Erstellt am 25. September 2016, 19:29

Bombenanschlag in Budapest richtete sich gegen Polizei. Bei einem Bombenanschlag im Zentrum von Budapest sind in der Nacht auf Sonntag zwei Streifenbeamte schwer verletzt worden.

Hintergründe der Explosion noch unklar  |  APA/dpa

 "Die vorliegenden Indizien lassen zweifelsfrei darauf schließen, dass die Polizisten das Ziel des Anschlags waren", erklärte der ungarische Landespolizeikommandant Karoly Papp am Sonntagabend auf einer Pressekonferenz in Budapest.

"Die gesamte ungarische Polizei war das Ziel, man wollte meine Polizisten hinrichten", fügte er hinzu. Die hohe Summe von 10 Millionen Forint (32.700 Euro) wurde für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, ausgesetzt. Den Informationen zufolge befanden sich die beiden Beamten auf einer regulären Patrouille und wurden nicht im Besonderen an den Ort der späteren Explosion gerufen.

Die Explosion erschütterte am Samstag um 22.36 Uhr den Theresien-Ring und den Oktogon-Platz, ein beliebtes Viertel mit zahllosen Bars und Restaurants in der Budapester Innenstadt. Nach Medienberichten detonierte der Sprengsatz am Boden vor einem Wohnhaus. Eine Polizistin wurde lebensgefährlich, ein Polizist schwer verletzt. Polizeikommandant Papp beschrieb den Zustand der beiden als stabil.

Auf die Frage eines Journalisten, ob es sich um einen Terroranschlag handelte, wollte Papp nicht antworten. "Die ermittelnde Staatsanwaltschaft spricht von sieben möglichen Versionen", sagte er. "Mehr kann ich derzeit dazu nicht sagen."

Der Fernsehsender M1 berichtete, eine Überwachungskamera habe Bilder von einem Menschen aufgezeichnet, der an der Stelle der späteren Explosion eine Tasche ablegte. Ein Sprengstoffexperte sagte M1, wahrscheinlich sei die Detonation durch eine selbst gebaute Bombe ausgelöst worden. Augenzeugen verbreiteten im Internet Fotos, auf denen Nägel auf der Straße zu sehen waren.

Der Sicherheitsausschuss des ungarischen Parlaments wurde für Montag einberufen. Die Explosion ereignete sich nur wenige Tage vor dem vom rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban angesetzten Referendum am 2. Oktober, bei dem die Ungarn über die EU-Quotenregelung zur Verteilung von Flüchtlingen auf die EU-Mitgliedstaaten abstimmen sollen.