Erstellt am 14. November 2014, 15:09

Tödliche heiße Dusche - Sachverständige beauftragt. Ein medizinischer "Kurzbericht" des SMZ Ost zum Fall des am Montag verstorbenen zweijährigen Mädchens Leonie liegt der Wiener Staatsanwaltschaft vor, sagte deren Sprecherin, Nina Bussek, am Freitag.

Nun wird infolge ein Gutachten erstellt, um den Tathergang zu klären, "ebenso ist ein Experte beauftragt, die sanitären Begebenheiten in der Wohnung zu untersuchen", sagte Bussek. Nach dem Vorliegen beider Gutachten wird über das weitere Vorgehen in der Causa entschieden. Die Leiche des Kindes wurde bereits auf Anordnung des Staatsanwaltschaft von einem Gerichtsmediziner obduziert, so der KAV-Sprecher Christoph Mierau.

Das Mädchen erlitt die letztendlich tödlichen Verletzungen, nachdem es von seinem Vater heiß abgeduscht worden sein soll. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Quälens einer Unmündigen mit Todesfolge. Sowohl der Vater als auch die 25-jährige Mutter wurden wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt, nachdem sie das Kind nicht sofort ins Krankenhaus gebracht hatten. Die Zweijährige war vor mehr als zwei Wochen ins SMZ Ost eingeliefert worden.

Heißes Wasser "irrtümlich" aufgedreht

Der Verteidiger des 26-Jährigen, Roland Friis, hat laut einem Bericht der Gratiszeitung "Heute" am Freitag von einem "Unfalldrama" gesprochen; "es gab keine Strafdusche", hieß es dort. Der Verdächtige soll bisher ausgesagt haben, er habe statt dem kalten irrtümlich das heiße Wasser aufgedreht.

Die Mutter der toten Leonie hat mit Unterstützung der Interventionsstelle bei Gericht eine einstweilige Verfügung für sechs Monate gegen den Vater beantragt. So hat er zwar ein Betretungsverbot für die Wohnung, aber theoretisch auch ein Besuchsrecht für den jüngeren der beiden Söhne, da er dessen leiblicher Vater ist, berichtete der "Kurier"(Freitagsausgabe). Laut Herta Staffa, Sprecherin des Wiener Jugendamtes, wurde bisher aber kein Besuch beantragt: "Wäre dies der Fall, muss man sich das Ganze natürlich genau ansehen, die Anwesenheit einer Besuchsbegleitung wäre auf jeden Fall notwendig."

Ermittlungen gegen Mutter wegen unterlassener Hilfeleistung

"Wenn ein Kind nach einer Misshandlung stirbt und es gesetzlich nicht gedeckt ist, dass der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft genommen wird, stimmt etwas am Gesetz nicht." Das erklärte Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, in Zusammenhang mit dem Tod der zwei Jahre alten Leonie.

Gegen die Mutter wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt, gegen den Vater darüber hinaus wegen Quälens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen mit Todesfolge. Da dieses Delikt mit maximal zehn Jahren bestraft wird, ist U-Haft nicht zwingend vorgesehen und wurde über Leonies Vater nicht verhängt. Dieser Umstand führte zu öffentlichen Diskussionen. "Wir sind baff", sagte Logar am Freitag im Gespräch.