Erstellt am 31. Juli 2014, 11:15

von APA/Red

Tötung im Vollrausch: Richter nicht zuständig. Mit einem Unzuständigkeitsurteil hat am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht vorläufig der Prozess gegen eine Frau geendet, die eine Bekannte im Vollrausch getötet haben soll.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi

Weil der nunmehr vierte Gutachter zu dem Schluss kam, eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher wäre angebracht, müssen darüber in einem neuen Verfahren Schöffen oder Geschworene entscheiden.

Der Fall zieht sich bereits seit fast drei Jahren hin: Im Dezember 2011 soll die 48-jährige Grazerin eine Bekannte in der Klosterwiesgasse getötet haben. Angeklagt war zunächst Mord, dann kam ein Einspruch, letztlich wurde wegen Tötung im Vollrausch von einem Einzelrichter verhandelt. Genau abgeklärt werden konnte weder der Sachverhalt - das Opfer starb an schweren Kopfverletzungen - noch waren sich die Gutachter über den Zustand oder die Gefährlichkeit der Beschuldigten einig.

Der medizinische Sachverständige Peter Leinzinger gab an, es habe trotz hohen Promillegehaltes - 2,5 bis ungefähr drei - keinen Hinweis auf eine volle Berauschung gegeben, wodurch die Anklage in dieser Form nicht gerechtfertigt wäre. Die beiden psychiatrischen Sachverständigen Manfred Walzl und Adelheid Kastner waren sich ihrerseits nicht ganz einig, ob die Grazerin nun tatsächlich unzurechnungsfähig gewesen sei und wie es mit ihrer Gefährlichkeit in Zukunft ausschauen würde.

Gutachter attestierte "pathologischen Rausch"

Also beauftragte Richter Gernot Patzak einen vierten Gutachter, und damit trat Psychiater Reinhard Haller auf den Plan. Er führte bei der Verhandlung am Donnerstag sehr klar aus, dass die Angeklagte zu "unverhältnismäßig aggressiven Reaktionen und Aussetzern" neigt, sobald sie etwas getrunken hat. Bei der Tat dürfte sie sich vom Opfer bedroht gefühlt und "explosiv panisch reagiert" haben. Haller unterschied aber zwischen "Vollrausch" und "pathologischem Rausch", wobei er der Beschuldigten zweiteren attestierte. Es handle sich dabei um eine "abnorme Reaktion des Hirns auf Alkohol", so der Sachverständige. Die Frau sei jedenfalls nicht zurechnungsfähig gewesen, und "die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas wieder passieren könnte, ist relativ groß".

Haller sprach sich daher für eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher aus, die auch bedingt ausgesprochen werden könnte, da die Frau seit zwei Jahren in Therapie ist und nichts mehr trinkt. Auf jeden Fall muss Staatsanwalt Johannes Winklhofer eine neue Anklage erstellen. Sollte gefährliche Tötung angeklagt werden, müssen Schöffen entscheiden, bei einer Mordanklage werden es Geschworene sein. In beiden Fällen wird es aber eigentlich nur um die Einweisung gehen. Einen neuen Prozess wird es frühestens im Herbst geben.