Erstellt am 19. März 2015, 17:00

von APA/Red

Nordafrikanischer IS steht hinter Anschlägen in Tunis. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Anschlag in Tunis bekannt. Die Extremisten veröffentlichten dazu am Donnerstag im Internet eine Audio- und Textbotschaft.

Nach dem Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis wurden neun Verdächtige festgenommen worden. Bei dem Angriff am Mittwoch wurden nach neuen Angaben mindestens 25 Menschen getötet. Bei zwei der Toten handle es sich um von Spezialeinheiten getötete Extremisten, hieß es weiter. Die Zahl der Verletzten stieg laut Gesundheitsministerium auf 47 an.

Laut Behörden handelte es sich bei den beiden getöteten Angreifern um die Tunesier Yassine Laabidi und Hatem Khachnaoui. Laabidi sei den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen, sagte Premierminister Habib Essid am Donnerstag dem französischen Radiosender RTL, ohne nähere Angaben zu machen.

Nach den jüngsten Angaben der tunesischen Regierung befanden sich unter den 20 getöteten Touristen drei Japaner, zwei Franzosen und zwei Spanier. 13 ausländische Opfer seien inzwischen identifiziert worden, sagte Gesundheitsminister Said Aidi am Donnerstag.

Keine Hinweise auf betroffene Österreicher

Das Außenministerium in London erklärte am Donnerstag, auch eine Britin sei unter den Todesopfern. Nach Angaben der Regierungen in Rom und Warschau vom Donnerstag starben zudem vier Italiener und zwei Polen.

Das österreichische Außenministerium hat weiterhin keine Hinweise darauf, dass auch Österreicher von dem Anschlag betroffen sein könnten. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin sind auch keine Deutschen unter den Opfern. Die tunesische Regierung hatte ursprünglich von mindestens einem getöteten Deutschen gesprochen.

Nach dem Anschlag wurden neun Verdächtige festgenommen. Vier von ihnen stünden nach Angaben der Regierung "in direkter Verbindung" mit dem Attentat vom Vortag, erklärte die Präsidentschaft am Donnerstag. Die fünf übrigen Festgenommenen waren demnach in Kontakt mit den Drahtziehern des Anschlags. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

"Nationale Einheit im Kampf gegen Terrorismus"

Der Anschlag wurde weltweit verurteilt. Die tunesische Führung kündigte einen "gnadenlosen" Kampf gegen den Terror an. Präsident Beji Caid Essebsi sagte am Mittwoch, das Land werde "bis zum letzten Atemzug" gegen seine Gegner kämpfen. "Diese grausamen Minderheiten jagen uns keine Angst ein", betonte der Staatschef.

Für Donnerstagnachmittag (16 Uhr MEZ) rief ein Bündnis von Gewerkschaften und anderen Organisationen zu einer Trauerkundgebung in der Nähe des Museums auf. Damit solle ein "Zeichen der nationalen Einheit im Kampf gegen den Terrorismus gesetzt werden", erklärten die Veranstalter. Hunderte aufgebrachte Menschen hatten bereits kurz nach dem Anschlag im Zentrum der Hauptstadt demonstriert. Das Museum soll nach Angaben des Kulturministeriums Anfang der Woche wieder für Besucher geöffnet werden.

Tausende junge Tunesier Islamisten angeschlossen

In Tunesien hatte Ende 2010 der sogenannte Arabische Frühling seinen Anfang genommen. Im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Staaten machte Tunesien jedoch eine politische Entwicklung durch, die international vielfach gewürdigt wurde.

Allerdings erlebte die bewaffnete Jihadistenbewegung seit der Revolution einen Aufschwung, sie ist vor allem im Grenzgebiet zu Algerien aktiv. Dutzende Polizisten und Militärs starben bei Zusammenstößen. Zudem haben sich zwischen 2.000 und 3.000 junge Tunesier Schätzungen zufolge in den vergangenen Jahren den Islamisten in Syrien und im Irak angeschlossen.