Erstellt am 02. September 2015, 22:54

Ungarns Botschafter in Wien verteidigt Grenzzaun. Der ungarische Botschafter in Österreich, Janos Perenyi, verteidigt den Bau eines 175 Kilometer langen Stacheldrahtzauns an der Grenze seines Landes zu Serbien.

 |  NOEN, APA (epa)

In der "ZiB 2" des ORF-Fernsehens sagte Perenyi am Mittwochabend, Ungarn müsse den Ansturm von Flüchtlingen "in eine geordnete Form" bringen. "Es gibt geschichtliche Situationen, die außer Kontrolle geraten."

Vergleiche zu den Jahren 1956, als rund 200.000 Ungarn im Zuge eines niedergeschlagenen Aufstands aus ihrer damals kommunistischen Heimat ins Ausland - vorwiegend nach Österreich - flohen, oder dem Abbau des "Eisernen Vorhangs" zwischen Ost- und Westeuropa vor mehr als 25 Jahren lehnte der Diplomat ab. Solche Vergleiche seien "unhistorisch und irreführend".

In Budapest hatten am Mittwoch rund 3.000 Migranten - die meisten aus Kriegsgebieten des arabischen Raums wie Syrien - am Ostbahnhof (Keleti) ausgeharrt. Gegen Abend verdichteten sich die Anzeichen, dass die ungarische Polizei eine Räumung des Bahnhofs vorbereiten könnte. Möglicherweise sollen die Asylbewerber mit Bussen in Lager gebracht werden.

An sich will die Mehrheit von ihnen nach Deutschland weiterreisen. "Ungarn allein" könne das Flüchtlingsproblem nicht lösen, insistierte Perenyi gegenüber dem ORF. Es müsse eine Lösung auf EU-Ebene gefunden werden. Zudem müssten Konzepte zur Bekämpfung der Ursachen der Fluchtbewegungen im Nahen Osten und der afrikanischen Subsahara-Region ausgearbeitet werden.

Der rechtsnationale ungarische Regierungschef Viktor Orban kommt am Donnerstag nach Brüssel, um über die Migrationskrise zu beraten. Er wird mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und danach mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zusammentreffen.

Ungarn möchte laut Kommission eine Nothilfe von acht Millionen Euro erhalten, um ankommende Flüchtlinge zu versorgen. Die Kommission hatte Ungarn ermahnt, in der Krise europäisches Recht einzuhalten. So müssten alle ankommenden Flüchtlinge mit Fingerabdrücken registriert werden.

Trotz des neuen Grenzzauns mit zum Teil messerscharfen Klingen hält der Zustrom an Migranten an. So waren am Dienstag insgesamt 2.284 neue Flüchtlinge, darunter 353 Kinder, in Ungarn eingetroffen, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Der vier Meter hohe Verhau soll illegale Einwanderung über die EU-Außengrenzen zwischen Serbien und Ungarn verhindern.