Erstellt am 12. August 2014, 14:39

von APA/Red

Ukraine will Konvoi nicht durchlassen. Im Streit um Hilfslieferungen für die umkämpfte Ostukraine will die Regierung in Kiew russische Lastwagen an der Grenze stoppen.

"Wir werden keinen russischen Konvoi auf ukrainisches Staatsgebiet lassen", sagte der Vizechef der Präsidialverwaltung in Kiew, Waleri Tschaly, am Dienstag. Er forderte, die komplette Ladung solle an der Grenze auf Lastwagen des Roten Kreuzes umgepackt werden.

Das Rote Kreuz werde für diesen Transport, so betonte Tschalyj, eigens Lastwagen anmieten: "Es wäre problematisch russische Lastwagen - auch ohne Fahrer - auf ukrainischem Territorium zuzulassen." Die Ladung selbst werde die russisch-ukrainischen Grenze zwischen Belgorod und Charkow passieren und dort von ukrainischen Behörden kontrolliert werden. Für den weiteren Transport ist laut Tschalyj ausschließlich das Rote Kreuz verantwortlich. Der russische Konvoi umfasst 280 Lastwagen mit 2000 Tonnen Hilfsgütern. Bis der Transport die ukrainische Grenze erreicht, dürfte es einige Tage dauern.

Rotes Kreuz soll Hilfskonvoi genehmigen

Der Westen blickt skeptisch auf den Hilfskonvoi. Denn dieser könnte nach Einschätzung Frankreichs ein Deckmantel für eine dauerhafte Präsenz in der Region sein. "Wir müssen außerordentlich vorsichtig sein", sagte Außenminister Laurent Fabius. Es könne sein, dass sich auf diesem Wege Russen in der Nähe der Rebellenhochburgen Donezk und Luhansk in Stellung brächten und den Westen vor vollendete Tatsachen stellten. Der Hilfskonvoi sei nur möglich, wenn das Rote Kreuz ihn genehmige, sagte Fabius.

Unterdessen bereitet die Ukraine die Einkesselung der Rebellenhochburg Luhansk vor. "Die Streitkräfte planen, den Kämpfern die Wege nach Russland abzuschneiden und Luhansk endgültig zu umstellen", teilte die Einsatzführung am Dienstag mit. Nach Armeeangaben gab es zudem einen "Angriff" mit Fallschirmjägern auf von Rebellen kontrolliertem Gebiet, der den Aufständischen am Montag "schwere Verluste" zugefügt habe.

Zahlreiche Wohnviertel unter Dauerfeuer

Die ukrainische Armee soll eine strategisch wichtige Verbindungsstraße zwischen Gorlowka und Donezk erobert haben. "Das Militär setzt dort Artillerie und Luftwaffe ein", sagte der Militärexperte Dmitri Tymtschuk am Dienstag in Kiew. Auf beiden Seiten habe es Tote und Verletzte gegeben. Die prorussischen Aufständischen bestätigen den Geländegewinn der Regierungstruppen in der Region. Allerdings sei bei Krasny Lutsch ein Teil der Armee eingekesselt, behauptete ein Separatistensprecher.

Beide Seiten berichteten von schweren Kämpfen um die Ortschaft Miussinsk nahe der Großstadt Luhansk. Die Armee kontrolliere dort weiter die Hauptverbindungswege, sagte Tymtschuk. Ebenso umkämpft sei Ilowaisk südöstlich der Separatistenhochburg Donezk. In der Großstadt waren erneut zahlreiche Wohnviertel unter Dauerfeuer der Artillerie.