Erstellt am 23. Juni 2015, 11:57

von APA/Red

Nordlichter durch Sonnenstürme möglich. Ein starker Sonnensturm fegt seit Montagabend über die Erde hinweg, ein weiterer wird erwartet, wie Experten der Uni Graz und dem Institut für Weltraumforschung der APA am Dienstag mitteilten.

Die stärksten Sonnenstürme der letzten Jahre  |  NOEN, APA (dpa)

Gröbere Beeinträchtigungen bei der Stromversorgung und der Satellitenkommunikation seien bisher nicht bekannt. Die Sonnenstürme würden zu den stärksten der vergangenen zehn Jahre zählen, so Christian Möstl. Neben dem noch anhaltenden Sonnensturm sei noch ein weiterer Sturm aus geladenen Teilchen von ähnlicher Stärke am Weg zur Erde und wird für Mittwochmittag und -nachmittag erwartet.

"Bis zum Wochenende Chance, Nordlichter zu sehen"

"Leider haben wir gerade die Sommersonnenwende, dadurch ist es nicht wirklich lange dunkel, dazu kommt das für Beobachtungen ungünstige Regenwetter. Aber es besteht auch heute Nacht und bis zum Wochenende hin noch die Chance, Nordlichter zu sehen - auch über Österreich", erklärte der Grazer Wissenschafter.

Heftigere Auswirkungen - wie etwa bei der Sonneneruption im Jahr 1989, die zu einem großflächigen Stromausfall in der kanadischen Provinz Quebec führte - hielt Möstl für "weniger wahrscheinlich".

Ursache für den Sonnensturm am Montagabend sei eine starke Sonneneruption am Sonntag, 21. Juni, gewesen. Seit dem 18. Juni seien schon zwei, jedoch schwächere, Eruptionen in Zentrum der Sonnenscheibe beobachtbar gewesen, schilderte Möstl.

Sonnensturm erreichte nach 36 Stunden die Erde

Der Sonnensturm habe sich dann mit einer geschätzten Ausgangsgeschwindigkeit von rund 1.300 Kilometer pro Sekunde in Richtung Erde zubewegt bis er nach 36 Stunden und mit einer Geschwindigkeit von 700 Kilometer pro Sekunde die Erde erreicht hatte.

"Wir haben ein späteres Eintreffen des Sturmes erwartet, offenbar wurde er weniger durch den gewöhnlichen Sonnenwind abgebremst, als gedacht", erläuterte Möstl die aktuellen Berechnungen, die er gemeinsam mit Manuela Temmer von der Universität Graz erstellt hatte.

Im Nachhinein hat Möstl auch eine Erklärung für die Abweichung. Er vermutete, dass die ersten schwächeren Sonnenstürme den ständig herrschenden Sonnenwind "weggeschoben" haben und somit die Bahn für den starken Sonnensturm freier war als sonst: "Der Sonnensturm konnte sich somit quasi im Windschatten auf die Erde zubewegen".