Erstellt am 15. April 2014, 18:32

Terror in Nigeria: Bomben und entführte Mädchen. Der Terror im westafrikanischen Nigeria nimmt kein Ende: Nach dem verheerenden Bombenanschlag auf einen Busbahnhof in der Hauptstadt Abuja am Montag haben bewaffnete Männer in der Nacht zum Dienstag im nördlichen Bundesstaat Borno eine Schule angegriffen.

Nach Angaben des Polizeichefs von Borno, Lawan Tanko, verschleppten sie 103 der 250 Schülerinnen.

Die Mädchen seien auf vier Lastwagen weggeschafft worden. Vielen weiteren gelang es offenbar, noch abzuspringen und zu fliehen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die radikalislamische Sekte Boko Haram für beide Angriffe verantwortlich ist.

Gottesstaat im Norden

Die Boko Haram will im Norden Nigerias einen Gottesstaat einrichten. Seit 2009 verübt sie dort immer wieder schwere Anschläge, vor allem auf Kirchen und Polizeieinrichtungen. Aber auch in Abuja hatte die Gruppe schon mehrere Male zugeschlagen. Ihr Name bedeutet übersetzt etwa "westliche Bildung ist verboten".

Den Berichten zufolge überfielen die Täter die Schule in dem Ort Chibok am Montagabend gegen 21 Uhr. Sie hätten einen Soldaten erschossen, der das Gebäude bewachte. Zeugen berichteten, der Überfall habe insgesamt sechs Stunden gedauert und sei erst mitten in der Nacht zu Ende gegangen. Ein Blogger schrieb, die Bewaffneten hätten auch das Hab und Gut mehrerer Bewohner zerstört, die Widerstand geleistet hätten. Ob es dabei Verletzte oder gar Tote gegeben hat, war zunächst unklar. In anderen Berichten hieß es, die Täter hätten das ganze Dorf dem Erdboden gleichgemacht.

Die genaue Zahl der Opfer des Anschlags in Abuja am Montag ist indes weiter unklar. Das Attentat gilt aber bereits jetzt als die tödlichste Attacke, die die westafrikanische Metropole je erlebt hat. Während die Behörden am Dienstag noch immer von 71 Toten sprachen, ergaben Umfragen in umliegenden Krankenhäusern, dass bei dem Attentat am Vortag vermutlich mehr als 200 Menschen starben. Das Land steht unter Schock. Die Sicherheitsstufe in Abuja blieb weiter auf "Rot".

Aufruf zu Blutspenden

Die Zeitung "Punch" sprach von mindestens 257 Verletzten. Die Regierung rief zu Blutspenden auf, um Leben zu retten. Auch am Dienstag lagen auf dem Platz noch zahlreiche Kleidungsstücke, Schuhe und Taschen der Toten. Auch Blut und kleinere Leichenteile blieben zurück.

Überlebende erzählten lokalen Medien ihre Version des Tathergangs. Den meisten Berichten zufolge soll sich um vier Täter gehandelt haben, die in einem Kleinwagen auf den Platz fuhren. Beim Versuch, das Auto noch rechtzeitig vor der Detonation zu verlassen, seien sie selbst in Stücke gerissen worden. Offenbar hat keiner der Attentäter überlebt - eine Bestätigung für diese Angaben gab es jedoch nicht.

Ein Mann sagte der Zeitung "Vanguard", sein Neffe habe am Montag in der Früh einen Bus nach Taraba im Osten Nigerias besteigen wollen. "Dann hörte ich das laute Geräusch einer Explosion, und ich bin zum Busbahnhof geeilt", erzählte der Onkel unter Tränen. Er habe lange gebraucht, um seinen Neffen zu finden, da die Leiche fast völlig verbrannt gewesen sei. "Ich konnte ihn nur anhand seiner Kleider identifizieren."

Angst vor weiteren Bomben

Parlamentssprecher Aminu Tambuwal bezeichnete den Anschlag als "feige und barbarisch". Viele Straßen wurden von Polizisten überwacht und Fahrzeuge überprüft. "Aber jetzt haben wir Angst, dass es eine weitere Bombe geben wird, die noch mehr Schaden anrichtet - und wir stehen hier im Stau und können nicht weiter", sagte die Nigerianerin Madam Zara Ibrahim der Nachrichtenagentur dpa.

Obwohl sich noch niemand zu der Tat bekannt hat, machte die Regierung die radikalislamische Sekte Boko Haram dafür verantwortlich. Präsident Goodluck Jonathan betonte, seine Regierung werde alles tun, um die Gruppe zu besiegen.

Jedoch wirkt der Staatschef schon lange machtlos in seinem Kampf gegen die Extremisten. Kritiker monierten, die Regierung müsse stärker durchgreifen, um weitere Bluttaten zu verhindern. "Das Attentat, das nur wenige Fahrtminuten von den Regierungsgebäuden entfernt verübt wurde, zeigt, dass alle bisher ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen umsonst waren", erklärte Salahudeen Usman, der im Stadtteil Garki lebt. "Überall in Abuja gibt es Kontrollpunkte des Militärs - aber sie haben nichts genutzt."