Erstellt am 26. Oktober 2016, 10:07

J. Melzer blüht in der Stadthalle wieder auf. Österreichs Tennis-Publikum hat inzwischen mit Dominic Thiem längst einen neuen Liebling gefunden, doch Jürgen Melzer hat ihm diesen Status am Dienstag noch einmal streitig gemacht.

Jürgen Melzer bei seinem Erstrunden-Sieg über den als Nummer vier gesetzten Spanier Roberto Bautista Agut beim Tennis-Turnier in der Wiener Stadthalle am 25.10.2016.  |  APA/Georg Hochmuth

Die Stimmung auf den Rängen bei seinem 6:3,7:5-Sieg in Runde eins der Erste Bank Open gegen Roberto Bautista Agut (ESP-4) war jedenfalls besser als davor beim klaren 6:0,6:3-Erfolg Thiems gegen Bruder Gerald Melzer.

In der Stadthalle fühlt sich Melzer wohl

Und da könnte noch mehr kommen. Der 35-Jährige blühte im Match gegen die Nummer vier des Turniers auf, genoss gegen den Shanghai-Bezwinger des Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic (SRB) die Heim-Atmosphäre in der mit 7.500 Besuchern gut gefüllten Wiener Stadthalle. "Das ganze Comeback habe ich wegen solcher Situationen auf mich genommen", verriet der French-Open-Halbfinalist 2010, durch eine Verletzungspause aktuell nur 417. der Weltrangliste.

Die Fix-Teilnahme am Hauptbewerb des Heimturniers hat sich der ältere der Melzer-Brüder schon alleine wegen seiner Wien-Triumphe 2009 und 2010 fraglos verdient. Ansonsten muss er sich mehr auf Challenger-Niveau verdingen, um im Ranking nach oben zu klettern. "Wenn ich dieses Level noch einmal jede Woche spielen will", sagte er nach seinem starken Auftritt gegen den Iberer, "dann muss ich die Challenger spielen". Für heuer hat Melzer noch einige eingeplant.

Melzer: "Ich glaube, dass ich noch mehr solcher Matches in mir habe"

Doch sein Auftaktsieg bringt ihm schon um rund 100 Plätze nach vor, der Einzug ins Viertelfinale wäre in etwa weitere 50 Ränge wert. Auch wenn Melzer wegen seines fortgeschrittenen Tennis-Alters nicht mehr mit den Top 20 rechnet, an das gute Niveau seines Spiels glaubt der Ex-Weltranglisten-Achte schon. "Ich glaube, dass ich noch mehr solcher Matches in mir habe. Es macht mir Riesenspaß. Ich würde gegen viele vielleicht verlieren, aber nicht untergehen."

Freilich würden sich die Jahre bemerkbar machen, die Regenerationszeit wird länger. "Ich muss viel mehr machen, damit ich in der Früh gerade aufstehe", merkte Melzer an. "Zu trainieren ist das eine. Aber am nächsten Tag wieder, das andere. Man muss schlau damit umgehen." Sein Einzel-freier Mittwoch hilft ihm, während sein Gegner am Nachmittag zwischen Fabio Fognini (ITA/Head-to-Head 3:0 für Melzer) und Albert Ramos Vinolas (ESP/1:0) erst ermittelt wurde.

Mögliches weiteres Doppel-Engagement mit Julian Knowle

Melzer war am Nationalfeiertag aber zumindest auf Court B mit Julian Knowle im Doppel-Einsatz. Das Zusammenspiel mit dem Vorarlberger brachte ihm in den vergangenen vier Wochen auf Challenger-Ebene ein Semifinale und einen Titel sowie vergangenen Sonntag beim ATP-Turnier in Moskau eine Finalteilnahme. "Das hat uns zuversichtlich gestimmt", meinte Melzer. "Wir sehen uns am Ende der Woche an, ob wir weiter zusammenspielen."

Gerlad MElzer plant schon für neue Saison

Auch für Gerald Melzer geht es nun ans Planen, nachdem die Niederlage gegen Thiem sein Saisonende bedeutete. Die Voraussetzungen sehen beim 26-Jährigen aber nun ganz anders aus als in den Jahren davor. "Ich gehe mit einer ganz anderen Ausgangslage in die nächste Saison", erklärte der Weltranglisten-74. "Ich fühle mich auch um nichts schlechter als mitten im Jahr." Auf einem dementsprechend guten Level könne er daher in die Vorbereitung starten.

Der Deutsch Wagramer bezeichnete diese Saison als sein klar bestes Jahr, war er doch im Jänner nur Weltranglisten-166. gewesen. "Und ich glaube, dass da noch vieles folgen wird", vermittelte er Zuversicht. "Ich bin noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen." Inwiefern sich Gerald auch gemeinsam mit Jung-Ehemann Jürgen Melzer auf das Tennis-Jahr 2017 vorbereiten werde, sei freilich noch offen, ein diesbezügliches Gespräch der Geschwister ausständig.