Erstellt am 23. Oktober 2015, 17:35

von APA/Red

Totschlag der Mutter: 23-Jähriger zu sechs Jahren Haft verurteilt. Sechs Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags: So lautete am Landesgericht Korneuburg am Freitag das Urteil gegen einen 23-Jährigen, der in Korneuburg wegen Mordes vor Gericht gestanden hatte.

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Der Mann hatte seine Mutter (43) am 1. September 2014 in der gemeinsamen Wohnung in Strasshof (Bezirk Gänserndorf) im Zuge eines Streits mit einem Briefbeschwerer bewusstlos geschlagen und erstochen. Danach versteckte er die Leiche in der Bettzeuglade und flog in die USA.

Laut Psychiaterin zurechnungsfähig, aber auch schizoid

Die Geschworenen entschieden die Schuldfrage mit fünf zu drei Stimmen. Die Staatsanwältin, die Mord angeklagt hatte, gab keine Erklärung ab. Somit ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Bei der Auseinandersetzung war es um eine geplante USA-Reise des gescheiterten Studenten gegangen, die die Mutter ablehnte.

Laut Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner war der junge Mann zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig, wenngleich sie ihm eine schizoide Persönlichkeitsstörung attestierte - eingeschränkte Emotionalität, Unsicherheit, aufgewachsen mit einer psychisch kranken Frau, die ihn nach außen abkapselte.

Verteidiger Marcus Januschke, der auf Totschlag plädierte, hatte von jahrelangem Psychoterror seitens der Mutter gesprochen. Die Frau, die unter Wahnvorstellungen und Stimmungsschwankungen gelitten habe, hätte seinen Mandanten bis zuletzt wiederholt beschimpft und sogar an den Haaren gezogen.

Zeugen bestätigten psychische Probleme der Frau

Dass das spätere Opfer psychische Probleme hatte und "schwierig" war, wurde auch im Zeugenstand bestätigt. Die Schwester sprach von Wahnvorstellungen der 43-Jährigen, die sich immer mehr zurückgezogen habe. Die Sorge der Familie habe dem Buben gegolten. Der Sohn habe allen leidgetan, sagte eine Frau und schilderte diverse Begebenheiten mit ihrer früheren Arbeitskollegin.

Gerichtsmediziner Wolfgang Denk berichtete von einer massiven Wunde am Hinterkopf und einer Vielzahl knapp nebeneinanderliegender Stichverletzungen unterschiedlicher Tiefe bis in den Brustkorb - rund 30 im Nacken und weitere am Hals des Opfers, davon eine an der Halsschlagader.

Die Frau war verblutet. Auf der Körpervorderseite gab es keine Wunden, etwaige Abwehrverletzungen an den Händen waren aufgrund des Zustandes der drei Wochen nach der Tat gefundenen Leiche nicht mehr festzustellen. Die Verletzungen stehen im Einklang mit der Darstellung des Angeklagten.

Auffälligkeiten im Internetsuchverlauf des Beschuldigten

Aus Sicht der Staatsanwältin hatte der junge Mann zuvor Überlegungen zu der Tat angestellt. Sie verwies darauf, dass er bereits im August im Internet danach gesucht hatte, wie man Aussehen und Identität verändern könnte. Ein IT-Sachverständiger hatte den Suchverlauf wiederherstellen können, obwohl der Angeklagte nach der Tat die Festplatte seines Laptops gelöscht hatte.

Am Tag nach dem Tod seiner Mutter besorgte sich der Angeklagte Reinigungsmittel für die Wohnung und eine Baufolie, in die er die Leiche einwickelte. In einem Reisebüro buchte er einen Flug nach Atlanta, löste am 8. September 2014 sein Konto auf und flog in die USA - im Oktober wurde er in Portland im Bundesstaat Oregon festgenommen.

Er bereue zutiefst, was er getan hatte, sagte der Beschuldigte. Ruhig wirkend schilderte er dem Gericht unter dem Richtervorsitz von Anna Wiesflecker, dass seine Mutter ihn gepackt, ins Zimmer gedrängt und angeschrien habe. Da sei alles aus ihm herausgebrochen, "die Schläge und Misshandlungen der letzten Jahre...".

Als sie sich an den Esstisch setzte, schlug er von hinten zu - und als sie zur Seite sank, griff er zum Messer. Die Angaben deckten sich mit den festgestellten Verletzungen im Nacken und Halsbereich, erläuterte Gerichtsmediziner Wolfgang Denk.

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