Erstellt am 26. Juni 2014, 13:16

von APA Red

Tödliche Sex-Attacke: Prozess fortgesetzt. Der Prozess gegen einen 39-Jährigen, der im Sommer 2013 in Gmunden eine Bekannte vergewaltigt und getötet haben soll, ist am Donnerstag in Wels fortgesetzt worden.

Ein Zeuge, mit dem der Beschuldigte im Gefängnis war, erklärte, dass er ihm die Tat gestanden habe. Ein anderer Mithäftling sagte hingegen, dass ihm dieser zwar von dem Seitensprung erzählt, aber betont habe, der Frau keine Verletzungen zugefügt zu haben.

Mit Stein ins Gesicht geschlagen

Der Angeklagte habe ihm berichtet, dass er und das spätere Opfer bereits länger eine Affäre gehabt hätten und er diese beenden hätte wollen, so der Mithäftling. Laut seinen Schilderungen soll der 39-Jährige im Garten der Frau einen Stein genommen und ihr damit ins Gesicht geschlagen haben. Das Ganze sei im Affekt passiert und nicht geplant gewesen. Der Zeuge, der in Abwesenheit des Beschuldigten einvernommen wurde, beschrieb ihn als gefühlskalt.

Er habe ihn angerufen und um Hilfe gebeten, berichtete ein weiterer Zeuge, der als Jurist mit dem Angeklagten zusammengearbeitet hatte. Bei einem Treffen soll er ihm erzählt haben, dass er mit einer älteren Frau lediglich Geschlechtsverkehr gehabt habe, diese aber nun schwer verletzt in ihrem Garten gefunden worden sei und er nicht wisse, wie er sich verhalten soll. Der Kollege riet ihm, mit einem Anwalt zur Polizei zu gehen. Sie hätten später noch öfter miteinander telefoniert, er habe dabei das Gefühl gehabt, dass der 39-Jährige davon ausgegangen sei, dass er mit den Verletzungen des Opfers in Zusammenhang gebracht werde.

In der Nacht auf den 7. Juli 2013 hatten das spätere Opfer und der Angeklagte in ihrem Tennis-Club mit Sportkollegen gefeiert. Zwei Tage später wurde die 51-Jährige schwer verletzt, halb nackt und nicht ansprechbar in ihrem Garten gefunden. Ein Bekannter wurde über ihren Zustand informiert und rief, als sie noch lebte, den Verdächtigen an. Ihm sei komisch vorgekommen, dass er auf seine Schilderungen ruhig reagiert und keine Reaktion gezeigt habe, erinnerte sich der Zeuge vor Gericht an das Telefonat.

Sie könne sich nicht vorstellen, dass das erst seit kurzem verwitwete Opfer auf irgendetwas aus gewesen sei, erklärte eine Zeugin. Bei der Feier sei die Frau das erste Mal seit dem Tod ihres Mannes wieder gut drauf gewesen. Sie soll gesagt haben, dass sie Hoffnung habe und in die Zukunft blicke. Er habe es zwar selbst nicht gehört, abfällige und anzügliche Bemerkungen über das Outfit der 51-Jährigen würden aber zum Angeklagten passen, sagte der Ehemann der Zeugin vor Gericht aus. In der Nacht des Übergriffs hatte die Frau erstmals keine Trauerkleidung mehr, sondern Hotpants getragen.

"Emotionale Verarmung"

Am Donnerstag begrüßte der 39-Jährige, dem zehn bis 20 Jahre Haft drohen, seine Bekannten im Verhandlungssaal lächelnd und zwinkernd und teilweise auch mit Handschlag. Kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt, dann werden die Gutachten - u.a. des Kriminalpsychologen Thomas Müller und der Psychiaterin Adelheid Kastner - erörtert. Sie bescheinigt dem Angeklagten Zurechnungsfähigkeit, aber auch Aggressivität, wenn sein öffentliches Ansehen in Gefahr sei, und eine "emotionale Verarmung". Ein Urteil ist für Mittwoch geplant.