Erstellt am 18. November 2015, 10:39

von APA Red

Tote und Verletzte bei Anti-Terror-Einsatz in Paris. Bei einem Anti-Terror-Einsatz sind am Mittwoch im Pariser Vorort Saint-Denis zwei Verdächtige getötet worden, unter ihnen eine Frau, die sich in die Luft sprengte. Bisher gab es laut Polizeikreisen fünf Festnahmen.

 |  NOEN, APA (AFP)

Drei Polizisten und eine weitere Person wurden verletzt. Ein Verdächtiger soll noch in der von der Polizei belagerten Wohnung verschanzt sein.

Der Anti-Terror-Einsatz nördlich von Paris gilt dem Islamisten Abdelhamid Abaaoud, der als möglicher Drahtzieher der Anschläge in der französischen Hauptstadt vom letzten Freitag gilt. Das verlautete am Mittwoch aus Polizeikreisen. Unklar ist aber, ob sich der 28-Jährige tatsächlich in der Wohnung aufhielt.

Eliteeinheiten belagern seit dem frühen Morgen eine Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis, in der sich mehrere Verdächtige verschanzt hatten. Dort soll sich Abaaoud versteckt haben, wie französische Medien unter Berufung auf Ermittler berichten.

Die Pariser Staatsanwaltschaft erklärte, eine Frau habe zu Beginn des Polizeieinsatzes eine Sprengstoffweste zur Explosion gebracht. Drei Männer seien in der Wohnung von Elitepolizisten festgenommen worden. Nahe der Wohnung seien zudem ein weiterer Mann und eine Frau festgenommen worden.

Bei dem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis kam es zu heftigen Schießereien. Mindestens drei Polizisten wurden verletzt. Der Einsatz dauerte am Vormittag weiter an. Die Polizei rief die Menschen in der Gegend auf, zu Hause zu bleiben. Die Stadt Saint-Denis kündigte an, die Schulen in dem Bereich blieben geschlossen.

Auch rund 50 Soldaten waren in Saint-Denis im Einsatz, um den Einsatzort zu sichern. Präsident Francois Hollande verfolgte nach Angaben aus seinem Umfeld mit Premierminister Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve den Einsatz aus dem Elysee-Palast.

Ein Mann, der in Saint-Denis festgenommen wurde, sagte Berichten zufolge, er habe auf Bitte eines Freundes "zwei seiner Kumpel" aus Belgien in seiner Wohnung untergebracht. Der Mann sagte unter der Bedingung, dass sein Name nicht genannt wird, er habe ihnen seine Wohnung in der Nummer 8 der Rue du Corbillon überlassen. "Ich sagte, ich habe keine Matratzen, sie sagten: 'Das ist nicht schlimm'. Sie wollten nur Wasser und beten. Ich habe meinen Freund zurückgerufen. Er sagte, sie kämen aus Belgien", sagte der Mann.

Er habe einen Gefallen tun wollen und nicht gewusst, dass es "Terroristen" waren, sagte der Mann äußerst erregt. Er wurde anschließend von der Polizei in Handschellen abgeführt. Vermutlich kamen die Besucher aus Belgien vor zwei Tagen. Dies würde bedeuten, dass sie seit Montag in der Wohnung sind - drei Tage nach den blutigen Anschlägen von Freitagabend in Paris.

Bei den Anschlägen auf die Konzerthalle Bataclan, auf eine Reihe von Bars und Restaurants sowie auf die Fußballarena Stade de France in Saint-Denis wurden mindestens 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt. Sieben Selbstmordattentäter starben. Zu dem Anschlag bekannte sich die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Seitdem gibt es umfassende Aktionen und Durchsuchungen der Polizei im ganzen Land.

Im nördlich von Paris gelegenen Saint-Denis befindet sich die Fußballarena Stade de France, die eines der Ziele der Anschläge war. Die Polizei fahndet nach mindestens einem flüchtigen Verdächtigen, dem 26-jährigen Salah Abdeslam. Nach ihm wird auch in Belgien gesucht. Am Dienstagabend tauchte ein Video auf, das auf einen möglichen weiteren flüchtigen Attentäter hindeutet. Demnach hätte die Gruppe, die im Osten von Paris Bars und Restaurants angriff, aus drei Attentätern bestanden.

Nach zahlreichen Zeugenberichten saßen in dem Auto des Kommandos in Paris drei Insassen, wie die Zeitung "Le Monde" online berichtete. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um die Brüder Brahim und Salah Abdeslam sowie die mögliche weitere Person handelt. Der 26-jährige Salah wird international gesucht, Brahim hatte sich in die Luft gesprengt.

Medienberichten zufolge bestätigt ein Video die Existenz eines dritten Attentäters in der Gruppe. Damit wäre ein zweiter Täter der Terroranschläge flüchtig, falls es sich nicht um einen der beiden in Belgien inhaftierten Verdächtigen handle. Bei den Attacken am Freitagabend waren sieben Attentäter gestorben.

In den USA sind unterdessen zwei Maschinen der Fluggesellschaft Air France mit Ziel Paris wegen Bombendrohungen umgeleitet worden. Das meldeten amerikanische und kanadische Medien am späten Dienstagabend. Eine Maschine aus Los Angeles wurde demnach nach Salt Lake City umdirigiert, die andere kam aus Dallas und wurde nach Halifax umgeleitet. Beide Maschinen seien gelandet, die Passagier seien ausgestiegen.