Erstellt am 03. Dezember 2015, 20:19

von APA/Red

Uni-Entwicklungsplan mit 500 Professuren mehr. Bis 2017/18 sollen an den Unis 500 zusätzliche Professuren bzw. äquivalente Stellen geschaffen werden.

Das sieht der vom Wissenschaftsministerium am Dienstag der Hochschulkonferenz vorgelegte erste "Gesamtösterreichische Universitätsentwicklungsplan" für die Jahre 2016 bis 2021 vor. Das entspricht einem Plus von zehn Prozent gegenüber 2014/15 bei Professoren, Dozenten und assoziierten Professoren.

Mit dem Uni-Entwicklungsplan gebe es "erstmals einen langfristigen strategischen Rahmen, der uns klare Handlungsoptionen für die weitere Entwicklung unserer Hochschulen gibt", erklärte Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Angesichts enger budgetärer Spielräume und des zunehmenden Wettbewerbs auf internationaler Ebene müssten vorhandene Stärken ausgebaut und Schwächen behoben werden.

Die Erhöhung der Professoren-Stellen findet sich in einem ("Verbesserung relevanter Leistungskennzahlen des Lehrbetriebs") von acht "Systemzielen" des Plans. Zudem wird darin bis 2017/18 ein Zuwachs von zehn Prozent bei den prüfungsaktiv betriebenen Studien auf 200.000 angestrebt, bis 2021 eine Steigerung um weitere fünf Prozent auf 210.000.

Mindestens 16 ECTS-Punkte

Als "prüfungsaktiv" werden jene Studien definiert, in denen im Studienjahr mindestens 16 ECTS-Punkte oder positiv erbrachte Studienleistungen im Umfang von acht Semesterstunden erbracht werden. Angestrebt wird ein Betreuungsverhältnis von 40 prüfungsaktiven Studierenden in Bachelor-, Master- und Diplomstudien pro Professur bzw. äquivalenter Stelle. 2013/14 betrug dieses Verhältnis eins zu 42.

Ebenfalls um zehn Prozent soll im gleichen Zeitraum die Zahl der Absolventen steigen, bis 2021 sogar um 15 Prozent. 2014/15 werden in der Hochschulprognose der Statistik Austria 34.400 Absolventen erwartet. Der Plan geht davon aus, dass "die bestehenden Zugangsregelungen, Maßnahmen zur Verbesserung der Betreuungssituation und weitere Verbesserungen in der Qualität der Lehre die Abschlussorientierung unter Studierenden nennenswert befördern".

Details über die Finanzierung werden im Uni-Entwicklungsplan nicht ausgeführt. In dem Papier heißt es, dass die Erreichung der Ziele "eng mit einer hinreichenden Finanzierung der Universitäten zusammenhängt" und sich das Ministerium "weiterhin für eine ausreichende Budgetierung einsetzen wird". "Weiter verfolgt" werde die Einführung einer "kapazitätsorientierten Universitätsfinanzierung", u.a. "verbunden mit einer Ausweitung der Zugangsregelungen".

Uni-Budget so hoch wie noch nie

Mitterlehner verweist darauf, dass das Uni-Budget "mit 9,7 Mrd. Euro für die kommenden drei Jahre so hoch wie noch nie ist". Dieser finanzielle Wachstumskurs müsse auch für die Leistungsvereinbarungsperiode ab 2019 gewährleistet werden. Zudem brauche es ergänzend zu den öffentlichen Ausgaben eine Steigerung privater Mittel und "eine konsequente Ausschöpfung vorhandener Effizienzpotenziale an den einzelnen Einrichtungen."

Als "System-Ziel 1" nimmt man sich in dem Plan eine "Differenzierung und Diversifizierung des Hochschulsystems durch Abstimmung des Studienangebots und interinstitutioneller Clusterbildung im Forschungsbereich" vor. 2016 sollen zunächst "rahmengebende Grundsätze für die sektorale Differenzierung unter Einbeziehung der Hochschulkonferenz" erarbeitet werden, anschließend geht es an die konkrete Abstimmung der Studien zwischen den einzelnen Universitäten bzw. Unis und Fachhochschulen. Als Dauer werden zwei bis drei Leistungsvereinbarungsperioden - also sechs bis neun Jahre - angegeben.

Qualität ist entscheidend

"Unser Ziel ist es, dass das Studienangebot zwischen den Universitäten, aber auch mit Fachhochschulen, besser koordiniert wird. Nicht die Anzahl der Fächer an einem Standort ist entscheidend, sondern die Qualität die man anbieten kann", so Mitterlehner. Als "jedenfalls langfristig notwendig" sieht der Plan eine Umleitung von Studenten an die Fachhochschulen.

Weitere Ziele sind die "Stärkung der Grundlagenforschung", wofür nicht nur "ein entsprechendes Umfeld", sondern auch "eine Budgetbasis" geschaffen werden soll. Der "Kleinteiligkeit" in vielen Disziplinen will man entgegenwirken. Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchs nimmt man sich unter anderem die "Weiterentwicklung eines Karrieremodells für Wissenschaftler/inn/en mit besonderer Berücksichtigung von gender- und Diversity-Aspekten" vor.

Schließlich wird ein "Kulturwandel zugunsten von sozialer Inklusion, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität" an den Unis angestrebt. So soll die Zusammensetzung der Studenten- und Absolventenstruktur an jene der Gesamtbevölkerung in Bezug auf das Bildungsniveau herangeführt werden - erste Maßnahmen dazu werden für 2017 angekündigt.

Entwicklungsplan zu wenig konkret

Der Universitätenkonferenz (uniko) ist der Entwicklungsplan zu wenig konkret. Der Universitätenkonferenz sei am Donnerstag nur eine Kurzfassung des Universitätsentwicklungsplans präsentiert worden, "mit der nicht beurteilt werden kann, ob die ursprünglichen Bedenken der uniko ausgeräumt sind", sagte uniko-Vizepräsident Gerald Bast in einer Aussendung. "Es scheint sich eher um allgemeine Zielformulierungen als um konkret umsetzbare Pläne zu handeln, die in die Zukunft des tertiären Bildungssystems weisen."

Die ÖH lehnte die im Universitätsentwicklungsplan vorgesehene Ausweitung der Zugangsbeschränkungen "auf das Schärfste" ab. "Das Ministerium hat heute wieder einmal seine Kurzsichtigkeit im Hochschulsektor belegt. Anstatt konkrete Vorschläge zu präsentieren und die Interessenvertretungen glaubhaft einzubinden, wurde fast schon reflexartig wieder einmal eine Ausweitung der Zugangsbeschränkungen gefordert. Überhaupt fehlt uns jegliche Anleitung wie der gewünschte Umbau der Universitäten finanziert werden soll. Dieser Plan ist einfach nicht durchdacht", so Philip Flacke vom Vorsitzteam der ÖH.

Begrüßt wurde der Plan vom Wissenschaftsrat. Erstens stelle der Plan die vom gesamten Hochschulsystem seit langem eingemahnte Datenbasis her, auf die alle weiteren Hochschulkonzeptionen zurückgreifen können. Das gelte auch für die Entwicklungsplanung der Universitäten. Zweitens verschaffe sich die Hochschulpolitik die notwendige planerische Voraussetzung für ihre Rolle im Prozess der Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten. In diesem Prozess stehen sich die Universitäten mit ihren Entwicklungsplänen und das Ministerium mit seinen Vorstellungen über eine Gesamtentwicklung des universitären Sektors gegenüber. Der Universitätsentwicklungsplan macht diese Vorstellungen konkret, so der Wissenschaftsrat.