Erstellt am 11. Januar 2015, 14:20

von APA Red

Tausende strömten zu Gedenkmarsch in Paris. Schon Stunden vor dem großen Gedenkmarsch für die Opfer der islamistischen Anschlagsserie haben sich in Paris Tausende Menschen versammelt.

Zu dem "republikanischen Marsch" am Nachmittag im Zentrum der französischen Hauptstadt werden Hunderttausende Teilnehmer und hochrangige Regierungsvertreter aus mehr als 50 Ländern erwartet.

Terrorserie kostete 17 Menschen das Leben

Unter strahlend blauem Himmel strömten bereits am Mittag zahlreiche Menschen in Richtung Place de la Republique, wo der Gedenkzug am Nachmittag unter Teilnahme von Familienmitgliedern der Opfer starten sollte.

Einigen Demonstranten standen die Tränen in den Augen in Erinnerung an die fürchterliche Anschlagsserie, die zwischen Mittwoch und Freitag insgesamt 17 Menschen das Leben gekostet hatte. "Ich will zeigen, dass wir keine Angst vor den Extremisten haben. Ich will die Meinungsfreiheit verteidigen", sagte die 70-jährige Jacqueline Saad-Rouana.

Frankreichs Präsident Francois Hollande sagte zu Mittag, "das ganze Land" werde aufstehen für seine Werte. "Paris ist heute die Hauptstadt der Welt", fügte er bei einem Ministertreffen im Elysee-Palast nach Angaben aus seinem Umfeld hinzu.

Auch viele Kirchenvertreter wollen teilnehmen

Den Demonstrationszug ab etwa 15.00 Uhr sollen die Familien der Opfer anführen gefolgt von den Politikern, darunter neben Hollande, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreichen EU-Regierungschefs auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas sowie Russlands Außenminister Sergej Lawrow und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko.

Auch viele hochrangige Vertreter von kirchlichen Organisationen, Gewerkschaften, Parteien, Medien und Verbänden wollen teilnehmen. Österreich ist durch Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), Außenminister Sebastian Kurz und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP) vertreten.

Der Gedenkmarsch für die Opfer und gegen Intoleranz wird von einem riesigen Aufgebot von Polizei und Soldaten abgesichert. In Frankreich herrscht weiter die höchste Terrorwarnstufe, weitere Anschläge in westlichen Ländern werden befürchtet.

Am Mittwoch hatten zwei Attentäter einen Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris verübt. Die Brüder Cherif und Said Kouachi töteten zwölf Menschen. Zudem tötete der Islamist Amedy Coulibaly später fünf weitere Menschen, unter anderem in einem jüdischen Supermarkt. Die drei Männer wurden am Freitag erschossen.

Verbindung zwischen Coulibaly und Jogger-Attentat

Die Staatsanwaltschaft stellte zudem am Sonntag eine Verbindung zwischen Coulibaly und den Schüssen auf einen 32-jährigen Jogger am Mittwochabend im Großraum Paris her. Es habe einen Abgleich der am Ort des Angriffs auf den Jogger gefundenen Patronenhülsen mit der Tokarew-Pistole gegeben, die nach der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt entdeckt worden war, erklärten die Ermittler.

Das Opfer war lebensgefährlich verletzt worden. Coulibaly "wohnte in derselben Gemeinde und der Angriff fand am Tag des Attentats auf 'Charlie Hebdo' statt".

Die Polizei fahndete weiter unter Hochdruck nach Coulibalys Lebensgefährtin Hayat Boumeddiene. Nach Angaben aus türkischen Sicherheitskreisen reiste sie allerdings schon am 2. Jänner in die Türkei ein. Die 26-Jährige hält sich demnach "wahrscheinlich" inzwischen in Syrien auf.

Bekennervideo im Internet aufgetaucht

Unterdessen ist ein mutmaßliches Bekennervideo im Internet aufgetaucht. Ein Mann, der wie der mutmaßliche Attentäter Amedy Coulibaly aussieht, übernimmt darin die Verantwortung für den Mord an einer Polizistin am Donnerstag im Namen der Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS).

Das rund sieben Minuten lange Video, das rasch wieder aus dem Internet entfernt wurde, wird von den Behörden auf seine Authentizität geprüft.

Wie bereits zuvor in einem Telefon-Interview mit einem Fernsehsender sagt der mutmaßliche Attentäter Coulibaly in dem Video, er habe seine Anschläge mit den "Charlie Hebdo"-Attentätern "abgestimmt". In Text-Montagen in dem Video wird der Mann als Coulibaly vorgestellt, der die Polizistin erschossen und "den Angriff" auf den jüdischen Supermarkt mit vier Toten ausgeführt habe.

Coulibaly und die mutmaßlichen Angreifer auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" in Paris, die Brüder Cherif und Said Kouachi, waren am Freitag bei Polizeieinsätzen erschossen worden.

"Ich habe den Treueeid auf den Kalifen abgelegt"

In dem Video ist der Mann in ein traditionelles muslimisches Gewand gekleidet und vor einem großen weißen Tuch mit schwarzem Banner zu sehen. "Ich wende mich zuerst an den Kalifen der Muslime, Abu Bakr al-Bagdadi", sagte er in Anspielung auf den Chef der in Syrien und im Irak aktiven IS-Miliz.

"Ich habe den Treueeid auf den Kalifen seit der Ausrufung des Kalifats abgelegt", fügte er hinzu. "Die Brüder unseres Teams haben Charlie Hebdo gemacht", sagte er weiter. "Ich bin auch ein bisschen gegen die Polizei vorgegangen", bekennt er, "damit die Wirkung größer ist".

Mit Blick auf Frankreich und die Franzosen hebt der mutmaßliche Attentäter hervor, die Anschläge seien "völlig legitim, wenn man sich ansieht, was sie machen". Und: "Ihr greift das Kalifat an, wir greifen euch an." Frankreich ist mit Luftangriffen im Irak an der internationalen Koalition gegen IS beteiligt.

Coulibalys Mutter und zwei Schwestern hatten zuvor die Anschläge verurteilt. "Wir teilen diese extremen Ideen überhaupt nicht und hoffen, dass es keine Vermischung zwischen diesen abscheulichen Taten und der muslimischen Religion gibt", erklärten sie und riefen dazu auf, "einig und solidarisch" die Familien der Opfer zu unterstützen.