Erstellt am 06. Mai 2015, 14:48

von APA Red

Toter Lokführer und acht Verletzte nach Zug-Kollision. Beim Zusammenstoß zweier Personenzüge nahe Graz ist am Mittwoch einer der beiden Lokführer ums Leben gekommen.

Acht Personen wurden verletzt. Eine 60-jährige Passagierin und der zweite Lokführer wurden mit schwersten Verletzungen ins Spital geflogen. Das Unglück mit zwei S-Bahnen der Steiermärkischen Landesbahnen passierte zwischen Deutschfeistritz und Übelbach bei Waldstein.

Die Züge prallten gegen 10.15 Uhr frontal aufeinander. Mehrere Personen wurden "massiv eingeklemmt", berichtete die Feuerwehr. Die Verletzen wurden befreit und von der Rettung versorgt. Für einen Lokführer kam jede Hilfe zu spät, der zweite wurde laut ÖAMTC mit "nicht allzu schweren Verletzungen" mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus gebracht.

Toter war Mann aus der Region

Bei dem Todesopfer handelt es sich um einen jungen Mann aus der Region. Er fuhr die Strecke mehrmals täglich, sagte Helmut Wittmann, Chef der Steiermärkischen Landesbahnen (STLB). Wittmann zeigte sich tief betroffen: "So etwas will sich ein Geschäftsführer nur in seinen ärgsten Albträumen vorstellen."

Als Unfallursache wird menschliches Versagen angenommen. Der verunglückte Lokführer dürfte ersten Vermutungen zufolge nicht auf den Gegenzug gewartet haben. Er missachtete offenbar ein Haltesignal und fuhr in die eingleisige Strecke ein, wo es dann zur Kollision kam.

Insgesamt zehn Personen haben sich in den beiden Zügen aufgehalten, berichtete das Rote Kreuz bei dem Medientermin im Gemeindeamt Deutschfeistritz (Bezirk Graz-Umgebung). Man habe um das Leben des Lokführers "lange gekämpft" - letztendlich ohne Erfolg. Der zweite Lokführer und eine Passagierin wurden mit schwersten Verletzungen ins Spital geflogen. Fünf weitere Fahrgäste erlitten "mittelgradige Verletzungen", einer wurde leicht verletzt. Ein Passagier blieb unversehrt.

Voves übermittelte "tiefstes Mitgefühl"

Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) hat während der Landeshauptleutekonferenz in St. Pölten von dem Unglück erfahren. Er übermittelte in einer Stellungnahme den Opfern und Angehörigen sein tiefstes Mitgefühl. Voves dankte den Einsatzkräften. Nun sei es notwendig, die Ursachen zu ermitteln "und gegebenenfalls Konsequenzen" zu ziehen.

Landesbahnen-Chef Wittmann erklärte, dass die regionale Strecke an der Unfallstelle eingleisig geführt wird und ein Kreuzungsbereich zum Ausweichen anschließt. Die Sicherung der Stelle wird von einem Fahrdienstleiter in Weiz übernommen, der per Telefon die Freigabe für einen der beiden Lokführer gibt, während der andere zu warten hat. Im vorliegenden Fall hätte der Zug Richtung Peggau offenbar in der Haltestelle Waldstein bleiben müssen.

Gespräche zwischen Fahrdienstleiter und
Lokführer werden ausgewertet

Ein Fahrgast habe Wittmann erzählt, dass noch jemand an der Haltestelle zugestiegen sei, dann setzte sich die Garnitur Richtung Peggau in Bewegung. Etwa 70 bis 100 Meter nach der Haltestelle kam es zur Kollision, der Zug könnte daher noch nicht schnell unterwegs gewesen sein. Der Gegenzug fuhr mit maximal 50 km/h. Eine höhere Geschwindigkeit ist an der Stelle nicht erlaubt.

Alle Gespräche zwischen Fahrdienstleiter und Lokführer werden aufgezeichnet, müssten aber erst ausgewertet werden. Ersten Angaben des Fahrdienstleiters zufolge war bis zur Kollision alles planmäßig verlaufen.

Das Landeskriminalamt Steiermark hat Ermittlerungen wegen fahrlässiger Tötung gegen "unbekannt" aufgenommen. Seitens der Rettung waren 55 Personen, darunter vier Notärzte, mit zehn Fahrzeugen im Einsatz. Die Feuerwehr rückte mit rund 120 Helfern an, wobei knapp 30 wegen einer Übung relativ rasch an Ort und Stelle waren. Der ÖAMTC flog mit zwei Hubschraubern, das Innenministerium mit einem.