Erstellt am 16. Juli 2015, 16:15

von APA Red

Thiem eröffnet Davis-Cup-Länderkampf. Dominic Thiem eröffnet am Freitag in Kitzbühel (13.00 Uhr/live ORF Sport +) die Zweitrunden-Partie der Europa-Afrika-Zone I zwischen Österreich und den Niederlanden.

Dominic Thiem trifft zum Auftakt auf Thiemo de Bakker  |  NOEN, APA (epa)

Seit Februar 2012 hat Österreichs Tennis auf ein Heim-Match warten müssen. Doch von Freitag bis Sonntag ist es so weit: Beim ersten Davis Cup überhaupt in Kitzbühel trifft Österreich auf die Niederlande, dem Sieger winkt ein Platz im Weltgruppen-Play-off. Dominic Thiem bestreitet erst seinen zweiten Länderkampf für Österreich, den ersten vor eigener Kulisse.

Der 21-jährige Weltranglisten-28., der damit auch der klar bestplatzierte Spieler bei diesem Zweitrunden-Treffen der Europa-Afrika-Zone I ist, eröffnet um 13 Uhr gegen Thiemo de Bakker. Im Anschluss trifft die ÖTV-Nummer zwei, Andreas Haider-Maurer, auf die Nummer eins der Gäste: Robin Haase, der zweifache Kitzbühel-Sieger, ist zum vierten Mal Gegner des Niederösterreichers. "AHM" liegt als 58. aktuell 16 Ränge vor Haase, im Head-to-Head führt er mit 2:1.

Der mit neuem Haarstil, einem blondierten Undercut, nach Kitzbühel gekommene Thiem hat nach einem Kurzurlaub auf Ibiza die Batterien aufgeladen. Erstmals wird Thiem richtige Davis-Cup-Heim-Atmosphäre schnuppern. "Ich hoffe, dass die Stimmung so sein wird wie letztes Jahr im Finale, voller kann es nicht werden", erinnerte er an seinen ersten ATP-Tour-Finaleinzug 2014.

"Müssen mit dem Druck umgehen können"

Dass er gegen de Bakker (ATP-134.) klarer Favorit ist, ist ihm zwar bewusst, aber mit diesem Druck glaubt er, gut umgehen zu können. Dem Lichtenwörther, der zuletzt sein bisher bestes ATP-Ranking erklommen hat, ist vor der Heim-Premiere jedenfalls nicht bange. "Druck hat man eh das ganze Jahr. Natürlich ist es im Davis Cup ein spezieller Druck, wenn man für das Land spielt, aber wir Tennisspieler müssen damit umgehen können."

In Kitzbühel, wo Thiem 2011 sein erstes ATP-Tour-Match überhaupt gespielt hat, fühlt er sich wohl. Seinen ersten Gegner kennt Thiem "nicht so gut", er trifft erstmals auf de Bakker. "Aber er ist ein sehr talentierter Spieler, hat einen guten Aufschlag."

"Wird ein schweres und ausgeglichenes Match"

Haider-Maurer, der in bisher sieben Länderkämpfen bei einer 5:5-Bilanz (nur im Einzel) hält, bekommt es im Anschluss bei voraussichtlich hochsommerlichen Temperaturen um 35 Grad zum insgesamt vierten Mal mit Haase zu tun.

Der nach einer Knieentzündung wieder genesene "AHM" weiß von der Stärke Haases: "Er ruft sicher hier sein bestes Tennis ab. Es wird ein schweres Match und ein sehr ausgeglichenes." Aber immerhin hat der Niederösterreicher in diesem Jahr in Acapulco (auf Hartplatz) schon einen Drei-Satz-Sieg über Haase gefeiert.

Jürgen Melzer für eventuellen Einsatz bereit

Wie erwartet nur für das Doppel nominiert ist Jürgen Melzer als aktuell klar drittbester Einzelspieler. Der österreichische Rekordmann im Davis Cup, der schon seinen 31. Länderkampf für Rot-weiß-Rot bestreitet, wird gemeinsam mit Oliver Marach einlaufen. Erstmals seit vielen Jahren ist Melzer nicht im Einzel nominiert. Ein Umstand, der ihn aber nicht besonders schmerzt. "Natürlich ist das eine ganz andere Drucksituation. Ich wusste ja vorher, dass ich hier nicht unbedingt erste Wahl sein werde im Einzel. Insofern ist es auch angenehm, die Trainingswoche hat sich für mich ganz anders gestaltet."

Für einen eventuellen Einsatz am Sonntag wäre Melzer aber bereit: "Das ist auch mit Stefan so abgesprochen. Es ist nicht so, dass ich leistungsfähig so abfalle, dass ich nicht spielen könnte."

