Erstellt am 14. Februar 2015, 22:43

Terrorangst in Dänemark: Zwei Tote, mehrere Verletzte. Nach einem Terroranschlag und Schüssen vor einer Synagoge mit zwei Toten befindet sich die dänische Hauptstadt Kopenhagen im Alarmzustand.

Während am Sonntag eine landesweite Großfahndung nach den flüchtigen Tätern lief, eröffnete ein bewaffneter Mann am Bahnhof Noerreport das Feuer auf die Polizei, die ihn daraufhin erschoss.

Bei beiden Attacken wurden zwei Menschen getötet und mehrere verletzt, darunter fünf Polizisten. "Wir wissen noch nicht, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt", sagte ein Polizeisprecher. Die Lage war äußerst unübersichtlich. Augenzeugenberichten zufolge wurde nach der Schießerei bei der Synagoge eine Person festgenommen. Beim Bahnhof Noerreport wurde dann am Sonntag in der Früh ein Mann von der Polizei angehalten. "Er eröffnete das Feuer auf die Polizei und wurde dann erschossen", teilte die Polizei mit. Die drei Tatorte liegen nicht weit voneinander entfernt.

30 Schüsse abgefeuert

Am späten Samstagnachmittag schoss ein Unbekannter mit einer automatischen Waffe auf ein Kulturcafé, in dem eine Veranstaltung mit dem Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks stattfand. Zeugen zufolge feuerte der Angreifer um die 30 Schuss ab, in den Fenstern waren zahlreiche Einschusslöcher zu sehen. Die Polizei ging davon aus, dass Vilks Ziel des Anschlags war. Auch die Regierung ging von einem politischen Motiv aus und sprach von einem Terrorakt. Ein 55-jähriger Mann starb.

Wenige Stunden darauf fielen nahe einer Synagoge in der Kopenhagener Innenstadt erneut Schüsse. Ein Mensch wurde am Kopf getroffen und starb, zudem erlitten zwei Polizisten Schusswunden an Armen beziehungsweise Beinen. Der Täter sei zu Fuß vom Tatort geflohen, hieß es.

Innenstadt abgeriegelt

Die Polizei riegelte die Innenstadt ab und errichtete Straßensperren. Ein Reporter des dänischen Rundfunks DR berichtete von chaotischen Zuständen rund um den Bahnhof Noerreport in der Nähe der Synagoge. "Die Menschen dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen, Radfahrer werden angehalten, die Leute sollen in den Bars bleiben", erzählte Mikkel Westphal-Stephensen. "Es ist ein größeres Aufgebot an Polizisten in der Kopenhagener Innenstadt - folgt ihren Anweisungen und passt auf Euch auf", schrieb die Polizei bei Twitter.

In dem Kulturcafe diskutierten Zeichner Vilks und zahlreiche andere Menschen über Kunst, Gotteslästerung und freie Meinung. Eine Zeitung hatte 2007 eine Zeichnung des bekannten Karikaturisten aus Schweden veröffentlicht, die den Propheten Mohammed als Hund darstellte. Daraufhin wurde im Internet von einem Al-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar (131.798,61 Euro) auf ihn ausgesetzt. Seither war der Künstler bereits mehrfach Ziel von Extremisten, er wird deshalb von Sicherheitskräften bewacht.

Als der Täter das Feuer eröffnete, brachte sich Vilks gemeinsam mit der Mitorganisatorin der Veranstaltung, der Journalistin Helle Merete Brix, in einem Kühlraum in Sicherheit. Der französische Botschafter in Kopenhagen, Francois Zimeray, und die bekannte Aktivistin Inna Schewtschenko von der Feministinnen-Gruppe Femen waren ebenfalls unter dem Gästen der Veranstaltung. Schewtschenko hatte gerade ihre Rede begonnen, als die Schüsse fielen. Beide blieben unverletzt.

"Unsere Einheit steht auf dem Prüfstand"

Die Polizei gab nach dem Angriff bekannt, dass sie einen etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann arabischen Aussehens sucht. Er wurde von mehreren Videokameras erfasst. "Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind", sagte Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt nach der ersten Schießerei. "Unsere Einheit steht auf dem Prüfstand." Der frühere dänische Ministerpräsident und Vorsitzende der liberalen Partei Venstre, Lars Loekke Rasmussen, sprach im Kurznachrichtendienst Twitter von einem "Alptraum".

EU-Ratspräsident Donald Tusk nannte die erste Tat "einen weiteren brutalen, terroristischer Angriff, der auf unsere fundamentalen Werte und Errungenschaften abzielt - inklusive der Freiheit auf Meinungsäußerung". Die EU-Kommission betonte, dass Europa "geschlossen mit Dänemark" für die Redefreiheit einstehe. "Europa wird sich nicht einschüchtern lassen." Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilten den Anschlag auf das Schärfste und bekannten sich zur Verteidigung der Meinungsfreiheit.