnahmen gedroht.

Die neue russische Resolution könnte nun den Druck auf die Türkei erhöhen, den Handel mit Rohöl und Ölprodukten über die syrische und irakische Grenze einzudämmen. Die Resolution könnte zudem neue Maßnahmen gegen den Handel mit Antiquitäten enthalten, um die weitere Plünderung der antiken Stätten in Syrien und dem Irak zu verhindern. Außerdem könnte der Text die Zahlung von Lösegeld verurteilen. Die 15 Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats lehnen zwar alle offiziell Lösegeldzahlungen an Geiselnehmer ab, doch weichen mehrere europäische Länder in der Praxis immer wieder von dieser Linie ab.