Erstellt am 13. April 2014, 12:56

Tote und Verletzte bei Kämpfen in Slawjansk. Bei einem "Anti-Terror-Einsatz" gegen pro-russische Separatisten in der Ostukraine hat es laut dem ukrainischen Innenminister Arsen Awakow Tote und Verletzte gegeben.

Die pro-westliche Führung in Kiew befahl das Vorrücken der Spezialeinheiten, nachdem bewaffnete Gruppen in der Stadt Slawjansk mehrere Verwaltungsgebäude besetzt hatten.

"Es wurden Kräfte aus allen Landesteilen herangezogen. Möge Gott mit uns sein", sagte Awakow am Sonntag. Auf Regierungsseite sei mindestens ein Offizier getötet worden, fünf weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Minister. Auf der Gegenseite habe es eine unbekannte Zahl an Opfern gegeben.

Die Aktivisten hätten ohne Vorwarnung das Feuer auf die Regierungskräfte der Ex-Sowjetrepublik eröffnet. Awakow warf den Separatisten vor, Zivilisten als "lebende Schutzschilde" zu missbrauchen. Detaillierte unabhängige Berichte gab es zunächst nicht.

Augenzeugen zufolge stand Rauch über der Stadt; die Demonstranten hätten Barrikaden aus Autoreifen angezündet, hieß es. Schützenpanzer der Regierungseinheiten versperrten an einigen Stellen die Zufahrten. Über der Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern kreisten Militärhubschrauber.

"Aggression" in der russisch geprägten Region

Ein Sprecher der Separatisten sagte dem russischen Staatsfernsehen, die Aktivisten würden nicht aufgeben. Awakow rief Zivilisten auf, "sich aus dem Stadtkern zurückzuziehen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und den Fenstern fern zu bleiben".

Der Minister warf Russland eine "Aggression" in der russisch geprägten Region vor. Moskau wolle das Gebiet durch bezahlte Provokateure destabilisieren und dann dort einmarschieren. Der russische Außenminister Sergej Lawrow weist so etwas mit Nachdruck zurück. Er warnte bei einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen John Kerry, ein gewaltsames Eingreifen der Regierung in Kiew gefährde ein für Donnerstag in Genf geplantes Treffen von russischen, ukrainischen, US- und EU-Vertretern.

In Jenakijewo, dem Heimatort des entmachteten und nach Russland geflohenen Präsidenten Viktor Janukowitsch, brachten Separatisten am Sonntag mit Polizeizentrale und Stadtrat weitere Gebäude in ihre Gewalt. In Mariupol besetzten sie das Büro des Bürgermeisters.

Angreifer übernahmen Kontrolle über Polizeizentrale und Sitz des Geheimdienstes

Am Samstag hatten bewaffnete Angreifer in Kampfanzügen unter "Russland! Russland!"-Rufen die Kontrolle über die Polizeizentrale und den Sitz des Geheimdienstes in Slawjansk übernommen. Auch in anderen Orten der Region Donezk halten Demonstranten Verwaltungsgebäude besetzt. Seit Wochen fordern pro-russische Gruppen eine Angliederung des Gebiets an Russland nach dem Vorbild der Halbinsel Krim oder zumindest ein Referendum über mehr Autonomie.

Angesichts der zugespitzten Lage in der Ostukraine forderte die NATO Moskau erneut zur Beruhigung der Krise auf. "Ich bin äußerst beunruhigt über die weitere Eskalation der Spannung in der Ostukraine", erklärte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Sonntag. Männer mit russischen Spezialwaffen und in Uniformen ohne Abzeichen erinnerten an das Auftreten russischer Truppen bei der Annexion der Krim - das sei eine schwerwiegende Entwicklung. Moskau müsse seine Truppen, zu denen auch Spezialeinheiten gehörten, von der ukrainischen Grenze zurückziehen, forderte der zivile NATO-Chef.

In der dänischen Zeitung "Politiken" warf er Moskau unterdessen einen Propagandakrieg vor. Das habe es seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr gegeben, schrieb Rasmussen nach Angaben der Militärallianz. "Die russische Propaganda gegen die NATO und den Westen ist nichts anderes als ein Rauchschleier, um eigene illegale Aktionen zu verstecken."

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief in der Ukraine-Krise alle Seiten zu "größtmöglicher Zurückhaltung" auf und verlangte einen "dringenden und konstruktiven Dialog", um eine Deeskalation der Lage zu erreichen und alle Meinungsverschiedenheiten anzusprechen.