Erstellt am 08. Oktober 2016, 07:11

Oberhauser will Offenlegung der Gehälter im Betrieb. Frauenministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) drängt auf mehr Transparenz bei den Gehältern in Betrieben.

Oberhauser drängt auf mehr Transparenz  |  APA (Archiv)

Die Einkommensberichte oder die Gehaltsangaben in Stelleninseraten seien nicht wirksam genug - sie schlägt daher bei der Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes eine Offenlegung der Gehälter im Betrieb vor. Die genaue Ausgestaltung soll mit den Sozialpartnern verhandelt werden.

Am Dienstag, 11. Oktober, wird in Österreich der Equal Pay Day begangen. Dies ist statistisch gesehen jener Tag, an dem Männer bereits das Einkommen erreicht haben, wofür Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Obwohl in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt wurden, betrage der Einkommensunterschied 22,4 Prozent, kritisierte Oberhauser.

"Wir haben Instrumente wie die Einkommensberichte oder die Gehaltsangaben in Stelleninseraten geschaffen. Das wird gut angenommen, ist aber nicht wirksam genug", stellte die Ressortchefin gegenüber der APA fest. Im Rahmen der Novellierung will sie daher ein innerbetriebliches Lohntransparenzgesetz für die Privatwirtschaft - "also eine Offenlegung der Gehälter im Betrieb" - vorschlagen. Die Verhandlungen sollen Ende des Jahres beginnen.

Vorbild für die Lohntransparenz sei der Öffentliche Dienst, wo es mit transparenten Einstufungen gelungen sei, die Lohnschere über die vergangenen Jahre immer mehr zu schließen. Während im Jahr 2014 unter den Beamten Frauen 95,4 Prozent des mittleren Männereinkommens und unter Vertragsbediensteten 77,6 Prozent verdienten, kommen weibliche Angestellte in der Privatwirtschaft auf 51,1 Prozent der mittleren Männerverdienste und Arbeiterinnen nur auf 42,9 Prozent.

Die derzeit bestehenden Einkommensberichte für Unternehmen ab 150 Mitarbeitern seien dadurch nicht obsolet, hieß es aus Oberhausers Büro. Bereits ihre Vorgängerin und SPÖ-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek hatte aber wiederholt auf eine Nachschärfung der Bestimmungen gedrängt. Wie die nun von Oberhauser geforderte Offenlegung der Gehälter im Betrieb genau ausgestaltet werden soll, ist offen. Dies sei mit den Sozialpartnern zu diskutieren. Ziel sei jedenfalls mehr Lohngerechtigkeit.

In Deutschland vereinbarte die Regierung am Donnerstag, dass Unternehmen ab 200 Beschäftigten per Gesetz verpflichtet werden sollen, einen individuellen Rechtsanspruch von Arbeitnehmern auf Informationen über Gehaltsunterschiede einzuführen. Unternehmen ab 500 Beschäftigten werden aufgefordert, mindestens alle fünf Jahre ein Prüfverfahren durchzuführen. Eine Berichtspflicht über Maßnahmen zur Gleichstellung und zur Entgeltgleichheit gilt für Kapitalgesellschaften ebenfalls ab 500 Beschäftigten. In Deutschland betrifft dies laut Bundesfamilienministerium rund 4.000 Firmen mit 6,6 Mio. Beschäftigten.

ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm begrüßt die Pläne im Nachbarland. Österreich sei hier "schon weiter", verwies sie auf die verpflichtenden Berichte in Firmen ab 150 Mitarbeitern. "Es wirkt aber trotzdem nicht", kritisierte Schittenhelm gegenüber der APA und sieht die Sozialpartner gefordert. Auch von Frauenministerin Oberhauser, die aus der Gewerkschaft komme, erwartet sie sich "viel".

Auch Oberhauser plädiert für jede Maßnahme, um die Lohnschere zu schließen. Transparenz sei der "richtige Weg", sie werde daher mit den deutschen Kollegen Kontakt aufnehmen und sich über die Details zu den Plänen informieren, hieß es aus dem Ressort.