Erstellt am 27. August 2014, 12:46

von APA/Red

Überfall auf Post-Geldtransporter fingiert. Der Überfall auf einen Geldtransporter der Post am 8. August in Wien-Brigittenau war offenbar fingiert.

Wie der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes, Oberst Michael Mimra, und Oberstleutnant Robert Klug am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mitteilten, ließ sich der Fahrer des Transporters von einem Freund überfallen. Dieser setzte sich mit der Beute ab.

Der vorgetäuschte Überfall spielte sich am Vormittag des 8. August in der Brigittenau ab. Der 37-jährige Fahrer hatte angegeben, dass er in der Wehlistraße gefesselt und geknebelt worden sei, der Täter habe ihm außerdem seine Post-Uniform abgenommen. Er sei hinten in der Ladefläche des Transporters gelegen und habe mitbekommen, dass das Fahrzeug unterwegs gewesen sei.

Angeblich dehydriert und mitgenommen fand die Polizei den Fahrer und den Transporter im Bezirk Landstraße, der angab, sich stundenlang im Wagen befunden zu haben. "Uns war gleich klar, dass der Überfall nur unter Mithilfe eines Insiders begangen werden konnte", erläuterte Klug.

Mit Beute in die Türkei abgesetzt

Im Zuge der Tatortarbeit sicherten die Ermittler einen Fingerabdruck, der einem der Polizei in Zusammenhang mit Drogendelikten wohlbekannten 34-jährigem türkischen Staatsbürger zugeordnet werden konnte. Die Ermittler fanden auch heraus, dass er mit dem Fahrer befreundet war. Das Problem: An seiner Wohnadresse am Alsergrund befand sich der 34-Jährige nicht mehr.

Also wurde der Chauffeur in eine Polizeidienststelle gebeten, wo man ihm auf den Kopf zusagte, wie der Überfall gelaufen war. Der 37-Jährige stritt zunächst alles ab, gestand dann aber doch seine Beteiligung. Die Schwierigkeit bestand darin, dass er seinen Komplizen für die Fahrt einschulen habe müssen. Denn dieser hatte nach dem angeblichen Überfall weitere Supermärkte anzufahren, weil das Duo nur einen Schlüssel für die Geldkoffer besaß, die damit aber nicht zu öffnen waren, ohne Alarm auszulösen. Daher zog sich der 34-Jährige auch die Uniform seines Komplizen an. Die Kalkulation: Bei irgendeinem der Supermärkte mussten sie sich den zweiten Schlüssel erschleichen, um die Beute unauffällig entnehmen zu können. Beim fünften Versuch bei einem Geschäft in der Leopoldstadt klappte es schließlich.

Danach aber gab es Differenzen über die weitere Vorgangsweise: Anstatt wie ausgemacht mit dem Chauffeur irgendwo in Österreich die Beute aufzuteilen, setzte sich der 34-Jährige mit dem ganzen Geld, etwa 500.000 Euro, in ein Flugzeug nach Istanbul und tauchte in seiner Heimat unter. Klug: "Er hatte offenbar nie vor, mit seinem Freund zu teilen."

"Ich mach mir ein schönes Leben"

Der 37-Jährige wurde festgenommen. Detail am Rande: Bei einer der Einvernahmen meldete sich sein Partner auf dem Handy des Chauffeurs. Die eindringliche Aufforderung der Ermittler (Landeskriminalamt Gruppe Kampner), mit der Beute nach Österreich zurückzukommen, beantwortete dieser sinngemäß so: "Ihr könnt mich gern haben, ich mach' mir mit dem Geld in der Türkei ein schönes Leben." Das sei aber kein wörtliches Zitat gewesen, sagte Klug: "Das habe ich etwas verschönt."

Nach Yunus K. wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ob die türkischen Behörden gegen einen Landsmann vorgehen, sei aber regional verschieden, meinte Mimra. In Wien gab es seinen Angaben zufolge 2012 und 2013 insgesamt zwei Überfälle auf Geldtransporter, die beide geklärt wurden. In einem Fall sei sogar ein Schuss gefallen. Heuer wurde eine achtköpfige Bande ausgehoben, die einen derartigen Raubzug plante. Von Überfällen wie beispielsweise in Frankreich oder Tschechien, bei denen die Verdächtigen überaus brutal vorgingen und in einem Fall sogar eine Panzerfaust einsetzten, sei man bisher aber verschont geblieben.