Erstellt am 28. September 2015, 13:14

von APA/Red

Taxler in Wien wegen Mordversuchs vor Gericht. Weil er seine Frau im vergangenen Frühjahr mit Fäusten und einem Küchenmesser attackiert hatte, muss sich am Montag ein 57-jähriger Wiener wegen versuchten Mordes im Straflandesgericht verantworten.

 |  NOEN, APA (Pfarrhofer)

Dass die Frau nicht umkam, dürfte sie ihrem elfjährigen Sohn zu verdanken haben. "Er hat seiner Mutter sicherlich das Leben gerettet", sagte Staatsanwalt Markus Göschl.

Taxifahrer plagte rasende Eifersucht

Es kam nicht zum ersten Mal vor, dass sich in der Wohnung in der Rustenschacherallee in Wien-Leopoldstadt gewalttätige Szenen abspielten. Der erhebliche Altersunterschied von 22 Jahren habe bei dem Mann "etwas Unsicherheit ausgelöst", formulierte der Staatsanwalt etwas ungelenk.

Der Taxifahrer soll der Frau, mit der er seit 15 Jahren liiert war, seit längerem mit rasender Eifersucht nachgestellt haben. Je selbstständiger sie wurde - die einst auf ihn angewiesene 20-Jährige hatte sich zu einer tüchtigen diplomierten Krankenschwester gemausert -, desto mehr vermutete er, dass sie andere Männer hatte.

Der Taxifahrer kontrollierte seine Freundin an ihrem Arbeitsplatz, rief ständig an, überwachte ihr Mobiltelefon, überprüfte ihm unbekannte Nummern, stöberte in ihrem Kalender und durchwühlte sogar ihre Unterwäsche auf verdächtige Spuren.

Als die 35 Jahre alte Frau im Sommer 2014 Trennungswünsche äußerte, wurde ihr Lebensgefährte erstmals handgreiflich, soll Drohungen ausgestoßen und die Frau derart traktiert haben, dass es in der Wohnung zu zwei Polizeieinsätzen kam. Dem Staatsanwalt zufolge sollen Nachbarn, die unfreiwillige Ohrenzeugen der Auseinandersetzungen wurden, bereits zu diesem Zeitpunkt befürchtet haben, die Frau könnte einem Gewaltverbrechen zum Opfer fallen.

Taxifahrer suchte freiwillig eine Ambulanz auf

Dabei dürfte der Taxifahrer selbst eingesehen haben, dass seine Eifersucht ein Problem war. Im November 2014 suchte er freiwillig eine Ambulanz auf, um sich behandeln zu lassen, weil er - wie er dort eingestand - den Zwang verspüre, seine Frau zu kontrollieren. Er bekam Medikamente verschrieben. Später ließ er sich sogar einige Tage stationär aufnehmen.

Erfolgreich dürfte die Therapie nicht verlaufen sein. Anfang April entdeckte der 57-Jährige eine in seine Augen verdächtige Eintragung im Kalender seiner Freundin, die zwar nach wie vor bei ihm und dem gemeinsamen unmündigen Sohn lebte, die Nächte inzwischen aber in einem separaten Zimmer verbrachte. Unter einem konkreten Datum hatte die Frau "Party" notiert. Daneben fand sich ein mit rotem Kugelschreiber hingemaltes Herzerl. Der 57-Jährige ging davon aus, dass dahinter nur ein anderer Mann stecken konnte.

Das hielt er der Frau am Abend des 16. April vor, als diese erschöpft von der Arbeit nach Hause kam und dem elfjährigen Sohn ein Nachtmahl zubereiten wollte. Im Zuge seiner Vorwürfe versetzte der Mann der Frau plötzlich einen Faustschlag gegen den Kopf. Laut Anklage ging der Sohn dazwischen und packte den Vater am Hals, worauf beide zu Sturz kamen.

Die Frau lief in die Küche, der Mann folgte ihr, nachdem er sich aufgerappelt hatte, und soll ihr dann mit einem Küchenmesser drei Mal in den Kopf gestochen haben, wobei die 13 Zentimeter lange Klinge brach und teilweise im Schädelknochen stecken blieb.

Messer in den Rücken gerammt

Als der Elfjährige sah, wie sich der Vater über die Mutter beugte und weiter zustecken wollte, griff er nach einem Messer und stach dem 57-Jährigen in den Rücken. Danach flüchtete er aus der Wohnung und rettete sich in eine Nachbarwohnung. Dort kam auch die 35-Jährige unter, der es ebenfalls gelang, vom Tatort wegzukommen.

Die Verhandlung hatte mit 35-minütiger Verspätung begonnen. In der Justizanstalt Wien-Josefstadt, wo der Angeklagte in U-Haft sitzt, war die Verhandlung "vergessen" worden, wie Richter Georg Olschak erfuhr, als er sich telefonisch nach dessen Verbleib erkundigte. Am Nachmittag soll nach der Beschuldigteneinvernahme die 35-Jährige als Zeugin aussagen.

Der Sohn, dessen Vorgehen infolge Strafunmündigkeit keine strafrechtliche Prüfung zur Folge hatte, muss demgegenüber nicht in den Zeugenstand treten. Er wurde im Ermittlungsverfahren kontradiktorisch vernommen, im Zuge des Beweisverfahrens wird nun die DVD mit seinen Angaben abgespielt.