Erstellt am 12. Oktober 2015, 07:44

von APA/Red

Abgas-Affäre: US-Behörde stellt VW Ultimatum. VW ringt weiter mit den Konsequenzen des Abgas-Debakels. Während die Aufklärung in Deutschland erst langsam anläuft, muss der Konzern in den USA an mehreren Fronten zugleich kämpfen.

Dunkle Wolken über VW wollen nicht abziehen  |  NOEN, APA (AFP)

Ein Ultimatum der kalifornischen Umweltbehörde CARB setzt den größten europäischen Autobauer zusätzlich unter Zeitdruck.

CARB-Chefin Mary Nichols sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", VW habe bis zum 20. November Zeit, um einen Plan zur Nachrüstung der von Manipulationen betroffenen Diesel-Autos vorzustellen. Sie erwägt offenbar, notfalls Fahrzeuge der Wolfsburger aus dem Verkehr zu ziehen: "Wenn es keine technische Lösung gibt, drohen die Stilllegung und zivilrechtliche Auseinandersetzungen mit Kunden." Nichols kündigte auch Testergebnisse zu Dieselmodellen anderer Hersteller an.

Volkswagen hatte vor wenigen Tagen um Geduld gebeten und angekündigt, den Rückruf der rund 480.000 fraglichen US-Wagen im Jänner starten zu wollen. Weltweit geht es um etwa elf Millionen Autos. Der neue VW-Vorstandschef Matthias Müller rechnet damit, dass die Rückrufaktion bis Ende des kommenden Jahres dauern könnte.

Unterdessen gibt es Spekulationen darüber, ob die bisher eingeräumten Manipulationen von Stickoxid-Werten mit einer bestimmten Software ("Defeat Device") nur auf dieses Programm begrenzt waren. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg nahmen US-Behörden auch eine zweite Software ins Visier, die den Ausstoß beeinflussen kann.

Aus Konzernkreisen hieß es dazu, bei den Untersuchungen der Manipulationsvorwürfe gehe es ausdrücklich nach wie vor nur um ein Programm. Eine weitere Software spiele aber in einem anderen Zusammenhang eine Rolle. Dieses komme während des Warmlaufens der Abgasanlage zum Einsatz und liege zur Genehmigung vor.

"Wie bereits in der Anhörung vor dem US-Kongress erklärt, hat VW im Rahmen des Zulassungsverfahrens für die Modelle mit 2,0 TDI-Motoren des Modelljahres 2016 über ein "Auxiliary Emissions Control Device" (AECD) informiert", erläuterte ein Sprecher. VW-US-Chef Michael Horn hatte am Donnerstag im Parlament in Washington ausgesagt. Dabei erklärte er den Angeordneten unter anderem, dass VW den Antrag auf Zulassung von AECD-Dieselautos des Modelljahres 2016 zurückgezogen habe, weil die Umweltbehörden das Hilfsgerät zunächst prüfen müssten.

Die "Defeat Device" genannte Software, die den Skandal ausgelöst hatte, stellt fest, ob sich ein Auto in einem Abgastest befindet. Nur dann ist die Reinigung voll aktiv, im Normalbetrieb ist die Luftverschmutzung dagegen um ein Vielfaches höher.

Nach Angaben Müllers sind weltweit etwa 5 Millionen Autos der Kernmarke VW-Pkw, 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700 000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge betroffen. Letztere teilten am Sonntag mit, dass die aktuellen Modelle Amarok, Crafter und Transporter nicht die fragliche Software enthalten, aber die 1,6- und 2,0-Liter-TDI-Motoren des Caddy und der Amarok bis zum Jahr 2012.

Zur Bewältigung der finanziellen Lasten aus der bevorstehenden Nachrüstung von Millionen Autos hat Volkswagen bereits Rücklagen von 6,5 Milliarden Euro gebildet. Auch wichtige Investitionen werden nun neu bewertet, Konzernchef Müller will einen strikten Sparkurs fahren.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) prüft wegen der VW-Abgasaffäre, von dem Autobauer Kredite zurückzufordern. Nicht nur Millionen von Autokäufern seien "getäuscht und geschädigt" worden, sagte der Chef des EU-Förderinstituts, Werner Hoyer, der "Süddeutschen Zeitung". "Auch die EIB könnte geschädigt worden sein, weil wir mit unseren Krediten bestimmte Klimaziele verfolgen müssen."

Hoyer kündigte "sehr genaue Untersuchungen" an und fügte hinzu: Vorbehaltlich des Ergebnisses "werden wir uns die Frage stellen müssen, ob wir Kredite zurückfordern müssen, sollten sie zweckentfremdet worden sein". Die EIB hat der Zeitung zufolge Volkswagen seit 1990 rund 4,6 Milliarden Euro an günstigen Krediten gewährt. Damit sollten unter anderem die Entwicklung sauberer Motoren vorangetrieben sowie ausländische Produktionsstätten in Lateinamerika finanziert werden. Rund 1,8 Milliarden Euro davon sind demnach noch offen, also zurückzuzahlen.