Erstellt am 03. August 2015, 11:29

von Heinz Bidner

Um 9,3 Prozent mehr Arbeitslose. Ende Juli waren 54.277 Personen beim Arbeitsmarktservice NÖ als arbeitslos vorgemerkt.

 |  NOEN, APA/Herbert Neubauer
Die schwache Konjunktur sorgt weiterhin für steigende Arbeitslosenzahlen in Niederösterreich. Ende Juli waren mit 54.277 Menschen um 9,3 Prozent mehr auf Jobsuche als vor einem Jahr.
Die Zahl der Schulungsteilnehmer, die offiziell nicht als arbeitslos gezählt werden, ging um 9,6 Prozent auf 8.027 zurück.
 
Die Arbeitslosenquote stieg in Niederösterreich damit um 0,6 Punkte auf 8,2 Prozent. Bundesweit kletterte die Quote auf 8,1 Prozent.

Österreich hat keinen Wachstumsvorsprung mehr

Die weiter steigende Arbeitslosigkeit lässt Österreich im EU-Vergleich zurückfallen. Österreich hatte in den letzten zwei Jahrzehnten häufig mehr Wirtschaftswachstum als viele andere EU-Länder, "dieser Wachstumsvorsprung ist derzeit nicht vorhanden", erklärt der Arbeitsmarktexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Helmut Mahringer, im "Ö1-Mittagsjournal" des ORF-Radio am Montag.

Aufgrund von Pensionsreform und Migration steige die Zahl der Jobsuchenden stärker als die Zahl der offenen Stellen, damit sei es schwieriger, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, so der Experte. Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sollten die Lohnnebenkosten gesenkt werden, damit Unternehmen mehr neue Mitarbeiter anstellen.

Die Eingliederungsbeihilfe für Arbeitslose haben positive Ergebnisse gezeigt. Darüber hinaus wäre auch die Realisierung des Bonus-Malus-Systems wünschenswert, um eine stärkere Teilnahme von Älteren am Arbeitsleben zu erreichen, fordert Mahringer. Weiters sollten Ältere auch stärker in Weiterbildungsmaßnahmen einbezogen werden und Aktivitäten im betrieblichen Gesundheitsschutz müssten gesetzt werden.

Sechster im EU-Ranking

Im EU-Ranking liegt Österreich nach Eurostat-Berechnungen einer Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent derzeit an sechster Stelle. Den Spitzenplatz hält Deutschland (4,7 Prozent) vor Tschechien (4,9 Prozent) und Malta (5,5 Prozent). Ebenfalls vor Österreich liegen noch Großbritannien (5,6 Prozent) und Luxemburg (5,7 Prozent). Der EU-Schnitt beträgt 10,0 Prozent, die höchste Arbeitslosigkeit ist in Griechenland mit 25,6 Prozent zu verzeichnen.

Bei der Jugendarbeitslosigkeit liegt Österreich mit 10,3 Prozent derzeit an vierter Stelle in der EU. Klassenbester ist auch hier Deutschland mit 7,1 Prozent, vor Malta mit 10,0 und Estland mit 10,1 Prozent Arbeitslosigkeit. Die Werte sind die jeweils letztverfügbaren bei Eurostat aus einer Abfrage vom 31. Juli, für Österreich ist der Juni-Wert in der Statistik.