Davis-Cup-Kapitän Stefan Koubek feiert wie Thiem seine Heim-Premiere - allerdings nur in dieser Funktion. Der 38-jährige Kärntner war selbst von 1998 bis 2011 in 22 Begegnungen im Einsatz und hatte zuletzt in Schweden (3:2-Sieg nach 1:2-Rückstand) erstmals als Betreuer auf der Bank gesessen. Die bisherigen zwei Duelle mit den Niederlanden gingen mit 0:3 (1928) und 0:5 (2013) jeweils auswärts verloren, diesmal soll der Spieß aber umgedreht werden.

"Niederländer wollen Druck an uns abgeben"

Melzer spricht offen von einer "Revanche", zumal die 0:5-Packung in Groningen auch gegen eine dezimierte ÖTV-Mannschaft zustande kam. Damals musste der diesmal für den verletzten Alexander Peya nachnominierte Marach sogar zwei Einzel spielen.

Im gegnerischen Lager bemüht man sich, die Österreicher zum Favoriten zu stempeln, auch deren Kapitän Jan Siemerink ist als ehemalige Nummer 14 der Welt ein alter Fuchs in Sachen psychologische Kriegsführung. "Die wollen nur Druck an uns abgeben. Für mich ist das eine 50:50-Sache", sagte ÖTV-Kapitän Koubek. Auch wenn sein Team auf dem Papier vom Ranking her besser ist, werde es ein "enger Länderkampf".

Der Sieger dieser Zweitrundenbegegnung der Europa-Afrika-Zone I qualifiziert sich für das Weltgruppen-Play-off vom 18. bis 20. September.

"Mit Niederösterreich wird noch gesprochen"

Erst vor drei Wochen ist nach monatelangen Diskussionen die Entscheidung gefallen, dass Dominic Thiem doch für Österreich Davis Cup spielt. Ein für die Zukunft des rot-weiß-roten Teams eminent wichtiger Schritt, denn ohne den Jungstar ist die Weltgruppe in Zukunft wohl mehr Traum als Realität. ÖTV-Präsident Robert Groß und Thiem-Coach Günter Bresnik einigten sich vorerst mündlich auch unter der Prämisse, dass die Tennisakademie Bresnik künftig mit dem ÖTV im Bereich der 8- bis 14-jährigen Talente auf Landesebene kooperiert. Der Vertrag ist allerdings noch nicht fixiert und soll bis Schulbeginn stehen.

"Wien und Burgenland sind fix, mit Niederösterreich wird noch gesprochen", erklärte ÖTV-Präsident Groß am Donnerstag. Und er ist zuversichtlich: "Es muss ja jeder Landesverband an einem Spitzentrainer interessiert sein, der eine gute Reputation hat und Top-Spieler herausgebracht hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man da die Augen verschließt."

Ob es denn vorstellbar sei, dass es beim nächsten Davis Cup erneute Diskussionen um ein Antreten Thiems geben könne? "Wenn wir (gegen die Niederlande, Anm.) gewinnen, dann ist es für mich selbstverständlich, dass Dominic weiter spielen wird, weil da geht es ja um die Weltgruppe." Groß möchte jedenfalls ein Miteinander und "da gehört auch Günter Bresnik ins Boot." Aber die Landesverbände müssten gemeinsam mit dem ÖTV an einem Strang ziehen.

"Ich wollte immer Davis Cup spielen"

Zuversichtlich stimmt Groß, der selbst 17 Jahre lang oberösterreichischer Landespräsident war und alle Beteiligten lange kennt, auch eine Satzungsänderung im ÖTV. "Der Wiener und der Salzburger Landesverbandspräsident sind jetzt im Präsidium des ÖTV. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei neuen Beschlüssen große Probleme gibt."

Thiem selbst wirkt jedenfalls heilfroh, dass er nun doch für Österreich antreten wird. "Sicher bin ich erleichtert. Ich wollte immer Davis Cup spielen und die Vorfreude war von dem Moment an, als es entschieden worden ist, sehr groß", erklärte Thiem, der den Zusammenhalt in der Mannschaft genießt. "Jeder würde lieber zweimal verlieren und als Mannschaft gewinnen, als selbst zwei Punkte zu holen, und die Mannschaft verliert. Da zählt nur das Wir-Gefühl."

Und ob "wir", also die österreichische Mannschaft, schon bald wieder zur Weltgruppe der besten 16 Tennis-Nationen gehört, wird ja nicht nur an diesem Wochenende entschieden. "Unser ganz großes Ziel ist es, uns wieder für die Weltgruppe zu qualifizieren. Aber da müssen wir zuerst eine sehr schwere Hürde dieses Wochenende überstehen und dann noch eine", spricht Thiem die noch zwei nötigen Siege zum Wiederaufstieg (zuletzt 2013) an. "Aber es ist schwer, Tennis ist eine Weltsportart. Da müssen wir richtig gut spielen."