Erstellt am 08. September 2016, 13:50

von APA Red

Weitere 348 Mio. Euro EU-Hilfe für Syrer. Die EU hat weitere 348 Millionen Euro an Hilfsgeldern für syrische Flüchtlinge in der Türkei beschlossen. Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement, Christos Stylianides, erklärte, es handle sich um das größte Hilfsprogramm. U

 |  APA/dpa

nterdessen verzögert sich ein angekündigtes Gespräch der Außenminister Russlands und der USA zum Syrien-Konflikt. Es könnte am Freitag stattfinden, hieß es.

Die Lage in Syrien ist nach wie vor dramatisch. Mit der neuen Hilfe werde einer Million bedürftigen Flüchtlingen in der Türkei geholfen, um die grundlegenden Bedürfnisse erfüllen zu können, so Stylianides. Konkret würden die Flüchtlinge eine elektronische Bankkarte erhalten, über die monatliche Bargeldüberweisungen stattfinden.

Mit dem Geld, das die Flüchtlinge erhalten, können sie Nahrungsmittel für ihre Familien kaufen und auch die Kinder in die Schulen schicken, anstatt sie arbeiten zu lassen. Stylianides meinte zur Festsetzung der Leistungen für Flüchtlinge, es müsse auch auf die Höhe der Sozialhilfe für türkische Bürger Rücksicht genommen werden. Einen besonderen Bedarf könne es auch für ältere Flüchtlinge geben.

Die 348 Millionen humanitäre Hilfe sei Teil des im Rahmen des EU-Türkei-Deals zugesagten drei Milliarden Euro für die Jahre 2016 und 2017. Die EU halte damit ihre Verpflichtung ein, die Türkei bei der Flüchtlingshilfe zu unterstützen. Insgesamt seien bereits 652 Millionen Euro vertraglich im Rahmen der Flüchtlingshilfe gebunden, sagte Stylianides. Die Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden laufe "hervorragend", so Stylianides.

Änderungen bei Syrien-Gespräche

Unterdessen kam es bei den Syrien-Gesprächen zu Änderungen. Ein für Donnerstag angekündigtes Gespräch der Außenminister Russlands und der USA zum Syrien-Konflikt verzögert sich, es werde möglicherweise am Freitag stattfinden, hieß es. Konkrete Gründe für die Verzögerung wurden zunächst nicht bekannt.

Russland hatte bereits am Mittwoch ein zweitägiges Treffen der Minister Sergej Lawrow und John Kerry am Donnerstag und Freitag in Genf angekündigt. Dabei solle ein weiterer Anlauf für eine Waffenruhe im Bürgerkriegsland Syrien unternommen werden. Die Begegnung sei telefonisch von den Ministern vereinbart worden, erklärte zuvor das Außenministerium in Moskau.

Eine russisch-amerikanische Verständigung auf eine Waffenruhe war bereits am Wochenende beim G-20-Gipfel in China erwartet worden. Eine landesweite Feuerpause in dem Bürgerkriegsland ist Voraussetzung, um notleidenden Menschen humanitäre Hilfe leisten zu können.

Die Rebellen in der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo geraten unterdessen immer stärker unter Druck. Syriens Armee und seine Verbündeten nahmen im Süden Aleppos komplett das Gebiet ein, durch das bis vor kurzem der letzte Versorgungskorridor der Regimegegner lief, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Sechs kurdische Kämpfer und mehrere Zivilisten getötet

Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana und Rebellen berichteten über den Vormarsch der Armee. Den Versorgungskorridor selbst hatten die Regimekräfte bereits am Wochenende abgeschnitten. Er war die letzte Route, über die Rebellen Lebensmittel und anderen Nachschub in die von ihnen gehaltenen Teile Aleppos bringen konnten.

Anhänger der Regimegegner führten ihren erneuten Rückzug auf heftige russische Luftangriffe und den Einsatz ausländischer Kämpfer an der Seite der Armee zurück. Die irakische Schiiten-Miliz Nujaba hatte am Mittwoch erklärt, sie haben mehr als 1.000 Kämpfer nach Aleppo entsandt. Unterstützt wird die Miliz vom ebenfalls schiitischen Iran, der neben Russland wichtigster Verbündeter des syrischen Regimes ist.

Sechs kurdische Kämpfer und mehrere Zivilisten wurden unterdessen durch türkische Artillerieangriffe in Syrien getötet. Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mitteilte, wurde das von Kurden kontrollierte Gebiet Afrin am Mittwochabend von der Türkei aus heftig beschossen.

Eine syrisch-kurdische Nachrichtenwebsite nannte die gleiche Opferzahl. Die überwiegend von Kurden bewohnte Region Afrin wird seit der Vertreibung der syrischen Regierungstruppen im Jahr 2012 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrolliert. Seit dem Beginn der türkischen Militäroffensive in Syrien wurde sie bisher jedoch noch nicht direkt von der Türkei angegriffen.