Erstellt am 17. Juli 2015, 21:29

Thiem verlor Davis-Cup-Auftakt - zweites Spiel abgebrochen. Österreich liegt im Davis-Cup-Länderkampf gegen die Niederlande mit 0:1 im Hintertreffen. Der favorisierte Dominic Thiem war gegen Thiemo de Bakker bei brütender Hitze schon mit 2:1 Sätzen voran, musste sich aber mit 3:6,6:4,7:6(5),3:6,4:6 beugen. Die Partie von Andreas-Haider Maurer gegen Robin Haase wurde bei 2:1-Satzführung des Österreichers wegen Regens abgebrochen.

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"Die Stimmung war unfassbar, deswegen ist es extrem schwer für mich, dass ich verloren habe", war Thiem nach der 3:55 Stunden dauernden Partie vor 3.000 Zuschauern enttäuscht. "Ich hätte wirklich sehr, sehr gerne gewonnen, aber zum Glück ist der Davis Cup jetzt nicht vorbei", hoffte er auf Andreas Haider-Maurer, der im Anschluss auf Robin Haase traf.

Thiem startete nervös in seine Heim-Premiere in diesem Traditionsbewerb, spielte auch zu wenig aggressiv und musste nach rund 30 Minuten ein 0:1 in Sätzen gegen den in der Weltrangliste 106 Plätze hinter ihm liegenden De Bakker zur Kenntnis nehmen. Er ließ dabei aber u.a. vier Rebreak-Bälle zum 4:5 aus."Ich war sicher ein bisserl nervös am Anfang, aber ich habe das Match ziemlich gut gedreht nach dem ersten Satz."

Im zweiten Durchgang vergab der Lichtenwörther eine 4:1-Führung, dann gelang ihm mit einem Break zum 6:4 aber doch der Satzausgleich. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung im halb vollen Stadion schon großartig. Auch der dritte Satz hätte klarer für Thiem ausgehen müssen: 5:2 und 0:40 bei Aufschlag De Bakker, doch keiner der drei Satzbälle ging an Thiem. Sein Gegner rettete sich ins Tiebreak und führte in diesem schon 3:0, doch Österreichs Weltranglisten-28. holte die 2:1-Satzführung.

"Man muss sagen, er ist immer sehr gut dabei geblieben, vor allem nach dem extrem engen dritten Satz", analysierte Thiem, der u.a. mit seinem Aufschlag nicht so zufrieden war. "Es war auch von hinten alles ein bisschen langsam und nicht so aggressiv wie sonst."

Auffällig war auch die schlechte Ausbeute bei der Verwertung von Breakbällen. Nur fünf von 31 konnte Thiem nützen. "Das Problem habe ich eigentlich schon immer. Wie viele Matches es dieses Jahr schon gegeben hat, wo ich eine miserable Breakball-Verwertung gehabt habe. Da muss ich mir etwas einfallen lassen, dass das besser wird."

Im vierten Satz ging es bis zum 4:3 für De Bakker mit dem Aufschlag, ehe Thiem seinen zum 3:5 abgeben musste. Der 26-jährige Niederländer zwang Thiem in den fünften Satz. Gleich zum Auftakt musste Österreichs Nummer eins den Aufschlag abgeben, hatte aber gleich darauf drei Breakchancen zum 1:1, die er nicht nützte.

Thiem lief dem Rückstand bis zum Ende nach. Obwohl Thiem noch zwei Chancen zum 5:5 vorfand und er auch vier Matchbälle abwehrte, die fünfte Chance nützte De Bakker. "Er ist ein ziemlicher 'hopp oder drop'-Spieler. Ich war ein bisschen zu unkonstant heute, um das letztendlich in vier Sätzen fertig zu spielen", stellte Thiem fest.

Das zweite Davis-Cup-Einzel konnte am Freitag nicht zu Ende gespielt werden. Zu Beginn des vierten Satzes setzte starker Regen ein. Andreas Haider-Maurer führte zu diesem Zeitpunkt gegen den Niederländer Robin Haase mit 6:4,6:3,5:7,0:0 Einstand, Aufschlag Haase. Die Fortsetzung folgt am Samstag (12.00 Uhr).

Haider-Maurer spielte lange Zeit ausgezeichnet und hatte die niederländische Nummer eins Haase, die in Kitzbühel schon zweimal das ATP-Turnier gewonnen hat, gut im Griff. Dann wechselte kurz vor der vermeintlichen Entscheidung das Momentum zu Haase, der sich bei herannahenden dunklen Gewitterwolken in den vierten Satz rettete. Haase eröffnete dann den vierten Satz mit dem Aufschlag, doch beim Stand von 6:3,6:4,5:7,0:0 und Einstand mussten die Offiziellen das Match nach bis dahin 2:14 gespielten Stunden abbrechen.

Für Haider-Maurer kam der Abbruch in dieser Phase nicht ungelegen. Um 19.56 Uhr Ortszeit war ein langer Tag für die Zuschauer zu Ende. Gegen 21.00 Uhr entschied sich der internationale Verband (ITF) auch offiziell zur Vertagung. Das Doppel bleibt vorerst für 14.30 Uhr angesetzt. Die Wettervorhersage für Samstag war allerdings nicht die beste. Für Österreich sind Oliver Marach/Jürgen Melzer nominiert, für die "Oranjes" die Wimbledon-Doppelsieger Jean-Julien Rojer sowie Jesse Huta Galong.

Bei einer Niederlage Haider-Maurers wäre die Chance von Österreichs Davis-Cup-Team, das sich mit einem Sieg über die Niederlande wieder die Chance zum Wiederaufstieg in die Weltgruppe im September erspielen will, nur noch sehr gering. Denn das Doppel der Niederländer am Samstag wird höher eingeschätzt als jenes der Österreicher.