Erstellt am 18. August 2016, 15:00

Mindestens sechs Tote bei Bombenanschlägen. Bei zwei Anschlägen auf Polizeihauptquartiere in den türkischen Städten Elazig und Van sind am Donnerstag jeweils mindestens drei Menschen getötet worden.

 |  APA/ag.

120 weitere Menschen seien bei der Explosion einer Autobombe in Elazig verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Bei dem zuvor verübten Anschlag in Van wurden demnach über 70 Personen verletzt. Verteidigungsminister Fikri Isik machte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für den Anschlag in Elazig verantwortlich und kündigte an, gegen die PKK ebenso hart vorzugehen wie gegen die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen.

Bei dem Anschlag in Elazig wurden laut TV-Berichten das vierstöckige Polizei-Gebäude und angrenzende Häuser schwer beschädigt. Die Bevölkerung Elazigs ist mehrheitlich nicht-kurdisch, die konservativ geprägte Stadt im Osten des Landes war bisher von den gewalttätigen Auswirkungen des Kurdenkonflikts verschont geblieben.

"Wir werden die PKK ebenso stoppen wie wir (die Gülen-Organisation) Feto gestoppt haben", sagte der Verteidigungsminister. Seit dem Putschversuch Mitte Juli wurden in der Türkei Zehntausende mutmaßliche Anhänger Gülens festgenommen, den die türkische Regierung für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Kritiker werfen Ankara vor, auch viele Regierungsgegner ohne nachweisliche Gülen-Verbindungen ins Visier genommen zu haben.

"Regionale Terrorgruppe" verantwortlich

In der Nacht waren bei einem Bombenanschlag auf die Polizeizentrale in der weiter östlich gelegenen Stadt Van drei Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt worden. Die Regionalregierung machte dort eine "regionale Terrorgruppe" dafür verantwortlich - mit diesem Begriff wird in der Regel die PKK bezeichnet.

Zwischen den beiden Anschlägen lagen nur wenige Stunden, am Montag war darüber hinaus ein Polizei-Zentrum am Rande der Regionalhauptstadt Diyarbakir Ziel eines Anschlags, bei dem acht Menschen getötet worden waren. Bei dem Anschlag nahe Diyarbakir wurden fünf Polizisten und drei Zivilisten getötet, bei dem Anschlag in Van waren es ein Polizist und zwei Zivilisten. Montag war der 32. Jahrestag des Beginns des bewaffneten Kampfs der PKK gegen die türkischen Sicherheitskräfte, bei dem inzwischen mehr als 40.000 Menschen getötet wurden.

Ein Gericht in Istanbul hatte am Dienstag die pro-kurdische Zeitung "Özgür Gündem" verboten. Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde das Verbot mit der Verbreitung von Propaganda für die PKK begründet. Das Gericht bezeichnete "Özgür Gündem" als "Sprachorgan" der PKK.

Waffenstillstand zerbrochen

Im Juli 2015 war nach zweieinhalb Jahren ein Waffenstillstand zwischen der PKK und der türkischen Regierung zerbrochen. Seitdem wurden Hunderte Sicherheitskräfte bei Angriffen der PKK getötet. Die türkische Armee ging ihrerseits mit aller Härte gegen die PKK im Südosten des Landes vor. Dabei wurden laut Menschenrechtsvertretern auch zahlreiche Zivilisten getötet.

Die Türkei erhöhte nach den Anschlägen die Alarmstufe. Ministerpräsident Binali Yildirim machte am Donnerstag die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK für die Attentate auf zwei Polizeistationen sowie ein Militärfahrzeug verantwortlich.

Die PKK verübe Anschläge in der Türkei, wo immer dies möglich sei, sagte er in Elazig im Osten des Landes. Dort besuchte Yildirim die Polizeiwache, die Ziel des Anschlags mit einer Autobombe war. Drei Menschen seien dort getötet und 217 verletzt worden, sagte Yildirim. Unter den Opfern seien 85 Polizisten.

Wenige Stunden später detonierte in Bezirk Hizan in der Provinu Bitlis ein Sprengsatz und zerstörte ein Militärfahrzeug. Dabei starben nach Angaben aus Sicherheitskreisen vier Sicherheitskräfte. Sieben Soldaten wurden verletzt. Erst am Mittwochabend war eine Polizeiwache in der Provinz Van an der Grenze zum Iran angegriffen worden. Bei dem Anschlag mit einer Autobombe kamen drei Menschen ums Leben, mehr als 70 wurden verletzt.

Bekannt hat sich zu den Anschlägen niemand. Die türkische Regierung macht die PKK dafür verantwortlich, die vor allem im Südosten der Türkei für die Unabhängigkeit der Kurden kämpft.