Erstellt am 20. Januar 2015, 11:05

Ukraine bewaffnet weitere 50.000 Mann. Im Kampf gegen prorussische Separatisten hat die krisengeschüttelte Ukraine mit einer umstrittenen Teilmobilmachung von zusätzlich bis zu 50.000 Mann begonnen.

Soldaten, die bereits lange im Einsatz gegen die Aufständischen im Osten des Landes seien, sollten durch Reservisten ersetzt werden, teilte am Dienstag das Verteidigungsministerium in Kiew mit.

Die Aufständischen und die Führung in Moskau kritisieren diese massive Verstärkung der Armee scharf. Beobachter befürchten eine weitere Eskalation der Lage. Separatistenführer Alexander Sachartschenko warf der prowestlichen Regierung in Kiew "Kriegsvorbereitungen" vor. "Wir sind nicht schwach und sind bereit, angemessen zu reagieren", warnte er in Donezk.

Das Fernsehen zeigte junge Männer bei ärztlichen Untersuchungen und beim Empfang von Waffen und Uniformen. In zwei weiteren Etappen sollen von April und Juni an erneut mehr als 50.000 Soldaten eingezogen werden. Die Teilmobilmachung erhöhe die Sicherheit der Ex-Sowjetrepublik, sagte der Berater von Präsident Petro Poroschenko, Juri Birjukow, mit Verweis auf Russland.

Donezk ist "Brennpunkt"

"Heißester Brennpunkt" der Ostukraine ist derzeit der Flughafen der Rebellenhochburg Donezk. Nach einem blutigen Kampftag sei Montagabend eine "gewisse Entspannung" erkennbar geworden, berichteten russische Medien. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verteidigte die neueste Militäroffensive gegen die Separatisten.

Die Armee habe im Krisengebiet Donbass auf Angriffe der moskautreuen Aufständischen reagieren müssen, sagte der prowestliche Staatschef bei einem Treffen mit der polnischen Ministerpräsidentin Ewa Kopacz in Kiew. Dennoch halte er eine politische Lösung des schweren Konflikts weiter für möglich.

Russland warf der Ukraine hingegen vor, mit ihrer Militäroffensive im Osten des Landes das Zustandekommen des angestrebten Vierer-Gipfel zu untergraben. Das ukrainische Vorgehen füge den Bemühungen um ein Treffen der Staats- und Regierungschefs Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs schweren Schaden zu, zitierte die Nachrichtenagentur RIA eine Stellungnahme des Präsidialamts in Moskau. Der Westen beschuldigt dagegen Russland, den Gipfel zu torpedieren, indem es das Waffenstillstandsabkommen von Minsk nicht umsetze.