Erstellt am 13. Februar 2016, 17:03

von APA/Red

Türkei erwägt mit Saudis Bodentruppen in Syrien. Die Türkei erwägt die Entsendung von Bodentruppen ins Bürgerkriegsland Syrien.

 |  NOEN, APA (AFP)

"Wenn es eine Strategie (gegen den IS) gibt, könnten die Türkei und Saudi-Arabien einen Einsatz am Boden starten", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Samstag nach seiner Teilnahme bei der Münchner Sicherheitskonferenz den türkischen Zeitungen "Yeni Safak" und "Haber".

Zuvor hatte Saudi-Arabien die Bereitschaft bekundet, im Rahmen der US-geführten Koalition Bodentruppen für den Kampf gegen den IS nach Syrien zu entsenden. Saudi-Arabien ist seit Ende 2014 Teil der Koalition gegen die Jihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS), hat sich allerdings nicht maßgeblich an den Luftangriffen gegen die Extremisten beteiligt. Riad steht in dem Bürgerkrieg hinter moderateren Gegnern von Machthaber Bashar al-Assad.

Kampfflugzeuge gegen den IS

Cavusoglu kündigte in dem Interview an, dass Saudi-Arabien Kampfflugzeuge für den Einsatz gegen den IS zum türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik entsenden werde. Saudi-arabische Regierungsvertreter hätten den Stützpunkt bereits inspiziert. Wie viele Flugzeuge Riad dort stationieren werde, sei aber noch unklar.

Russland bombardierte indes trotz der Verständigung von München auf eine baldige Feuerpause in Syrien weiter Regimegegner. Russische Jets hätten in der Nacht auf Samstag im Norden des Landes mindestens zwölf Angriffe geflogen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Getroffen worden seien Gebiete nahe der Stadt Azaz sowie weitere Orte unweit der Grenze zur Türkei.

Die bombardierte Region steht den Menschenrechtlern zufolge unter Kontrolle der Al-Nusra-Front, dem syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, islamistischer Gruppen sowie gemäßigter Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA). In Azaz halten sich nach verschiedenen Angaben Tausende Menschen auf, die vor der eskalierenden Gewalt und Luftangriffen in der Region geflohen sind.

Russland unterstützt syrische Regime

Russland unterstützt mit der Bombardierung das syrische Regime. Die Armee und ihre Verbündeten hatten Anfang des Monates mit russischer Luftunterstützung im Norden Syriens große Geländegewinne erzielt. So konnten sie etwa die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der umkämpften Stadt Aleppo in Richtung Türkei kappen.

Russische Jets flogen laut der Beobachtungsstelle, die der Opposition nahesteht, in der Nacht auf Samstag auch nördlich der Stadt Homs weitere Angriffe. Dort waren den Angaben zufolge am Freitag mindestens 16 Zivilisten durch russische Bomben getötet worden.

Am Samstag steuerten die Assad-Truppen nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte auf einen Einmarsch in die Hochburg des "Islamischen Staates" (IS) in der Provinz Raqqa zu. Nach einem rasanten Vormarsch in Richtung Osten stehe die Regierungsarmee wenige Kilometer vor der Provinzgrenze. Es wäre das erste Mal seit 2014, dass die syrische Armee rund um Raqqa wieder die Oberhand bekäme. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.

Rückeroberung weiterer Rebellengebiete

Die Regierungstruppen meldeten unterdessen die Rückeroberung weiterer Rebellengebiete nördlich von Aleppo. Nach Angaben der Beobachtungsstelle flogen russische Kampfbomber auch am Samstag Angriffe auf Rebellen-Orte rund um Aleppo. Eine Einnahme der einst größten Stadt des Landes wäre ein schwerer Rückschlag für die Aufständischen, die seit fünf Jahren gegen Präsident Assad kämpfen.

Deutsche Sicherheitsbehörden gehen einem Zeitungsbericht zufolge inzwischen von einem Sieg der Truppen Assads aus, und zwar wegen des russischen Eingreifens in den syrischen Bürgerkrieg. "Das Eingreifen Russlands bedeutet eine Trendwende zugunsten des Regimes in Damaskus, die unumkehrbar ist", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" aus Sicherheitskreisen. Der bewaffnete Widerstand gegen Assad zersplittere immer mehr und werde schließlich zusammenbrechen, lautet gemeinhin die Einschätzung.

Am Freitag hatten sich Russland und die USA in München darauf verständigt, sich für eine Feuerpause zwischen Regierung und gemäßigter Opposition binnen einer Woche einzusetzen. Allerdings wurde die Abmachung von keiner der Bürgerkriegsparteien unterschrieben.