Erstellt am 12. August 2016, 14:00

von APA Red

70 Jähriger von steirischem "Wahlsohn" erstochen. Der 70 Jahre alte Kärntner Walter H. aus dem Bezirk Wolfsberg, der seit mehr als einem Jahr als vermisst galt, ist offenbar im Frühjahr 2015 erstochen worden.

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Für die Tat verantwortlich ist laut Polizei ein 30-jähriger Steirer, er gab die Tat zu. Ein Freund, ebenfalls 30 und aus Kärnten, half ihm dabei, die Leiche des Pensionisten in einem Wald im Bezirk Judenburg zu vergraben und einzubetonieren.

Das letzte Mal lebend gesehen wurde H. am 19. April 2015. Weil er geschäftlich häufig in Russland und der Slowakei zu tun hatte, wurde er nicht sofort als vermisst gemeldet. Dies geschah erst im Juli 2015. "Es gab zuerst konkrete Hinweise, dass er sich im Ausland aufhalten könnte", sagte Gottlieb Türk, der Leiter des Kärntner Landeskriminalamts, am Freitag vor Journalisten.

Im Februar dieses Jahres wurde der Polizei dann der E-Mail-Verkehr zwischen H. und dem verdächtigen Steirer übermittelt. Es geht darin um ein Mietshaus in Wien, das H. seinem "Wahlkind" vor Jahren überschrieben hatte. Der 30-Jährige hatte Mieteinnahmen vor H. verheimlicht, deswegen gab es eine Auseinandersetzung. Laut Türk entstand daraus ein "vager Anfangsverdacht", dass das Verschwinden etwas mit dem Streit zu tun haben könnte. Interpol, die slowakische Polizei und weitere österreichische Kriminalbehörden wurden eingeschaltet.

Die Ermittlungen führten die Exekutive zu den beiden Verdächtigen. Sie hatten mit einer Kreditkarte von H. und einer gefälschten Unterschrift kurz nach seinem Verschwinden eine knapp 2.000 Euro hohe Rechnung in einem Stripklub in Bratislava bezahlt. Der verdächtige Steirer hatte überdies das Auto des 70-Jährigen, einen VW Touran, um 3.800 Euro an einen Händler im steirischen Zeltweg verkauft - vorgeblich in H.s Auftrag. Die Unterschrift auf dem Kaufvertrag war ebenfalls gefälscht.

Am Dienstag dieser Woche durchsuchte die Polizei die Wohnung des verdächtigen Steirers. Er und der zweite Verdächtige wurden zum Verschwinden von H. befragt. Nach anfänglichem Leugnen gaben sie zu, dass sich der Steirer am 22. April 2015 mit H. in Weißkirchen im Bezirk Murtal zu einer Aussprache getroffen hatte, die schließlich eskalierte. Türk: "Dabei hat er mehrmals mit dem Messer auf H. eingestochen." Der 70-Jährige starb an Ort und Stelle. Das Motiv dürfte sein, dass der Steirer fürchtete, dass ihm die Einkünfte aus der Vermietung des Hauses in Döbling weggenommen werden könnten.

Nach der Tat rief der Steirer seinen guten Freund an und bat ihn um Hilfe. Dieser wurde erst am Tatort eingeweiht, worum es ging. Gemeinsam luden sie die Leiche in den Touran. Nach einem Zwischenstopp bei einem Baumarkt, wo sie sich mit Zement und Werkzeug eindeckten, fuhren sie in einen 20 Kilometer entfernten Wald in den Seetaler Alpen im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet. An einer steilen, unwegsamen Stelle gruben sie ein einen Meter tiefes Loch, legten die Leiche hinein, rührten mit Mineralwasser Beton an und verschlossen damit das Grab.

Danach fuhren sie mit dem Auto des Opfers nach Bratislava, wo sie den Touran eigentlich los werden wollten. Stattdessen vergnügten sie sich auf Kosten des Toten - die Rechnung des Stripklubs wurde ihnen zum Verhängnis. Nachdem sie die Tat im Polizeiverhör zugegeben hatten, führten sie die Polizei sowohl zum Tatort als auch zu der Stelle, wo sie den Toten vergraben hatten. Das endgültige Obduktionsergebnis war am Freitag zwar noch ausständig, erste Untersuchungen bestätigten aber die Identität des Opfers und die Tötung durch Messerstiche.

Noch zu klären ist für die Polizei, wer das Messer, die Tatwaffe, mitgebracht hatte. Gefunden wurde es bisher nicht. Die Frage, ob der Verdächtige die Waffe mitgebracht hatte oder ob es dem Opfer gehörte, werde bei der rechtlichen Qualifizierung der Tat eine wichtige Rolle spielen, so Türk.