Erstellt am 11. Juni 2014, 15:39

von APA/Red

Tochter missbraucht: Fünf Jahre plus Einweisung. Weil er seine zweijährige Tochter sexuell missbraucht hat, ist ein 51 Jahre alter Wiener am Mittwoch im Straflandesgericht zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Zusätzlich wurde der Mann in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen, da er laut Gerichtspsychiater Karl Dantendorfer an einer seelisch-geistigen Abartigkeit höheren Grades leidet.

Dem Gutachter zufolge besteht ein hohes Rückfallrisiko, falls der 51-Jährige keine entsprechende medikamentöse bzw. therapeutische Behandlung bekommt. "Ich halte ihn für sehr gefährlich", sagte Dantendorfer. Der Angeklagte akzeptierte die Strafe und den über ihn verhängten Maßnahmenvollzug. Staatsanwältin Marlis Darmann gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Zur Festnahme des Kinderschänders war es gekommen, weil am 10. Februar 2014 ein Bauarbeiter von einem gegenüberliegenden Gebäude aus beobachtete, wie sich der Vater an dem Kleinkind verging. Der Arbeiter zückte sein Smartphone, filmte die Szene mit und verständigte die Polizei.

"Unbegreifliches Verbrechen sexueller Natur"

Die Verhandlung gegen den 51-Jährigen fand zu großen Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Medienvertreter mussten vor der Einvernahme des Angeklagten den Saal verlassen. Auch bei der Befragung des Augenzeugen waren die Berichterstatter nicht zugelassen.

Die Staatsanwältin sprach in ihrem Schlussplädoyer von einem "unbegreiflichen Verbrechen sexueller Natur". Nach seiner Festnahme hatte der Familienvater gestanden, seine Tochter bereits im Jänner erstmals missbraucht zu haben. Das Gericht sprach der Zweijährigen Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von 10.000 Euro zu, nachdem der Vater des Kleinkinds die Forderung nach finanzieller Wiedergutmachung dem Grunde und der Höhe nach anerkannt hatte.

Der Angeklagte wies insgesamt elf Vorstrafen aus, die sich großteils aus Vermögensdelikten zusammensetzten. Schon im Jahr 2002 wurde er allerdings auch als Kinderporno-Konsument verurteilt. Sein Bruder verbüßt derzeit eine langjährige Haftstrafe im Maßnahmenvollzug, weil er sich an drei minderjährigen Mädchen vergangen hat.

Der 51-Jährige sei "seit frühester Jugend" auf minderjährige Mädchen fokussiert, erklärte Gerichtspsychiater Dantendorfer. Der Mann sei zwar zurechnungsfähig und seine Hirnfunktion nach zwei "kleineren Schlaganfällen" nicht nachweisbar beeinträchtigt. Krankheitswertige Störungen lägen dennoch vor: Einerseits eine "triebhafte sexuelle Präferenzstörung in Richtung auf Kinder und kleine Mädchen", andererseits eine Persönlichkeitsstörung. Der Mann besitze "eine eingeschränkte Fähigkeit, sich in Gefühle anderer Menschen hineinversetzen zu können", sagte Dantendorfer.

Aus diesen Gründen ortete der Psychiater die Gefahr eines "Rückfalls, wenn er wieder in ein Naheverhältnis zu einem Kleinkind kommen sollte". Dantendorfer empfahl daher, den 51-Jährigen in den Maßnahmenvollzug einzuweisen, wo er auch nach Verbüßung der fünfjährigen Haftstrafe weiter zeitlich unbefristet angehalten und behandelt werden kann, bis ihm von Sachverständigen bescheinigt wird, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht.