Erstellt am 17. Juni 2014, 12:49

Thomas Müller startete mit Triple-Pack in die WM. Noch nie in der 84-jährigen Geschichte von Fußball-Weltmeisterschaften hat ein Torschützenkönig seinen Titel vier Jahre später verteidigen können.

Thomas Müller hat am Montag in beeindruckender Manier seine Anwartschaft auf die historische Wiederholung angemeldet: Mit seinem ersten Triplepack im Nationalteam war der 25-Jährige beim 4:0 von Deutschland gegen Portugal der herausragende Spieler.

"Drei Tore im Auftaktspiel einer Weltmeisterschaft gegen so einen Gegner, das ist natürlich etwas Herrliches", schwärmte Müller über die Treffer per Elfmeter (12.) nach Fehler von Bruno Alves (45.+1) und per Abstauber (78.). In seinem 50. Länderspiel war er in Salvador da Bahia zudem an einer weiteren Schlüsselszene beteiligt: Der Roten Karte für Portugals Abwehrchef Pepe (37.). Wenngleich der Bayer beteuerte, dass er "auf keinen Fall etwas provozieren oder schinden" wollte.

Müller übertrumpfte mit seinem Traumstart die Doppel-Torschützen Neymar (Brasilien), Robin van Persie, Arjen Robben (beide Niederlande) und Karim Benzema (Frankreich) und zog mit seinem achten WM-Treffer mit Rudi Völler gleich. "Bei Weltmeisterschaften läuft es bisher nicht schlecht für mich. Ich gehe aber nicht davon aus, dass ich im nächsten Spiel wieder drei Tore machen werde - aber ich werde es versuchen", erklärte Müller, der nach sieben WM-Spielen bei acht Toren und drei Assists hält.

Allerdings betonte der Offensivspieler von Meister Bayern München die Mannschaftsziele und weniger seine persönlichen. "Wir sind hier, um Weltmeister zu werden und nicht, um irgendwelche Rekorde zu schlagen", betonte er.

Die Diskussionen, weil Teamchef Joachim Löw nur mit einem echten Stürmer nach Brasilien gereist war, sind jedenfalls verstummt. Die offensive Dreierkette mit Mesut Özil und Mario Götze funktionierte bestens und Müller erwies sich einmal mehr als "Allzweckwaffe". Kein klassischer Stürmer, aber für jeden Gegner unangenehm: laufstark, nervenstark, gedankenschnell und einer, der nie aufgibt.

Die Diskussion um die "falsche Neun" belustigt den Münchner. "Viele sprechen von einer falschen Neun und wissen nicht, was das heißt. Wir haben Bewegungsstürmer", erklärte Müller und fasste sich beim Jobprofil für seinen Posten kurz. "Ich bin ein Stürmer, der Tore schießen will."

Das sieht auch sein Teamchef so. "Er hat einfach nur einen Gedanken im Kopf: Wie kann ich am Ende ein Tor erzielen? Er macht viele Wege, Querläufe, Diagonalläufe, sodass er für den Gegenspieler schwer zu greifen ist. Seine Torgefahr und sein Näschen für Situationen sind schon besonders ausgeprägt", kam Löw über seinen Torjäger ins Schwärmen. "Auch wenn er ein Spaßvogel ist, er will immer gewinnen", lobte Teammanager Oliver Bierhoff den "Man of the match", der 2010 noch als Nobody nach Südafrika geflogen war. Damals fühlte er sich drei Monate nach dem Länderspieldebüt "wie in einer Kapsel", nach fünf Treffern kehrte er aber als Torschützenkönig zurück.

Mittlerweile ist er international anerkannt und wurde nach seiner Eröffnungsgala mit Lobeshymnen bedacht. "Dampfwalze Müller", schrieb die spanische "Marca", der "Guardian" sieht die "Müller-Zeit" angebrochen, die "Bild" wähnt "Ganz Deutschland im Müller-Rausch".

Der Clubkollege von David Alaba will sich aber von der Euphorie nicht blenden lassen. "Wir brauchen nicht so zu tun, als wenn wir hier als Übermannschaft gestartet sind. Im nächsten Spiel wird wieder bei Null angefangen", erklärte er mit Blick auf den nächsten Gegner Ghana, der nach einer 1:2-Niederlage gegen die USA am Samstag in Fortaleza bereits mit dem Rücken zur Wand steht.

Auf über 40 Millionen Euro wird derzeit Müllers Marktwert beziffert, er sollte mit weiteren Topleistungen steigen. Beim FC Bayern dürften die Bosse froh sein, dass sie mit der "Identifikationsfigur" noch vor dem WM-Anpfiff bis 2019 verlängert haben