Erstellt am 01. September 2014, 15:03

Trübe Konjunktur ließ Arbeitslosigkeit steigen. Die schwache Konjunktur hat die Arbeitslosenzahlen im August wieder in die Höhe getrieben.

Gegenüber dem Vorjahresmonat waren per Ende August um 10,1 Prozent mehr Personen, nämlich 355.643, ohne Job. Ohne zusätzliche Impulse wie eine "spürbare Steuerentlastung" werde die Arbeitslosigkeit mittelfristig weiter steigen, warnt Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ).

Um gegenzusteuern fordern Industriellenvereinigung, ÖGB und Arbeiterkammer eine Senkung der Steuerbelastung. Die Industrie warnt vor neuen Abgaben. ÖGB sowie AK urgieren eine Lohnsteuersenkung sowie ein Bonus-Malus-System für Ältere. Die Wirtschaftskammer drängt neben einer Lohnnebenkostensenkung auch auf eine Wohnbauoffensive sowie einen Bürokratieabbau.

FPÖ gegen Ostöffnung des österreichischen Arbeitsmarkts

Die FPÖ fordert den Rücktritt von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und das Ende der Ostöffnung des österreichischen Arbeitsmarkts. Die Grünen setzen auf mehr öffentliche Investitionen in Bildung, Soziales, Pflege und Gesundheit, Umwelt und Klima, die Regierung müsse hier zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen. Das Team Stronach will Steuersenkungen für Investitionen im Inland sowie Anreize für Unternehmer, ihre Mitarbeiter am Unternehmensgewinn zu beteiligen.

AMS und Sozialministerium haben die heute veröffentlichten Zahlen analysiert: Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition stieg im August um 0,7 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen legte um 11,1 Prozent auf 292.321 zu, bei den Schulungsteilnehmern des AMS war der Anstieg um 5,5 Prozent auf 63.322 geringer. Allerdings stieg auch die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um 24.000 (+0,7 Prozent) auf rund 3.477.000.

Zahl der offenen Stellen leicht gesunken

Der Trend der letzten Monate hat sich auch im August fortgesetzt: Immer mehr Personen treten zusätzlich auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Zum Ende des Sommers 2014 lag das Angebot an Arbeitskräften um 62.000 Personen über dem Vorjahr. Angesichts der beschränkten Nachfrage der Betriebe steigt in der Folge die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Personen, so das Sozialministerium. Die Zahl der offenen Stellen war bundesweit mit 27.690 etwas geringer als im Vorjahr (-0,4 Prozent).

Überdurchschnittlich gestiegen ist die Arbeitslosigkeit bei älteren Personen ab 50 Jahren (+15,8 Prozent), Ausländern (+23,3 Prozent) und gesundheitlich beeinträchtigten Arbeitssuchenden (+17,6 Prozent). Bereits jeder fünfte Arbeitssuchende hat gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen und jede vierte vorgemerkte Person ist älter als 50 Jahre. Bei den Jüngeren war die Lage im Vergleich etwas günstiger: Die Zahl der 15- bis 24-Jährigen Vorgemerkten stieg mit 5,7 Prozent deutlich geringer als der Durchschnitt. Bei den 15- bis 19-Jährigen war die Arbeitslosigkeit mit einem Minus von drei Prozent (-248 auf 8.150) sogar rückläufig.

Bei Männern stieg die Arbeitslosigkeit um 12,7 Prozent auf 155.915 Personen, bei Frauen legte sie um 9,3 Prozent auf 136.406 zu. Nach Branchen betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit besonders stark am Bau (+15,6 Prozent) und in der Leiharbeit (+13,1 Prozent). Trotz des Sommers legte die Arbeitslosigkeit auch im Tourismus zweistellig zu (+10,6 Prozent). Regional betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten in Wien (+14,4 Prozent), Oberösterreich (+12,5 Prozent) und Salzburg (+10,7 Prozent). Am geringsten war im August der Anstieg im Burgenland mit 5,7 Prozent, gefolgt von Vorarlberg mit 7,4 Prozent und Kärnten mit 7,9 Prozent.

Leichte Verbesserung am Lehrstellenmarkt

Am Lehrstellenmarkt gab es eine leichte Verbesserung: Ende August standen 8.562 Lehrstellensuchende einem Angebot von 4.143 offenen Lehrstellen gegenüber. Damit lag die Zahl der Lehrstellensuchenden österreichweit um 1,9 Prozent unter dem Vorjahr und der Bestand an gemeldeten offenen Lehrstellen um 0,5 Prozent darüber, die Lehrstellenlücke ist also etwas geschrumpft.

Im internationalen Vergleich bleibt der österreichische Arbeitsmarkt weiter vorne: Nach Eurostat-Definition betrug die Arbeitslosenquote in Österreich 4,9 Prozent. Damit lag Österreich gleichauf mit Deutschland am Spitzenplatz in der EU-Arbeitsmarktstatistik. Bei der Jugend wies Österreich nach Eurostat eine Quote von 9,3 Prozent auf und lag damit hinter Deutschland mit 7,8 Prozent. Österreich hatte also EU-weit den zweitbesten Rang inne.