Erstellt am 06. September 2014, 23:13

Trotz Feuerpause gespannte Lage in der Ostukraine. Nach Inkrafttreten der ersten beidseitigen Feuerpause ist es in der ostukrainischen Krisenregion nach übereinstimmenden Berichten weitgehend friedlich geblieben.

Allerdings warfen sich die Konfliktparteien am Samstag gegenseitig Verletzungen der Waffenruhe vor. Am Samstagabend waren laut Medienberichten bei der Hafenstadt Mariupol zahlreiche Detonationen zu hören, zudem stieg dichter Rauch auf.

Freilassung der Gefangenen angekündigt

Nach Inkrafttreten der Feuerpause in der Ostukraine kündigten die Aufständischen die baldige Freilassung ihrer Gefangenen an. "Noch heute werden wir die ersten Männer gehen lassen, trotz der Verstöße des ukrainischen Militärs gegen die Waffenruhe", sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko am Samstag.

Er gehe davon aus, dass die Regierung in Kiew ihre Gefangenen spätestens an diesem Montag überstelle. Sachartschenkos Mitarbeiter Konstantin Knyrik sprach von einem "langwierigen Prozess". Die Aufständischen haben Schätzungen zufolge etwa 1.000 Soldaten in Gefangenschaft, die prowestliche Führung demnach etwa 200 Kämpfer.

Russland kündigte unterdessen für den Fall neuer EU-Strafmaßnahmen gegen Moskau im Ukraine-Konflikt eine Reaktion an. "Sollte die neue Liste der Sanktionen der Europäischen Union in Kraft treten, wird es zweifellos eine Reaktion von unserer Seite geben", warnte das russische Außenministerium. Mit der Sanktionsdrohung sende die EU ein Signal der Unterstützung für die "Kriegstreiber" in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Brüssel sollte sich lieber für einen Wiederaufbau des Donbass einsetzen.

"Ruhige Nacht" in Donezk und Luhansk

Aus der ukrainischen Krisenregion hieß es, das Gebiet um die Separatistenhochburgen Donezk und Luhansk (Lugansk) habe nach monatelangen Gefechten zwischen Regierungseinheiten und prorussischen Separatisten eine ruhige Nacht erlebt. Dies teilte die Stadtverwaltung von Donezk mit. Auch in der zuletzt umkämpften Hafenstadt Mariupol schwiegen die Waffen, wie örtliche Medien berichteten. Die Feuerpause zwischen Armee und Aufständischen war am Freitagabend in Kraft getreten.

Die prorussischen Separatisten und die prowestliche Führung in Kiew hingegen warfen sich gegenseitig die Verletzung der Waffenruhe vor. Die Separatisten warfen dem Militär am Samstag vor, mehrere Orte im Gebiet Donezk unter Feuer genommen zu haben. Die prowestliche Führung in Kiew wies die Beschuldigungen zurück und warf ihrerseits den militanten Gruppen Verstöße vor.

Die Feuerpause ist auch nach Einschätzung des Roten Kreuzes noch nicht völlig stabil. Die Organisation habe in der Früh Lastwagen mit humanitärer Hilfe in die Separatistenhochburg Luhansk (Lugansk) geschickt, wegen Granateneinschlags hätten die Fahrzeuge aber umdrehen müssen. Das teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz am Samstag per Twitter mit.

Am Samstagabend warfen die Separatisten den Regierungseinheiten erneut einen Verstoß gegen die vereinbarte Feuerpause vorgeworfen. Stellungen nahe Mariupol seien unter Feuer genommen worden, teilten die Aufständischen am späten Samstagabend mit. Bewohner der strategisch wichtigen Hafenstadt am Asowschen Meer berichteten örtlichen Medien zufolge von Schüssen und Detonationen. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichteten, waren östlich der Hafenstadt zahlreiche Detonationen zu hören, zudem stieg dichter Rauch auf.

Die prorussischen Aufständischen begannen der Regierung zufolge am Samstag mit der Freilassung von Gefangenen. Mehrere Soldaten seien in der Nähe der Separatistenhochburg Luhansk (Lugansk) übergeben worden, sagte Poroschenkos Sprecher Swjatoslaw Zegolko in der Hauptstadt Kiew.

Die prowestliche Führung der Ex-Sowjetrepublik will ihrerseits vermutlich an diesem Montag erste Gefangene freilassen. Die Aufständischen haben Schätzungen zufolge etwa 1.000 Soldaten in ihrer Hand, die Regierungstruppen demnach etwa 200 moskautreue Kämpfer.

Zweiter Hilfskonvoi aus Russland

Für Samstag hatte Russland einen zweiten Hilfskonvoi mit Lebensmitteln für die Ostukraine angekündigt. Moskau hatte vor kurzem eine Kolonne mit mehr als 250 Lastwagen eigenmächtig in die Ostukraine geschickt und damit heftige Proteste ausgelöst.

Tschechien lieferte am Samstag rund eine Tonne Verbandsmaterial in die Ukraine. Die dringend benötigte Hilfslieferung unter der Leitung des Roten Kreuzes habe inzwischen die Hauptstadt Kiew erreicht, teilte das Außenministerium in Prag mit. Die Güter seien für die Behandlung von Verbrennungen und anderen schweren Verletzungen von Zivilisten in der Ostukraine bestimmt. Weitere Hilfslieferungen sollen demnach in den kommenden Wochen folgen. Besonders Beatmungsgeräte seien in den Krankenhäusern in Dnjepropetrowsk und Charkow Mangelware, hieß es.

Tschechien hält gemeinsam mit der Slowakei weiter an seinem Widerstand gegen Teile der Russland-Sanktionen fest. Beide Staaten wollen sich weiterhin gemeinsam gegen solche Strafmaßnahmen wenden, die ihre eigenen nationalen Interessen betreffen. Darauf habe er sich mit seinem tschechischen Amtskollegen Bohuslav Sobotka geeinigt, teilte der slowakische Premier Robert Fico am Samstag in Bratislava mit.